EM der Eiskunstläufer: "Nur langfristig Medaillenperspektiven"
zuletzt aktualisiert: 19.01.2001 - 13:56Hamburg (sid). Edelmetall ist unerreichbar, stattdessen kämpfen Deutschlands Eiskunstläufer bei den am Montag beginnenden Europameisterschaften in Bratislava nur um den Anschluss. "Perspektiven auf internationale Medaillen sind langfristig zu sehen", formuliert Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union (DEU), hübsch verklausuliert die aktuelle Misere.
Noch vor drei Jahren verpasste die zu Wochenbeginn zurückgetretene ehemalige WM-Dritte Tanja Szewczenko (Düsseldorf) den Titel bei der EM nur um Kufenbreite. Für ihre Nachfolgerin Susanne Stadlmüller aus Stuttgart wäre es schon "ein Traum, mit einer Top-Ten-Platzierung einen zweiten Startplatz zu holen". Die 16 Jahre alte EM-Debütantin und zweimalige deutsche Meisterin gilt allerdings aufgrund ihres großen Talents als Hoffnungsträgerin.
Das kann man ihrem Oberstdorfer Trainingskollegen Silvio Smalun nicht behaupten. Der deutsche Meister gehört seit Jahren keinem DEU-Kader mehr an und musste um seine Zugehörigkeit zur Sportfördergruppe der Bundeswehr förmlich betteln. Smalun ist ein ungeliebter Zufallsmeister, verbandsintern setzt man lieber auf seinen "Vize" Andrejs Vlascenko.
Die besten Zeiten sind schon vorbei
Der mittlerweile 26-Jährige, wie Szewczenko vor drei Jahren in EM-Medaillennähe, hat jedoch seine besten Zeiten hinter sich. Dass der gebürtige Russe überhaupt zum deutschen Aufgebot zählt, verdankt er nur der Sprunggelenkverletzung von Junioren-Weltmeister Stefan Lindemann aus Erfurt, der wegen der im November 2000 erlittenen Blessur den von der DEU geforderten Leistungsnachweis nicht erbringen konnte und seine Teilnahme absagen musste.
Bestehen konnten einen solchen Test zur Wochenmitte die Berliner Mariana Kautz und Norman Jeschke. Wie Lindemann laborierte die 20-Jährige lange an einer Sprunggelenkverletzung, die einen Start bei den nationalen Titelkämpfen Anfang Januar in Oberstdorf verhinderte. Trainer Knut Schubert: "Der Druck ist natürlich sehr groß. Ich wäre froh, wenn sie ihren neunten Platz aus dem Vorjahr wiederholen könnten."
Kati nicht mehr in Strapsen
Rang fünf von der EM 2000 in Wien zu verteidigen, damit wären auch ihre Vereinskollegen Kati Winkler und Rene Lohse zufrieden. Die Weltklasse-Eistänzer verpassten die DM erkrankungsbedingt, wollen aber ihre Position inmitten der Top-Paare weiter festigen. Nur die Tatsache, dass die hübsche Kati nicht mehr mit Strapsen zum Charleston (Originaltanz) bitten darf, regt die beiden auf. Lohse: "Es passt genau zu ihrer Rolle auf dem Eis."
Russische Duelle werden die Titelkämpfe prägen. Irina Slutskaja muss ihren Titel gegen Ex-Weltmeisterin Maria Butirskaja verteidigen, Europameister Ewgeni Pluschenko trifft auf Weltmeister Alexej Jagudin, und im Paarlauf fällt die Entscheidung zwischen den Vorjahressiegern Maria Petrowa und Alexej Tichonow sowie den Olympiazweiten Elena Bereschnaja und Anton Sicharulidse. Nur im Eistanz sind die Franzosen Marina Anissina und Gwendal Peizerat favorisiert, ihre größten Konkurrenten dürften die italienischen Vize-Weltmeister Barbara Fusar-Poli und Maurizio Margaglio sein.
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