| 07.45 Uhr

Düsseldorf
Nur Zwanziger kontert Beckenbauer

Düsseldorf. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" hat sich Franz Beckenbauer zu seinem Verhalten und den Bestechungsvorwürfen rund um die Vergabe der Fußball-WM 2006 geäußert. Doch viel gesagt, hat der "Kaiser" nicht. Er habe "immer blind unterschrieben", wenn seine Unterschrift gebraucht wurde, sagte Beckenbauer, damaliger Chef des Organisationskomitees. "Wenn ich jemandem vertraue, unterschreibe ich alles. Blanko." Diese Aussage bezieht Beckenbauer insbesondere auf die Unterzeichnung eines dubiosen Vertragsentwurfs mit dem früheren Fifa-Vize Jack Warner vom 2. Juli 2000. Von Jessica Balleer

Und obwohl seine Aussagen keinesfalls überzeugend wirken, scheint derzeit nur eine Person Franz Beckenbauer Konter geben und Licht ins Dunkel bringen zu wollen. Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger (70), der mit seinen Aussagen im Nachrichtenmagazin "Spiegel" die WM-Affäre erst ins Rollen gebracht hatte, übt nun auch Kritik an Beckenbauers Fehlverhalten. "Er war keine Privatperson, sondern DFB-Repräsentant, der an Recht und Satzung gebunden war", sagte Zwanziger der "Bild am Sonntag". "Er war verantwortlich für seine Unterschrift."

Dass beide einst enge Vertraute waren, bewertet Theo Zwanziger heute ebenfalls aus einer anderen Perspektive. "Wenn Freundschaft daraus besteht, Fehlverhalten zu decken und die Öffentlichkeit zu täuschen", sagte der 70-Jährige, "dann ist sie nichts wert." Zudem kritisierte der Jurist aus Altendiez, dass Beckenbauer den zwischenzeitlich verstorbenen Ex-DFB-Präsidenten Gerhard Meyer-Vorfelder im "SZ"-Interview mitverantwortlich machte. "Ich glaube nicht an diese Version. Aber Tote können sich ja nicht mehr wehren."

Der Eindruck, dass sich der Wind momentan eher zugunsten von Franz Beckenbauer dreht, verstärkt sich. Im "Doppelpass" hatte DFB-Interimspräsident Rainer Koch gestern zwar schonungslose Aufklärung gefordert. Diesen Wunsch hatte er aber vor allem auf die Interessen des Verbandes bezogen: "Wenn wir als DFB im internationalen Fußball weiter Gehör finden wollen, müssen wir das aufklären." Gegenüber Beckenbauer äußerte sich Koch versöhnlich. "Ohne ihn hätte es die wunderbare WM 2006 in Deutschland nie gegeben", sagte Koch. "Es ist jetzt nicht so, dass Franz Beckenbauer ein Ausgestoßener wäre." Anders ergeht es den Personen um Beckenbauer herum: Der DFB hat der "SZ" zufolge seinem Vize-Generalsekretär Stefan Hans wegen einer "schweren Pflichtverletzung" gekündigt. Hans war es, der im Verbandsarchiv auf das von Beckenbauer unterzeichnete Dokument gestoßen war.

Seitens des FC Bayern hält man sich ebenfalls mit öffentlicher Kritik zurück. Als "sehr, sehr richtig und gut" bewertete Sportvorstand Matthias Sammer im ZDF-Sportstudio die Aufklärung. Sammer "warnte" aber davor, "unser fantastisches Sommermärchen nicht in Grund und Boden" zu reden.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Nur Zwanziger kontert Beckenbauer


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.