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Garmisch-Partenkirchen
Nur kleine Prämien für die Skispringer

Garmisch-Partenkirchen. Das Neujahrsskispringen ist das berühmteste jährliche Skispringen. Über 25.000 Fans schauen in der ausverkauften Arena vor Ort zu, und an den Fernsehschirmen sind allein in Deutschland jährlich über sechs Millionen Menschen beim Flug ins Neue Jahr dabei. Es werden Millionensummen im Umfeld des Höhepunkts der 64. Vierschanzentournee umgesetzt, doch die Springer müssen sich mit dem kleinsten Stück vom Kuchen begnügen. Von Lars Becker

Nur 10.000 Schweizer Franken (etwa 9200 Euro) kassiert der Sieger in Partenkirchen. Für den Gesamtsieg beim Skisprung-Grand-Slam gibt es 20.000 Schweizer Franken (18.400 Euro) und einen goldenen Adler als Erinnerung. Wenig Ertrag für viel Risiko beim größten jährlichen Event im Wintersport für die Luftfahrt-Experten. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Robert Lewandowski als bestbezahlter Bundesliga-Profi 55.342 Euro kassiert. Pro Tag. Diese Summe ergibt sich, wenn man die von France Football ermittelten 20,2 Millionen Euro Jahresverdienst durch 365 teilt.

"Richtig reich werden kann man mit Skispringen als Sportler nicht. Dabei ist das ein interessanter Sport mit riesigen Einschaltquoten bei Olympia oder der Tournee", sagt der Österreicher Thomas Morgenstern, Vierschanzentournee-Sieger von 2011. International erzielte die Tournee im vergangenen Winter eine Reichweite von 141 Millionen. Bei ARD und ZDF verfolgten 34,07 Millionen die Tournee.

Bei der vergangenen Tournee brachten 110.000 Zuschauer den vier Tourneeorten Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen eine Millionensumme in die Kassen. In den Traditionsorten werden auch die Skiklubs zu Profiteuren - sie holen mit dem Event die Kosten für die Nachwuchsarbeit und von Trainern für das ganze Jahr herein.

Der Deutsche Skiverband und der Österreichische Skiverband kassieren jeweils geschätzte zwei Millionen Euro von Vermarkter Infront, mit dem der Vertrag bis 2018 läuft. Der refinanziert sich durch Sponsoren. In diesem Winter ist Audi neuer "Presenting Sponsor". Das Unternehmen steckt pro Jahr geschätzte 12 Millionen ins Wintersport-Sponsoring. Dazu kommen vier weitere Hauptsponsoren.

Der reizvolle Termin lässt auch die Kassen bei den übertragenden TV-Sendern klingeln. Der teuerste 20-Sekunden-Spot kostet bei der ARD 15.200 Euro. Auch das Premium Skisprung Paket 2016 mit zwei Solospot-Platzierungen, neun Splitscreen-Platzierungen und einem klassischen Werbeblock für 233.400 Euro ist ausverkauft.

Vor all dem Geld kommt bei den im Verhältnis zum Showfaktor und Risiko unterbezahlten Fliegern verhältnismäßig wenig an. Im Höchstfall sind in diesem Jahr bei der Vierschanzentournee der Lewandowski-Tagesverdienst von 60.000 Schweizer Franken (55.200 Euro) an Prämien drin - bei einem Sieg in allen vier Springen. Das gelang in der Geschichte seit 1953 nur Sven Hannawald.

Der Überflieger kassierte für seinen historischen Vierfachsieg vor 14 Jahren etwa 330.000 Euro an Preisgeldern und Prämien vom Deutschen Skiverband, die es heute in dieser Form nicht mehr gibt. Die Einschaltquoten von damals bis zu 18 Millionen Zuschauern in Deutschland sind Geschichte.

"Wir haben damals besser verdient als die Springer heute und konnten es wegen der gigantischen Quoten im Fernsehen auch besser vermarkten", sagt Hannawald. Sein Kollege Martin Schmitt ist jetzt mit seiner Agentur Manager von Severin Freund und sagt, dass man "als Topspringer heute immer noch gut verdienen kann." Im vergangenen Winter - inklusive Gesamtweltcup-Sieg und zwei Weltmeister-Titeln - kassierte Freund als Topverdiener der Szene 198.900 Schweizer Franken Preisgeld. Dazu dürfte mindestens die gleiche Summe an Prämien und Werbeeinnahmen kommen.

Quelle: RP
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