Sitzstreik wegen Regeländerung: Neue Regeln sorgen für Eklat
zuletzt aktualisiert: 04.06.2001 - 19:54Hengelo (rpo). Beim Grand-Prix-Meeting im niederländischen Hengelo haben die deutschen Athleten für einen Eklat gesorgt. Mit einem Sitzstreik protestierten die Sportler gegen die geplanten Regeländerungen die eine Reduzierung der Versuche pro Höhe von drei auf zwei zur Folge hatte.
"Wir sind uns einig, dass die neue Regel der Disziplin nur schadet", sagte Bundestrainer Leszek Klima. Eine Verzerrung der Wettbewerbe befürchtet Danny Ecker: "Sehr oft werden die Höhen doch erst im dritten Versuch gemeistert", meinte der Olympiaachte.
Danny Ecker & Co. machten es sich gegen 17.15 Uhr auf der Stabhochsprungmatte bequem, statt wie zu diesem Zeitpunkt vorgesehen, mit dem Wettkampf zu beginnen. Vergeblich versuchten die Kampfrichter zunächst, die zehn Athleten zur Aufnahme der Konkurrenz zu bewegen. Erst nach zehn Minuten, nachdem ihr Anliegen über Stadionlautsprecher vorgelesen worden war, beendeten die Stabartisten ihren Sitzstreik.
Dabei besteht grundsätzlich bei den Athleten große Bereitschaft zu Reformen. "Wir wissen, dass wir etwas tun müssen, um der Leichtathletik aus der Krise zu helfen. Doch statt uns vor vollendete Tatsachen zu stellen, sollte die IAAF den Dialog mit uns suchen", wirft Jörn Elberding, Trainer des Olympiavierten Michael Stolle, dem Weltverband vor.
In Portland hatten Stab-Weltrekordlerin Stacy Dragila und der Olympiazweite Lawrence Johnson eine Petition gegen die Regeländerung unterzeichnet. Der IAAF-Kongress im August in Edmonton will am Rande der WM über ein neues Regelwerk abstimmen. Die Sprint-Superstars Maurice Greene (Foto), Marion Jones und Michael Johnson hatten bereits zuvor gegen die Änderung der Fehlstartregel aufbegehrt. Danach würde die Disqualifikation auf den Strecken von 100 bis 400 m bereits nach dem ersten Frühstart erfolgen.
Kurzes Vergnügen
"Es ging so schnell vorbei. Ich bin nicht einmal müde. Ich fühle überhaupt nicht, dass ich gesprungen bin. Das ist ein völlig anderer Wettkampf. Das Ganze ist lächerlich", wetterte die amerikanische Olympiasiegerin und Weltmeisterin Stacy Dragila. Die Weltrekordlerin gewann im Stabhochsprung mit enttäuschenden 4,51 m. Mit dieser Wettkampfform werde sie ihren Weltrekord von 4,70 m nicht verbessern können, ist sich Dragila sicher und klagte: "Man bekommt kein Gefühl für den Wettkampf." Ihr Wettbewerb dauerte nur 45 Minuten.
Noch schneller waren die Stabhochspringer fertig. Sie benötigten lediglich 28 Minuten. Vier Athleten scheiterten dabei schon an ihrer Anfangshöhe, darunter Hallen-Weltmeister Lawrence Johnson (5,75 m). "Ich hoffe, die Funktionäre bekamen, was sie wollten. Wenn sich das nicht wieder ändert, kann man an einem solchen Wettkampf nicht mehr teilnehmen", kündigte Johnson seinerseits Konsequenzen an. Wettbewerb und die Siegprämie von 3000 Dollar gingen an seinen Landsmann Pat Manson, der 5,35 m überquerte.
In Hengelo wurde auch die vorgesehene Reduzierung der Versuche in den Wurfdisziplinen ausprobiert. Ebenfalls mit wenig Gegenliebe. "Ich bin dagegen, weil sich der Charakter des Wettkampfes ändert", erklärte die dreimalige Weltmeisterin Astrid Kumbernuss.
