DEU hofft und bangt: Olympia ohne deutsche Eiskunstläufer?
zuletzt aktualisiert: 11.11.2001 - 13:20Gelsenkirchen (rpo). Die Deutsche Eislauf-Union steht knapp drei Monate vor den Olympischen Winterspielen vor dem Nichts: Nach dem verletzungsbedingten Ausfall der vierfachen deutschen Eistanz-Meister Kati Winkler/Rene Lohse (Berlin) gibt es nicht einen Kufenkünstler, der das Flugticket nach Salt Lake City sicher hat.
"Notfalls bleiben wir zu Hause", sagte DEU-Präsidentin Angela Siedenberg nach dem aus deutscher Sicht enttäuschend verlaufenen Saisonauftakt beim Grand-Prix in Gelsenkirchen. Die Folgen für den kleinen Wintersport-Verband sind absehbar: Nach Olympia ist ein großer Schnitt zu erwarten, es drohen Kürzungen von Fördermitteln bis zu zwanzig Prozent.
Im vierten Winter hintereinander sind internationale Medaillen nicht in Sicht. "Auch andere Verbände haben schon Täler durchschritten", meinte Siedenberg. Nach der schweren Knieverletzung von Rene Lohse kurz vor dem mit Spannung erwarteten Saisondebüt ist die Chefin des erfolglosen Verbandes ratlos: "Das war Superpech, jetzt können wir nur auf einen schnellen Heilungsprozess hoffen, damit sie doch noch bis Februar fit werden." Mit ihrer neuen Kür, an der Eistanz-Legende Christopher Dean mitwirkte, hätten die WM-Siebten in Gelsenkirchen Zweite werden können hinter den italienischen Weltmeistern Barbara Fusar-Poli/Maurizio Margaglio.
Einziger Lichtblick am Wochenende war der Junioren-Weltmeister des Vorjahres, Stefan Lindemann. Der nur 1,61 Meter große Erfurter zeigte in einem Topfeld, dass mit ihm in diesem Winter zu rechnen ist. Auch wenn er den vierfachen Toeloop noch nicht beherrscht, könnte er den internationalen Durchbruch schaffen. Der 21-jährige Sportsoldat hat besonders im Ausdruck dazugelernt - ein Produkt seiner Arbeit mit der erfahrenen Trainerin Jutta Müller, die Katarina Witt zu zwei Olympiasiegen verhalf. "Ich bin ein Kämpfer", sagt Lindemann, der nach einer Knieverletzung im Vorjahr wieder fit ist.
Nach der Vorgabe des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) muss er bei der Europameisterschaft im Januar in Lausanne Achter werden, um für die Spiele in Utah nominiert zu werden. Das hat der Thüringer im Jahr 2000 schon einmal geschafft. Weit davon entfernt ist der deutsche Meister Silvio Smalun (Oberstdorf), der in Gelsenkirchen kaum einen Sprung aufs Eis brachte. Vorbei ist auch der Olympia-Traum des viermaligen nationalen Champions Andrejs Vlascenko. Der Wahl- Münchner und EM-Sechste, der früher für Lettland startete, bekommt zurzeit keinen deutschen Pass.
Besonders düster sind die Aussichten bei den Damen: Keine Läuferin hat das Potenzial, das Erbe von Glamourgirl Tanja Szewczenko anzutreten. Die zweifache deutsche Meisterin Susanne Stadlmüller sagte den Grand Prix kurzfristig ab, weil ihre Trainingsrückstand nach mehreren Krankheiten zu groß ist. "Wenn da nicht ein richtiger Leistungsschub kommt, sieht es bei den Damen nicht gut aus", sagte Siedenberg. Den Siegerscheck von 30 000 Dollar erhielt zum dritten Mal die Russin Maria Butirskaja, die nach der Saison zu den Profis wechseln will.
Im Paarlauf zeigten die WM-Dritten Xue Shen/Hongbo Zhao, dass mit ihnen bei Olympia zu rechnen ist. Deutsche waren nicht am Start, die Berliner Mariana Kautz/Norman Jeschke sicherten der DEU zeitgleich in Zagreb einen Olympia-Quotenplatz. Wie prekär die Lage in der einstigen Paradedisziplin ist, zeigt das finanzielle Lockmittel der DEU von 10 000 Mark für ein neues Paar. Die Prämie sichert sich, wer an den deutschen Meisterschaften im Dezember in Berlin teilnimmt.
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