Skispringen: Oberstdorf: Schmitt überzeugt in der Qualifikation
zuletzt aktualisiert: 28.12.2004 - 22:15Oberstdorf (rpo). Martin Schmitt hat mit einem starken 125-Meter-Flug insgesamt zwölf Deutsche in das Auftaktspringen der 53. Vierschanzentournee in Oberstdorf geführt. Den größten Satz machte der Finne Janne Ahonen mit 135 Metern.
Der viermalige Weltmeister belegte mit 122,5 Punkten Platz 15 in der Qualifikation für das erste Flutlichtspringen der Tournee-Geschichte am Mittwoch (ab 16.30 Uhr bei uns im LIVE!-Ticker).
Den Sieg in der Qualifikation holte sich Gesamtweltcup-Spitzenreiter Janne Ahonen mit 143,0 Punkten für die Rekordweite von 135 Metern. Bester Deutscher war Michael Uhrmann als Neunter mit 127,5 Punkten für einen 127,5-Meter-Flug.
Glücklicher Martin Schmitt
Martin Schmitt ballte nach seinem 125-Meter-Flug im Flutlicht von Oberstdorf glücklich die Fäuste. Der viermalige Weltmeister schaffte mit Platz 15 bei der Qualifikation den ersten Schritt aus der tiefsten Krise seiner Karriere.
"Es ist lange her, dass ich mich so gefreut habe, so macht das Skispringen wieder Spaß", meinte Schmitt lächelnd: "Ich war unglaublich nervös, aber jetzt bin ich wahnsinnig erleichtert." In sechs Weltcup-Springen war der kriselnde Champion nicht einmal unter die besten 40 geflogen, doch auf seiner Lieblingsschanze platzte endlich der Knoten. Von 1998 bis 2000 hat er am Schattenberg dreimal in Folge gewonnen, diesmal ist das vorsichtige Ziel ein Platz unter den Top 30: "Das Gefühl kommt zurück, jetzt will ich auf diesem guten Weg weitergehen."
Schmitt behielt bei der wegen wechselnden Winden viermal unterbrochenen Qualifikation die Nerven, obwohl er nach einem starken 126,5-Meter-Flug noch einmal nach oben musste. Im K.o. -Duell im ersten Durchgang des Springens muss er nun seinem Teamkollegen Michael Neumayer besiegen. "Martin hat das Skispringen nicht verlernt. Er hat sich von Sprung zu Sprung gesteigert und sich toll verkauft", meinte Peter Rohwein.
Der Chefcoach konnte mit seinem vom Wind begünstigten Team zufrieden sein, obwohl wieder einmal die absolute Topplatzierung fehlte. Ein 21. deutscher Sieg zum Tournee-Auftakt scheint aber unrealistisch. Michael Uhrmann lag als Neunter mit 127,5 Punkten stolze 15,5 Zähler hinter Ahonen, der zudem zwei Luken weniger Anlauf hatte. Im K.o.-Duell am Mittwoch kommt es zum Zweikampf von Ahonen gegen den Geheimfavoriten Adam Malysz.
Ergebnisse der Qualifikation
Zudem schafften Alexander Herr (Rohrhardsberg/126,5 Meter), Georg Späth (Oberstdorf/125,5), Andreas Wank (Oberhof/125,5), Hans Petrat (Oberaudorf/120 Meter), Maximilian Mechler (Isny/119), Michael Neumayer (Berchtesgaden/118,5), Kai Bracht (Oberstdorf/118), Mark Krauspenhaar (Zella-Mehlis/118), Stefan Pieper (Winterberg/117) und Ferdinand Bader (Auerbach/115,5) den Sprung unter die besten 50. Team-Olympiasieger Stephan Hocke (112) und sein Oberhofer Teamkollege Jörg Ritzerfeld (108,5) verpassten die Qualifikation. Fest steht zudem, dass es einen neuen Tournee-Gesamtsieger geben wird: Titelverteidiger Sigurd Pettersen (Norwegen) scheiterte mit einem 106-Meter-Sprung in der Qualifikation.
Trainer in der Kritik
Schmitt hatte vor dem Springen erstmals Kritik an dem gefeuerten Ex-Bundestrainer Wolfgang Steiert geübt, der am Dienstag in Oberstdorf einen Zweijahresvertrag als russischer Nationaltrainer unterschrieb. "Jeder hat gesehen, dass ich nicht in Form war", sagt Schmitt: "Vielleicht haben wir im Sommer zu viel Wert auf die Athletik gelegt. Die Kondition stimmt jetzt, die Technik nicht. Aber ich arbeite mich heran." Das zeigte die Qualifikation, wo der Champion auch die richtige Antwort auf den von Ex-Bundestrainer Reinhard Heß empfohlenen Tournee-Startverzicht ("Martin ist momentan nicht korrekturfähig") gab.
Schmitts ehemaliger Heimcoach war vor dem Springen flankiert von einer Schönheitskönigin als neuer Russen-Coach vorgestellt worden. "Ich wollte nach 13 Jahren eine größere Herausforderung, als nur Stützpunkttrainer im Schwarzwald zu sein", begründete Steiert seinen Entschluss. In der Qualifikation schaffte allerdings in dem ehemaligen Dopingsünder Dmitri Wassiljew, der vor zwei Tagen noch das Weihnachtsspringen in St. Moritz gewonnen hatte, allerdings nur ein Russe den Sprung in die Auftakt-Konkurrenz. Dafür soll als Konkurrenz zur Vierschanzentournee eine Schanze in Moskau gebaut werden.
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