Sydney 2000: Die Kosten explodieren: Olympia ein Fass ohne Boden
zuletzt aktualisiert: 21.06.2000 - 11:57Sydney (sid). Die Olympischen Spiele von Sydney werden zum Fass ohne Boden. Nach den von der Regierung von Neu-Südwales extra bewilligten 182 Millionen Mark für den erneut ins Minus geratenen Etat des Millenium-Spektakels kosten allein die Olympia-Zuschläge für die 2.300 Transportarbeiter den Steuerzahler wohl weitere 14 Millionen Mark. Auch die 630 bei der Eröffnungs- und Schlussfeier eingesetzten Profi-Künstler setzten sich mit ihrer Forderung nach einer Bezahlung ihres Einsatzes durch. Noch nicht endgültig geklärt sind die Gewerkschafts-Forderungen für den Rest der Angestellten des öffentlichen Dienstes, zudem muss das Organisationskomitee Socog Millionen-Einbußen gegenüber den Planungen im Ticket-Sektor befürchten.
"Die Entscheidung ist unakzeptabel. Warum hat das Socog nicht die Kosten reduziert? Und warum teilen das Australische Olympische Komitee und das Internationale Olympische Komitee nicht den Schmerz mit den australischen Steuerzahlern?", fragt Gary Moore, Chef des Sozialdienstes von Neu-Südwales.
Der Ärger ist umso größer, da entgegen aller noch im Mai gemachten Versprechungen ("Die Spiele sind bis auf den letzten Cent bezahlt") auch nach dem Millionen-Deal mit weiteren Regierungs-Zuschüssen gerechnet wird, je näher die Spiele rücken. "Es ist irritierend, dass die Politiker nicht ein bisschen ehrlicher sein können und die Steuerzahler mit den wirklichen Kosten, die sie zu zahlen haben, konfrontrieren", schreibt selbst der Olympia-freundliche "Sydney Morning Herald".
Weitere Millionenverluste drohen vor allem beim nach den zahllosen Pannen der letzten Monate ins Trudeln geratenen Verkauf der verbliebenen 2,7 Millionen Eintrittskarten. Socog muss mindestens 200 Millionen Mark aus dem Verkauf der verbliebenen Eintrittskarten im Wert von 260 Millionen Mark erlösen, um den Haushalt auszugleichen. In den zusätzlich bewilligten 182 Millionen Mark sind aber nur schlappe 650.000 Mark für mögliche Einbußen in diesem Bereich enthalten. 80 Millionen Mark sind für Extrakosten bei der Abwicklung der Spiele (zum Beispiel Müllbeseitigung) reserviert, 90 Millionen für andere Bereiche (zum Beispiel die Olympia-Webseite), knapp zehn Millionen Mark für Mindereinnahmen im Sponsorenbereich.
"Es kann sein, dass wir nicht die komplette Summe brauchen, aber die Regierung wollte sicher stellen, dass genügend Geld da ist, um die große Zahl von Risiken abzudecken", erklärte Olympiaminister Michael Knight. Nach seinen Worten fehlten vor dem Zuschuss mindestens 90 Milionen Mark im Socog-Haushalt, um die Spiele so abzuwickeln, wie es die "Welt erwartet". In den nächsten Tagen wird damit gerechnet, dass das Socog sein nunmehr auf über 3,3 Milliarden Mark angewachsenes neues Budget vorstellt.
Auch an anderen Brandherden versucht die Regierung des wirtschaftlich boomenden Staates Neu-Südwales Probleme mit der Spendierhose zu lösen. Um angedrohte Streiks während der Olympiazeit zu verhindern, bot Premierminsiter Carr der Transportarbeiter-Gewerkschaft bei einem Treffen am Mittwoch Olympia-Zuschläge von angeblich zwischen vier und sechs Mark pro Stunde für die 16 Olympia-Tage an. Das wäre eine Verdreifachung des ursprünglichen Angebots und kommt der Gewrkschaftsforderung von 390 Mark zusätzlich pro Woche plus einer Extrawoche Urlaub nahe.
Sauer sind nun die restlichen Angestellten des öffentlichen Dienstes, die abhängig von ihrem Einsatzort bisher mit zwei Mark pro Stunde abgespeist oder überhaupt nicht zusätzlich bezahlt werden sollen. Die Gewerkschaft hatte für alle Arbeiter drei Extradollar (vier Mark) pro Stunde gefordert.
Verkehrchaos erwartet
Unterdessen erwartet die Olympische Straßen- und Transportbehörde (Orta) erwartet für die Zeit der Spiele in Sydney zumindest zeitweise ein Verkehrschaos wie vor vier Jahren in Atlanta. Mindestens 80 entlang der meistbefahrenen Straßen platzierte Abschleppfahrzeuge inclusive spezieller Technik für Busunfälle, 125 variabel zu verwendende Hinweisschilder, eine verdoppelte Zahl von Straßenpatrouillen und ein Helikopter sollen in Notfällen die Staus minimieren. Noch grösserer Stress lastet jedoch auf der Stadtbahn mit 31 Millionen Passagieren in nur 17 Tagen
"Es ist ganz einfach unmöglich, eine Transportoperation solcher Größenordnung ohne Zwischenfälle abzuwickeln. Deshalb haben wir versucht, vorzusorgen und die Risiken zu minimieren. Aber keine Frage: So gut unsere Planung auch sein mag, wir müssen berechnen, dass Unfälle und Pannen passieren werden", erklärt Orta-Generalmanger Geoff Amos.
Besondere Befürchtungen gibt es nach einem Zwischenfall bei der Stadtbahn auf dem Weg in den Olympic-Park an der Homebush Bay, wo die meisten Wettbewerbe (darunter die im gigantischen Olympiastadion und der Superdome) über die Bühne gehen. Allein an dieser Station werden insgesamt 6,7 Millionen Passagiere - davon bis zu 500.000 täglich - erwartet.
"Wir befürchten auch, dass auch andere Zwischenfälle das Transportsystem beeinflussen könnten - zum Beispiel eine geborstene Wasserleitung, Wetterprobleme, eine Stromausfall oder Fragen der Sicherheit", so Amos. Auf den zumindest in Richtung Olympic-Park schon jeztz staubelasteten Straßen werden 3.800 Extrabusse eingesetzt, 2.000 Autos sollen die 5.000 Mitglieder der olympischen Familie transportieren. Privates Parken der Zuschauer an den olympischen Sportstätten ist verboten. Bei den Olympischen Spielen von Atlanta war der Verkehr teilweise für mehrere Stunden total zusammengebrochen.
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