Neulinge Niermann und Klier ohne Respekt: Neun Deutsche bei der Tour de France
zuletzt aktualisiert: 27.06.2000 - 12:35Berlin (dpa). Ohne Respekt, aber auch ohne Illusionen gehen Grischa Niermann und Andreas Klier am Samstag an den Start der Tour de France. Sie sind die einzigen Neulinge im Kreis von neun deutschen Fahrern bei der Frankreich-Rundfahrt. Eine weitere Gemeinsamkeit: Beide verdienen ihr Geld im zweiten Profi-Jahr in den Niederlanden.
Der 24 Jahre alte Hannoveraner Niermann gehört zum Aufgebot des Teams Rabobank, der gleichaltrige Münchner Klier fährt für den Konkurrenten Farm Frites. Und noch eines haben die jungen Fahrer gemeinsam. Sie brennen auf den Tour-Start und wollen sich nach bislang guten Saison- Ergebnissen mit ihrem Auftritt bei der Frankreich-Rundfahrt möglichst bei einem breiteren Publikum ins Gespräch bringen.
"Die Tour ist nun einmal das größte Radrennen der Welt, der Traum jedes Rennfahrers. Aber Angst habe ich keine", schilderte Niermann, dessen Tour-Generalprobe bei der deutschen Meisterschaft am Wochenende mit Platz 18 - nur 23 Fahrer erreichten auf dem schweren Kurs in Heppenheim das Ziel - nicht ganz wie erwartet ausgefallen ist. "Ich bin bereits die Vuelta gefahren, die ist nicht weniger schwer. Nur der Medienrummel ist dort wohl deutlich geringer", erklärte Niermann, der sich noch vor dem Tour-Start dem Modetrend im internationalen Radsport folgend die Haare blond färben will. "Mitarbeiten und erfolgreich durchkommen, alles andere wäre vermessen", lautet seine Devise. "Ich habe bei großen Rundfahrten bewiesen, dass ich gut mithalten kann. Aber meine Aufgabe kann nur sein, als Helfer für unsere Stars wie Michael Boogerd zu agieren."
Der Niedersachse fühlt sich in seiner sportlichen Heimat beim Team Rabobank mehr als wohl. Auch in den kommenden Jahren will er das Trikot der Niederländer tragen. Verhandlungen über die Vertrags- Verlängerung stehen bevor. "Das Abschneiden beim schwersten Rennen der Welt hat dabei wenig Gewicht. Hier kann ich nur lernen", meinte der Sieger der Regio-Tour 1999 realistisch.
Klier: "Für das Team fahren und gut durchkommen"
Mit einer ähnlichen Einstellung geht auch Klier an sein Debüt heran. "Für das Team fahren und gut durchkommen", lautet das Motto des in Massenhausen lebenden gebürtigen Münchners. Auch sein Kampf als Solist beim deutschen Titelkampf gegen die Übermacht des Teams Telekom war wie erwartet nicht von Erfolg gekrönt. Als 21. kam er nur 1:07 Minuten nach Niermann ins Ziel, aber 8:34 Minuten später als der neue Meister Rolf Aldag (Ahlen). "Das Team Telekom ist derzeit wieder die Nummer 1 in der Welt, das wird die Mannschaft auch bei der Tour beweisen", glaubt Klier. Er wird vor allem auf den ersten Etappen seine Arbeit im Dienste von Sprinter Robbie McEwen leisten müssen.
Der mannschaftsdienliche Fahrer rechnet sich trotzdem Chancen aus, das ein oder andere Mal selbst mit vorn anzukommen. "Im zweiten Tour- Drittel, in den Bergen, möchte ich auch einmal für mich etwas zu tun. Die Teamführung bei Farm Frites lässt mir die Freiheiten, auch einmal auf eigene Rechnung zu agieren. Das werde ich nutzen. Aber an erster Stelle steht nun einmal die Arbeit als Team-Player."
Neben Niermann und Klier gehen zwei namhafte Deutsche mit Tour-de- France-Erfahrung in französischen Teams an den Start: der spurtstarke Kölner Marcel Wüst für Festina und der Berliner Jens Voigt, der 1998 einen Tag lang als bisher einziger Deutscher das Trikot des Bergbesten trug, für Credit Agricole. Hinzu kommen die fünf Telekom- Fahrer Jan Ullrich (Merdingen), Erik Zabel (Unna), Jens Heppner (Gera), Udo Bölts (Heltersberg) und Steffen Wesemann (Wolmirstedt).
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