Pioline ausgeschieden / Medwedew ohne Chance: Norman: "Gut, dass ich nicht im Wald spielen muss"
zuletzt aktualisiert: 05.06.2000 - 20:00Paris (dpa). Auch der Regen konnte Haas-Bezwinger Marat Safin und Magnus Norman (Foto) nicht stoppen. Die Nummer eins der Tennis-Welt stürmte am Montag mit einem 6:0, 6:4, 6:2-Kantersieg über Vorjahresfinalist Andrej Medwedew in 92 Minuten ins Viertelfinale der French Open und ärgerte sich maßlos darüber, dass er wiederum nicht auf dem Court Central hatte spielen dürfen. "Nur gut, dass ich nicht drüben im Wald spielen muss", sagte der an Nummer drei Gesetzte mit einer großen Portion Ironie in der Stimme.
Der Russe Safin nutzte die zweieinhalbstündige Regen-Unterbrechung besser und warf Lokalmatador Cedric Pioline in 2:42 Stunden mit 6:4, 1:6, 6:3, 7:5 aus dem Grand-Slam-Turnier in Paris. "Ich bin ja schon froh, dass ich hier sein darf", schimpfte Norman nochmals auf die Ignoranz der Verantwortlichen in Roland Garros. Gegen Safin könnte sein Traum am Mittwoch endlich wahr werden.
Die "hohen Herren" der Jury hatten am Montag wieder einmal ganz andere Sorgen. Nachdem am Dienstag der Vorwoche erstmals in der Open- Ära von Roland Garros ein kompletter Spieltag weggespült worden war, mussten sie zum zweiten Mal "Auszeiten" anordnen. Für Lleyton Hewitt aus Australien und den Spanier Albert Costa sowie den Argentinier Franco Squillari und Younes El Aynoui standen Langeweile und Stunden langes Warten auf dem Programm.
Norman stellte eindrucksvoll unter Beweis, warum er der zurzeit beste Tennisprofi der Welt ist. Sechs Tage nach seinem 24. Geburtstag fegte der Blondschopf aus dem schwedischen Filipstad, der wie viele seiner Kollegen in Monte Carlo wohnt, wie ein Sandsturm über den Vorjahresfinalisten hinweg. Als das Ende nahte, gab der Regen Medwedew eine Galgenfrist. Doch die ernüchternde Niederlage konnte der Weltranglisten-52. nicht abwenden.
Marat Safin (Foto), der den deutschen "Alleinunterhalter" Haas in der dritten Runde zeitweise vorgeführt hatte, nutzte die unfreiwillige Pause dagegen gnadenlos. Kaum wieder auf dem Center Court angekommen, schaffte er das Break zum 4:2 und holte sich den dritten Satz. Der Franzose konnte gegen den in Monaco lebenden Vielspieler nichts ausrichten und wunderte sich wie die wenigen "regentauglichen" Zuschauer, dass dem Russen im 28 Match innerhalb von 42 Tagen nicht langsam die Kraft ausging.
Zum Tennis-Malocher avanciert auch Jewgeni Kafelnikow. So lange wie kein anderer, fast dreizehn Stunden, musste der 96er Champion für den Einzug ins Viertelfinale schuften. Während Norman noch keinen Satz abgab, musste er ein Mal vier und drei Mal fünf Sätze lang hart kämpfen und manchmal auch kräftig zittern. So wie gegen den Spanier Fernando Vicente, der beim Stande von 5:2 im entscheidenden Satz schon den Matchball vor Augen hatte und dem schimpfenden, fluchenden und Schläger schmeißenden Russen doch noch mit 8:6 den Vortritt lassen musste.
"So leicht lasse ich mich nicht vom Court verjagen", meinte der 26-Jährige und kündigte vor dem Viertelfinal-Kampf gegen seinen Titel-Nachfolger Gustavo Kuerten an: "Alle, die meinen, Gustavo sei der klare Favorit, werden sich noch wundern." Sein ungleich härterer Weg spiele keine Rolle. "So viel zu spielen macht mir überhaupt nichts aus." Er wolle sich revanchieren für die Viertelfinal-Pleite vor drei Jahren, als der Brasilianer in fünf Sätzen wie in den beiden letzten Vergleichen im Vorjahr siegte. "Aber ich glaube ganz sicher, dass ich die Möglichkeiten habe, ihm mächtig Ärger auf dem Platz zu machen", sagte Kafelnikow und zog mit seinem südafrikanischen Partner Wayne Ferreira ins Doppel-Achtelfinale ein.
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