Streit um Anstellung in Bibliothek: Niemann-Stirnemann bestreitet "verdecktes Sponsoring"
zuletzt aktualisiert: 18.11.2001 - 11:01Berlin/Erfurt (rpo). Eisschnelllauf-Rekordweltmeisterin Gunda Niemann-Stirnemann hat Meldungen über ein verdecktes "Sponsoring" des Landes Thüringen heftig dementiert. Am Freitag war gemeldet worden, sie erhalte für eine Alibi-Anstellung in einer Bibliothek regelmäßig Gelder.
"Von verdeckten Geldern des Landes kann überhaupt nicht die Rede sein. Es ist allgemein bekannt, dass ich seit 1991 eine Stelle als Bibliotheks-Angestellte im Thüringer Innenministerium bekleide. Das weiß auch unser Ministerpräsident Bernhard Vogel", sagte die 19fache Weltmeisterin und dreimalige Olympiasiegerin, die in der Olympia-Saison wegen einer Schwangerschaft pausiert, am Sonntag der dpa.
Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtet in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe, dass die prominenteste Sportlerin Thüringens nur selten an ihrem Arbeitsplatz gesehen würde und nach Angaben des Innenministeriums "von der Arbeitsleistung freigestellt" sei. Nach Angaben des Magazins soll die "verdeckte Sportlerförderung a la DDR" bereits intern durch das Landesfinanzministerium beim Innerressort moniert worden sein.
Die ungewöhnlich lange Alimentierung sei somit rechtlich umstritten und kostete das Land bisher mehrere 100 000 Mark. "Das ist völliger Blödsinn. Das wäre wunderbar, wenn Gunda ein solches Gehalt beziehen würde. Wenn der ´Spiegel´ mit diesen Zahlen hantiert, werden wir rechtlich dagegen vorgehen", erklärte Oliver Stirnemann, der Manager und Gatte der "Eisschnellläuferin des Jahrhunderts" und fügte an: "Der Werbeeffekt für das Land ist weit höher als das, was sie dafür bekommt."
Die Stelle als Bibliothekarin war der besten Eisschnellläuferin der 90er Jahre nach Monaten der Arbeitslosigkeit 1991 angeboten worden, um die Athletin möglichst im Land Thüringen zu halten. "Gunda gibt diese Stelle zudem eine gewisse Sicherheit, falls es mit dem Sport ein Mal zu Ende sein sollte. Sie überlegt zur Zeit, was sie nach ihrer Karriere beruflich tun wird und es ist nicht ausgeschlossen, dass sie eine Anstellung des Landes annimmt", ergänzte Stirnemann.
Das Thüringer Innenministerium bestätigte die Anstellung der Ausnahmeathletin. "Die Freistellung steht in Zusammenhang mit ihrem sportlichen Engagement, welches auch dem Ansehen des Freistaates dient. Die Freistellung eines Arbeitnehmers zum Zweck der Sportförderung ist mit arbeitsrechtlichen Vorschriften vereinbar", heißt es in einer Stellungnahme des Ministeriums. dpa ft yybb ab
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