| 19.06 Uhr

Olympia 2016
Athleten beschweren sich über "unbewohnbares" Dorf

So sieht es im Olympischen Dorf aus
So sieht es im Olympischen Dorf aus FOTO: ap, LC
Rio de Janeiro. Auf Bauverzögerungen folgt nun Kritik am Olympischen Dorf. Die Unterkünften der Athleten sollen bei ihrer Übergabe mangelhaft sein. "Unbewohnbar", wie einige Besucher meinen.

Bei der Eröffnung des Olympischen Dorfes in Rio de Janeiro bahnt sich nach Medienberichten ein Eklat an. Mehrere Delegationen sind unzufrieden mit der Ausstattung ihrer Olympia-Unterkünften, wie brasilianische Medien berichteten. Es gehe unter anderem um fehlende Lampen und defekte Wasserleitungen. Die "Vila dos Atletas" sollte am späten Sonntag (Ortszeit) offiziell eröffnet werden - 12 Tage vor Beginn der Olympischen Spiele.

Ein Sprecher des Organisationskomitees äußerte sich nicht zu der Kritik, versicherte aber, dass die Anlage im Laufe des Tages wie geplant eröffnet werde.

Nach einem Bericht der Zeitung "Folha de Sao Paulo" hatten die Delegationen aus den USA, Italien und Holland die Instandsetzung ihrer Quartiere aus eigener Tasche bezahlt.

Die Zeitung "The Sidney Morning Herald" aus Australien beschrieb die Olympia-Unterkünfte als "unbewohnbar". 

Verstopfte Toilettenabflüsse

Die australische Delegation verweigerte am Sonntag den Einzug in die Athleten-Unterkunft. Delegationsleiterin Kitty Chiller bemängelte verstopfte Toilettenabflüsse, undichte Rohre, schlecht isolierte Kabel, unbelichtete Treppenhäuser und Schmutz in vielen Ecken.

Das Olympische Dorf sei "nicht sicher und nicht fertiggestellt", sagte Chiller und führte aus: "Angesichts der Vielzahl von Problemen - einschließlich Gas, Strom und Heizung - habe ich beschlossen, dass kein australisches Teammitglied sich bis auf Weiteres in dem uns zugewiesenen Gebäude bewegen wird."

Die Anlage mit 31 Hochhäusern liegt im wohlhabenderen Stadtteil Barra da Tijuca im Westen Rios, 1,5 Kilometer vom Olympiapark mit den meisten Sportstätten entfernt. Mehr als 10.000 Athleten aus aller Welt sollen hier während der ersten Spiele in Südamerika wohnen, dazu kommen Trainer, Betreuer und Ärzte. In der Spitze wird mit rund 18.000 Bewohnern gerechnet.

Spartanische Inneneinrichtung

Es gibt 3604 Apartments. Bereits im Vorfeld hatte es Bedenken wegen der spartanischen Inneneinrichtung gegeben, in vielen Zimmern sollen unter anderen nur Plastikschränke stehen.

Nach Angaben des Organisationskomitees werden sich dort 13.000 Mitarbeiter und Freiwillige um das Wohl der Sportler aus über 200 Ländern kümmern. Insgesamt gibt es in den Wohnungen neben den Betten 10.650 Schränke, 11.152 Klimaanlagen und 3604 Sofas, zudem wird es 120.580 Handtücher geben. Die Spiele finden vom 5. bis 21 August statt. Insgesamt wird um 306 Goldmedaillen gekämpft werden.

Die Anlage wurde von einem Investor mit einem Baukonzern geplant und gebaut, nach den Spielen sollen die Wohnungen als Apartments an zahlungskräftige Bürger verkauft werden. Barra liegt im Westen der 6,5-Millionen-Stadt und ist geprägt von der Mittel- und Oberschicht.

Zu den Spielen werden auch bis zu 500.000 Olympiatouristen erwartet. Am 1. August soll eine neuen Metro-Linie den Betrieb aufnehmen, die vom Strandviertel Ipanema nach Barra führt. Sie ist mit über 2,5 Milliarden Euro das größte Einzelprojekt der Olympischen Spiele. Insgesamt sollen die Spiele rund 39,1 Milliarden Reais (10,8 Mrd Euro) kosten - 58 Prozent davon sind privat finanziert. Nur die Sportstätten haben 7,1 Milliarden Reais (1,9 Mrd Euro) gekostet.

Neben Barra gibt es drei weitere Zentren: Copacabana und Marina da Gloria (Triathlon, Marathonschwimmen, Rad, Segeln, Rudern), Deodoro (u.a. Reiten, Kanu-Slalom, Schießen, Mountain-Bike, Hockey Moderner Fünfkampf) und Maracanã/Olympiastadion (Fußball, Leichtathletik).

(dpa)
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