Olympische Spiele: Chinesen bekommen Jubel vorgeschrieben
VON JENNIFER TÖPPERWEIN - zuletzt aktualisiert: 09.07.2008 - 11:04Peking (RPO). Ein großes und buntes Sportfest wünscht sich die chinesische Regierung vom 8. bis zum 24. August. Bei den Olympischen Sommerspielen schaut die ganze Welt auf das Land der Mitte, das sich nur von seiner besten Seite zeigen will. Dafür wird schon fleißig geübt: An den Schulen steht mittlerweile das richtige Jubeln auf dem Lehrplan. Cheerleader trainieren das richtige Animieren.
So einiges passte China in den vergangenen Monaten nicht in sein Konzept. Zu viel war passiert, als die Welt bereits die Augen auf den Austragungsort der Olympischen Spiele gerichtet hatte. Da war der Tibet-Konflikt, der im März hoch kochte und blutig niedergeschlagen wurde. Dies hatte internationale Proteste bei dem Fackellauf um die Welt zur Folge. So wollte China nicht gesehen werden.
So tragisch es klingt: Das vernichtende Erdbeben im Mai "half" China dabei, die Rollen zu wechseln und sich bürgernah und in der Öffentlichkeit als Opfer darzustellen. Das Bild, das die Welt von dem Land im Kopf hatte, besserte sich.
Zum richtigen Zeitpunkt, denn der Start der Spiele steht kurz bevor. Einen Monat vor Beginn der Sommerspiele unterstrich zudem das Internationale Olympische Komitee noch einmal seine Zuversicht, dass Gastgeber Peking die Welt in Erstaunen versetzen wird. Mit atemberaubenden Wettkampfstätten, reibungsloser Organisation und überwältigender Gastfreundschaft.
Und die Regierung tut alles, damit die Weltöffentlichkeit auch nur das sieht, bloß nichts von möglichen Boykotten mitbekommt. Jubelnde Olympia-Fans sollen im Vordergrund stehen. Natürlich kein spontaner Jubel und keine ausgelassenen emotionalen Bekundungen. Wie sich der geeignete chinesische Zuschauer zu zeigen hat, wird bereits jetzt geplant: Schulen und Universitäten trainieren das richtige Klatschen und geeignete Jubelrufe.
So geht's...
Insgesamt werden 800.000 Chinesen mit Olympiatickets angeleitet, schreibt der "Tagesspiegel". Ganz genau werde auf die Abfolge des Jubels geachtet: "Zweimal in die Hände klatschen und 'Aoyun' rufen, Daumen hoch und 'Jiayou' rufen, zweimal klatschen und 'Zhongguo' rufen, Fäuste in die Luft und 'Jiayou' rufen. Soll heißen: Auf geht’s Olympia, auf geht’s China", so die Zeitung. Die Anleitungen kann man auch noch mal mit hilfreichen kleinen Comic-Bildchen, die die einzelnen Bewegungen zeigen, üben.
Eine weitere Maßnahme ist das Trainieren von Cheerleadern. In verschiedenen Kursen wird Hunderten junger chinesischer Frauen beigebracht, wie sie richtig tanzen, hüpfen und anfeuern. Sie sollen den Glanz Chinas perfekt machen und hart arbeiten, um auf leichte und bekömmliche Art die Zuschauer zu unterhalten.
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