Olympia 2012 in London: Bach macht sich Sorgen um deutsche Ergebnisse
zuletzt aktualisiert: 27.12.2011 - 11:02Auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2012 in London ist DOSB-Präsident Thomas Bach nicht ganz sorgenfrei. Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) appelliert Bach an Politik und Wirtschaft, die finanziellen Rahmenbedingungen abzusichern.
Der deutsche Sport blickt an der Schwelle zum Olympiajahr 2012 nicht ohne Sorgen in die Zukunft. "Für die deutsche Mannschaft werden die Sommerspiele in London noch sehr viel härter als Peking 2008. Bei den anderen Nationen waren nie so viel Geld und Know-how im Spiel", sagt Thomas Bach im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid). Als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) appelliert Bach an Politik und Wirtschaft: "Wenn wir die finanzielle Basis nicht verbessern, besteht die Gefahr, dass wir mittelfristig nicht mehr in der internationalen Spitze mithalten können."
Schon jetzt zeichnet sich nach dem Scheitern etlicher Ballsportarten in der Qualifikation das kleinste deutsche Team bei Sommerspielen seit der Vereinigung ab. Eine Zahl von 428 Athleten wie 2000 in Sydney scheint ausgeschlossen, eher werden es unter 400. In sechs Sportarten haben sich bislang von zwölf möglichen Mannschaften (jeweils Männer und Frauen) nur die Hockeyteams qualifiziert, die 2008 Edelmetall gewannen. Realistisch gesehen kommt eher kein Team mehr hinzu. "Es ist schade, dass wir als Fußball-Land keine Mannschaft bei Olympia haben. Von den Frauen hätten wir uns sogar eine Medaille erhofft. Auch für die Handball-Männer wird der Weg nach London sehr schwierig, nachdem die Frauen gescheitert sind", sagt Bach.
Bach warnt vor aufstrebenden Nationen
Der DOSB-Präsident sieht das deutsche Team vier Jahre nach Peking mit Platz fünf im Medaillenspiegel mit 16 Siegen und insgesamt 41 Medaillen erneut gut vorbereitet, warnt jedoch: "Die Spitzennationen sind viel enger zusammengerückt, und es gibt immer mehr Länder, die Medaillen gewinnen. Nicht nur die gastgebenden Briten investieren deutlich stärker, als es uns möglich ist, auch die Russen und viele andere Länder fördern den Spitzensport als ihr Aushängeschild mit enormen Mitteln. Am Ende können ein oder zwei Goldmedaillen mehr oder weniger darüber entscheiden, ob man Vierter oder Neunter im Medaillenspiegel wird."
In London, als einzige Stadt zum dritten Mal nach 1908 und 1948 Olympia-Gastgeber, erwartet Bach gute Spiele. "London wird sicherlich ein großartiges Erlebnis. Mein Freund Sebastian Coe hat ein gutes Konzept, eine Verbindung aus Tradition und Innovation, das wird auch bei der Jugend Begeisterung auslösen", sagt der Fecht-Olympiasieger von Montreal 1976.
Trotz zuletzt drastisch gestiegener Ausgaben für die Sicherheit sagt Bach in Anbetracht eines früheren Terroranschlags mit 56 Toten 2005 und der Unruhen im August 2011 in London: "Die Sicherheit ist bei allen Großveranstaltungen - egal, ob in Sport, Kultur oder Politik - ein Thema, unabhängig vom Austragungsort. Ich habe da großes Vertrauen in die gute Zusammenarbeit der Behörden." Vorfälle aus der Vergangenheit ließen nicht "auf Gefahren für die Zukunft schließen".
Bach erwartet in London keine Doping-Spiele: "Die Hemmschwelle für die Athleten wird sehr hoch gelegt. Es gibt mehr Kontrollen als jemals zuvor, auch deren Qualität ist verbessert. Zielgerichtet werden im Vorfeld Proben in Training und Wettkampf genommen. Ähnlich wie vor Peking, als dann eine ganze Reihe Athleten nicht teilnehmen durfte. Es gibt weiter verfeinerte Methoden, auch die größere Zahl an Blutkontrollen spielt eine Rolle."
Wie mehrfach bei Olympia ist Bach wieder Chef der ad-hoc-Kommission, die sich mit aktuellen Dopingfällen befasst, darüber hinaus Mitglied der täglichen Koordinierungsrunde, in der die Spiele gesteuert werden.
Ob auch Deutschland nach München 1972 in absehbarer Zeit wieder Sommerspiele ausrichten darf, zeigt sich aus Bachs Sicht "um das Jahr 2015 herum". Neben Berlin habe zuletzt auch Hamburg durch seinen 1. Bürgermeister Olaf Scholz Interesse bekundet. Bach: "Der DOSB wird reagieren, wenn sich für Sommerspiele eine Tür öffnet."
Auch eine erneute Winter-Kandidatur von München und Garmisch-Partenkirchen bleibe ein Thema, auch wenn sich der DOSB vorerst dagegen ausgesprochen habe. Es hänge von der Veränderung der Umstände ab. Bach: "Die Fragen sind: Wer bekommt international den Zuschlag für die Sommerspiele 2020? Mit welcher innenpolitischen Unterstützung durch Amtsträger und Regierungen können wir rechnen? Ist eine breite Zustimmung der Bevölkerung sicher? Und wer trägt die Kosten für Bewerbung und Organisation der Spiele? Klarheit gibt es da wohl erst 2013."
Dann könnte im September bei der IOC-Session in Buenos Aires auch eine für Bach persönlich elementare Entscheidung fallen. IOC-Präsident Jacques Rogge erklärte vor zwei Monaten in einem SID-Interview, sein deutscher Vizepräsident besitze alle Eigenschaften, 2013 sein Amtsnachfolger werden zu können. Bach: "Es ehrt mich und auch den deutschen Sport, dass der Präsident das so sieht. Aber es ändert nichts daran, dass es noch fast zwei Jahre bis dahin sind. Es wäre nicht fair gegenüber dem IOC und dem Präsidenten, jetzt schon eine Personaldiskussion um die Nachfolge loszubrechen."
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