Lina Krasnorutskaja: 16 Jahre und genauso hübsch: Neue Konkurrentin für Anna Kurnikowa
zuletzt aktualisiert: 31.05.2000 - 11:23Paris (dpa). Es sieht so aus, als bekäme Anna Kurnikowa (Foto) bald schon Konkurrenz. Als der Himmel über Paris tiefdunkel war und strömender Regen den Spielbetrieb der French Open lahm legte, nutzte Russlands neuer Tennis-Teenager Lina Krasnorutskaja die Tristesse, sich ins rechte Licht zu rücken.
Roland Garros bot die Bühne für den angepeilten Karrieresprung, den die auch erst 18-jährige "Sexy-Anna" in atemberaubender Leichtigkeit vormachen durfte. Was sind schon Vorhand, Aufschlag und ein tückischer Slice, wenn blonde Haare und jugendliche Anmut blendend ausgebildet sind?
Lina Krasnorutskaja aus Obninsk rund hundert Kilometer nordwestlich von Moskau ist erst 16 Jahre jung. Aber sie hat das Business rund um den weißen Sport längst kapiert und weiß genau, was sie will. "Du kannst in jedem Sport viel Geld machen, wenn du es nur willst", sagt sie. Die kapitale Revolution im russischen Reich, die sie nur dem Hörensagen nach kennt, hat sie trotz ihrer Jugend tief verinnerlicht. "Tennis ist in Russland weit populärer als Fußball, weil wir viel erfolgreicher sind", meint sie. Und sie kennt auch das Erfolgsrezept, mit dem man populärer als andere wird: "Marat Safin ist bei uns viel bekannter und beliebter als Jewgeni Kafelnikow, weil er kein Familienvater ist. Deshalb ist er der Schwarm der Mädchen."
Lina Krasnorutskaja hat schon "mit drei Jahren das Racket geschwungen", wie sie erzählt. Genauer gesagt sogar "schon im Bauch meiner Mutter". Dass Tennis ihre Profession werden würde, war also vorgezeichnet. Wenn es mit der großen Karriere aber letztlich nichts wird, bricht die Welt für sie auch nicht aus den Angeln. "Dann gehe ich zum Fernsehen und will meine eigene Sendung haben."
An Selbstbewusstsein, das merkte jeder Zuhörer in der vom Regen aufgezwungenen Auszeit sofort, mangelt es ihr nicht. Und die Konkurrenz im eigenen Land fürchtet sie schon gar nicht. "Anna Kurnikowa ist ein Grund, warum Tennis in Russland so populär ist. Aber sie ist ganz sicher nicht der einzige Grund, auch wenn sie natürlich unheimlich hübsch ausschaut im Fernsehen." Wichtig sei vor allem der Verband, der nicht nur sie tatkräftig und finanziell unterstützt. Denn Tennis sei in Russland noch immer ein Sport für die Reichen. "Eine Tennisstunde kostet rund 30 Dollar", erzählt sie, "das ist doppelt so viel wie meine Großmutter im Monat zum Leben hat."
Sponsoren sind der andere Faktor einer gewinnreichen Karriere. "Ohne sie geht es nicht", meint die junge Dame. Dass die immensen Summen der Sponsoren und natürlich auch das Preisgeld in die Taschen der Spieler fließen, sei der heute für Weißrussland spielenden Natascha Zwerewa und Safin-Trainer Andrei Tschesnokow zu verdanken.
Können und Aussehen vereint eine weitere Kurnikowa-Konkurrentin, die 18-jährige Anastasia Myskina. Die Moskowiterin gewann vor einem Jahr als Nummer 195 der WTA-Weltrangliste das Turnier in Palermo. Das gelang weder vorher noch hinterher einer so schlecht postierten Spielerin. Inzwischen ist sie bis auf Position 52 vorgerückt. Lina Krasnorutskaja hat es als 120. bis in diese Regionen noch nicht geschafft. Aber schon bald will sie der Weltranglisten-15. Anna Kurnikowa auch in dieser Hinsicht Konkurrenz machen.
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