Kumbernuss ohne Chance gegen Koroltschik
Die dreimalige Kugelstoß-Weltmeisterin Astrid Kumbernuss aus Neubrandenburg war beim Grand-Prix-Meeting in Hengelo chancenlos gegen Olympiasiegerin Janina Koroltschik. Die Weißrussin siegte mit Jahresweltbestweite von 20,29 Meter deutlich vor Nadeschda Ostaptschuk (ebenfalls Weißrussland/19,53) und der Russin Swetlana Kriweljowa (19,25). Atlanta-Olympiasiegerin Kumbernuss kam bei Temperaturen um nur 15 Grad nicht über 19,18 m hinaus und landete bei ihrer ersten Saisonniederlage als Vierte unmittelbar vor der Magdeburger Vize-Weltmeisterin Nadine Kleinert-Schmitt (19,05).
Frauen:
Kugelstoßen: 1. Janina Krolchik 20,29 Meter (Weltjahresbestleistung) 2. Nadescha Ostapchuk (beide Weißrussland) 19,53 3. Swetlana Kriweljowa (Russland) 19,25 4. Astrid Kumbernuss (Neubrandenburg) 19,18 5. Nadine Kleinert-Schmitt (Magdeburg) 19,05
Hammerwurf: 1. Kamila Skolimowska (Polen) 67,45 Meter 2. Julia Kosenkowa (Russland) 67,43 3. Manuela Montebrun (Frankreich) 67,24 . . 6. Kirsten Münchow (Frankfurt) 64,33 7. Bianca Achilles 62,28 8. Simone Mathes (beide Leverkusen) 61,21
100 m Sprint (+0,3 m/s): 1. Kim Gevaert (Belgien) 11,32 Sekunden 2. Natalja Ignatowa (Russland) 11,36 3. Oksana Dyachenko-Ekk (Russland) 11,40
400 m Hürden: 1. Daimi Pernia (Kuba) 55,38 Sekunden 2. Kim Batten (USA) 56,76 3. Marjolein de Jong (Niederlande) 56,95 4. Heike Meißner (Chemnitz) 57,07
800 m: 1. Fabiane dos Santos (Brasilien) 1:59,91 Minuten 2. Tanya Blake (Großbritannien) 2:01,87 3. Stella Jongmanns (Niederlande) 2:02,19 . . 7. Linda Kisabaka (Leipzig) 2:04,58
1500 m: 1. Abebech Negussie (Kenia) 4:07,13 Minuten 2. Elena Buhaianu-Iagar (Rumänien) 4:09,25 3. Jacinta Muraguri 4:09, 28 . . 8. Ivonne Teichmann (Magdeburg) 4:11,15 (deutsche Jahresbestzeit) 9. Sylvia Kühnemund (Halle) 4:12,81
3000 m Hindernis: 1. Cristina Iloc-Casandra (Rumänien) 9,45,12 Minuten (Weltjahresbestzeit ) 2. Anita Weyermann (Schweiz) 9:57,06 3. Luminita Gogirlea (Rumänien) 9:57,06
5000 m: 1. Adere Berhane (Äthiopien) 14:51,67 Minuten (Weltjahresbestzeit) 2. Irina Mikitenko (Frankfurt/Main) 14:53,00 (deutsche Jahresbestzeit) 3. Ayelech Worku (Äthiopien) 14:54,00
Männer:
Diskuswerfen: 1. Robert Fazekas 65,74 m 2. Zoltan Kovago (beide Ungarn) 65,03 3. Michael Möllenbeck (Wattenscheid) 64,62,
Stabhochsprung: 1. Danny Ecker (Leverkusen) 5,65 m 2. Nick Hysong (USA) 5,65 3. Patrik Kristiansson (Schweden) 5,60
200 m (+1,8 m/s): 1. Marlon Devonish (Großbritannien) 20,52 Sekunden 2. Joseph Batangdon (Kamerun) 20,80 3. Allyn Condon (Großbritannien) 20,99
800 m: 1. Glody Dube (Botswana) 1:44,69 Minuten (Jahres-Weltbestzeit) 2. Nils Schumann (LG Nike Berlin) 1:45,28 (deutsche Jahresbestzeit) 3. Hezekiel Sepeng (Südafrika) 1:45,44
1500 m: 1. Bernard Legat 3:35,65 Minuten 2. Enock Koech (beide Kenia) 3:35,80 3. Abdelkader Hachlaf (Marokko) 3:36,02 . . 9. Rüdiger Stenzel (Wattenscheid) 3:44,37
3000 m: 1. Abiyote Abate 7:43,17 Minuten Kenenisa Bekele 7:43,28 3. Hailu Mekonnen (alle Äthiopien) 7:46,03
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