Deutschland - Estland 92:71 (45:40): Nowitzki sichert Auftaktsieg
zuletzt aktualisiert: 31.08.2001 - 22:12Antalya (rpo). Dank des aufopfernden Einsatzes von Dirk Nowitzki haben Deutschlands Basketballer bei der Europameisterschaft in der Türkei den wichtigen Auftaktsieg gefeiert. Beim 92:71 (45:40) über Estland steuerte der NBA-Star von den Dallas Mavericks trotz eines Magen- und Darmvirus 33 Punkte zum Erfolg bei, mit dem sich das DBB-Team eine gute Ausgangsposition für das Erreichen des Viertelfinales schuf.
Nächster Gegner ist am Samstag (15.45 Uhr) ebenfalls in Antalya allerdings Angstgegner Kroatien. Die Kroaten wehrten sich im Prestige-Duell gegen Weltmeister Jugoslawien lange Zeit tapfer, führten sogar zwischenzeitlich, mussten aber am Ende die Überlegenheit der Mannschaft des früheren deutschen Bundestrainers Svetislav Pesic beim 66:80 anerkennen. Zur spielentscheidenen Figur für die "Jugos" avancierte Peja Stojakovic von den Sacramento Kings mit 21 Punkten.
Nur knapp an einer großen Pleite schrammte zum Auftakt Gastgeber Türkei vorbei. Gegen Lettland, vor der EM in zwei Testspielen noch den deutschen Riesen unterlegen, lagen die Türken zur Halbzeit mit fünf Punkten zurück und sicherten sich erst im Endspurt einen 85:82 (37:42)-Erfolg. Während sich der Olympia-Zweite Frankreich zu einem 77:71 (34:28)-Sieg über Israel mühte, kam Russland in der Gruppe D, in der Titelverteidiger Italien noch spielfrei war, zu einem ungefährdeten 83:63-Erfolg über Bosnien-Herzegowina.
Bange Minuten und Nervosität prägten die Atmosphäre vor dem Spiel. Nowitzki musste sich in einen Abfallkorb übergeben, kauerte zunächst mit kreidebleichem Gesicht auf der Bank und konnte nicht auflaufen. Bereits am Vormittag war er mit Infusionen behandelt worden. "Das war ein echter Schock für uns. Deshalb haben wir so chaotisch gespielt, weil im Prinzip ja alles auf ihn zugeschnitten ist", sagte Patrick Femerling, der nicht nur aufgrund seiner insgesamt elf Punkte zu den herausragenden Akteuren zählte.
Erst in der vierten Minute kehrte Nowitzki nach kurzer Behandlung aus der Kabine zurück - und drehte das Spiel quasi im Alleingang. Bundestrainer Henrik Dettmann brachte den 23-Jährigen beim Rückstand von 3:7 (5.), den der Blondschopf prompt mit einem Drei-Punkte-Wurf auf 6:7 verkürzte. 14 Punkte hatte der gebürtige Würzburger bereits bis zum Ende des ersten Viertels (19:18) erzielt. Stolze 25 waren es zur Halbzeit, womit er erneut eindrucksvoll seine Ausnahmestellung in der DBB-Auswahl demonstriert. Zur "Belohnung" durfte er die letzten drei Minuten auf der Bank genießen.
"Das war wahrlich kein einfaches Spiel. Der Druck war sehr groß und ich bin stolz auf mein Team wie es diese Situation gemeistert hat", sagte Dettmann. Auch Roland Geggus, Präsident des Deutschen Basketball-Bundes, fiel ein Stein vom Herzen: "In der ersten Hälfte war der Druck wegen der Vorkommnisse um Dirk Nowitzki spürbar. Uns ist wohl allen Angst und Bange geworden."
Doch Nowitzki allein reichte nicht, um den Gegner vor 3.000 Zuschauern auf Distanz zu halten. Trotz des 2,29 m langen NBA-Riesen Shawn Bradley erarbeiteten sich die Esten ihre Punkte in der Offensive und waren zudem aus der Distanz äußerst erfolgreich. Erst im zweiten Viertel kam das deutsche Spiel in Fluss - dank Nowitzki. Ein belebendes Element war auch der Berliner Marko Pesic bei seinem EM-Debüt und dem ersten Härtetest nach überstandenem Innanbandriss im Sprunggelenk.
Unmittelbar nach der Pause schien die DBB-Auswahl angesichts einer 53:42-Führung auf einem guten Weg zu sein. Doch Estland nutzte jede Unkonzentriertheit zur Resultatsverbesserung. Den bis dahin größten Vorspung erspielte sich die deutschen Garde mit dem 62:48 (28.) und konnte ihn im vierten Viertel zur Beruhigung der Nerven von Henrik Dettmann vorentscheidend auf 77:58 ausbauen.
Neben Nowitzki und Femerling hatte das DBB-Team in Pesic (18) und Robert Garrett (11) seine besten Werfer. Die Balten hatten in Martin Muursepp (17) ihren herausragenden Schützen.
Vorrunde, Gruppe A, in Ankara:
Ukraine - Litauen 60:82 (26:35) Israel - Frankreich 71:77 n.V. (62:62, 28:34)
Vorrunde, Gruppe B, in Ankara:
Lettland - Türkei 82:85 (42:37) Slowenien - Spanien 61:85 (29:46)
Vorrunde, Gruppe C, in Antalya:
Estland - Deutschland 71:92 (40:45) Kroatien - Jugoslawien 66:80 (35:43)
Vorrunde, Gruppe D, in Antalya:
Bosnien-Herz. - Russland 63:83 (36:50) Griechenland - Italien 83:82 (42:42)
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