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Olympia-Absage
DTB-Sportdirektor kritisiert Zverevs Turnierplanung

Porträt: Alexander Zverev: Deutschlands große Tennis-Hoffnung
Porträt: Alexander Zverev: Deutschlands große Tennis-Hoffnung FOTO: dpa, jrp ks
Rio de Janeiro . Tennis-Profi Alexander Zverev sagt seine Teilnahme an Olympia ab. Der DTB äußert sich dazu diplomatisch, es klingt aber auch Kritik an.

Die Absage kam wie aus dem Nichts. Völlig unerwartet teilte Alexander Zverev am Samstag seinen Verzicht auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) mit - genau eine Woche vor dem Beginn des Turniers. Die Hoffnungen der deutschen Tennisspieler ruhen damit mehr dann je auf Angelique Kerber.

Zverev tat seinen Entschluss bei Instagram kund. "Ich habe mich bei meinen letzten Matches in Washington und Toronto nicht 100 Prozent gut gefühlt", schrieb er, "nach intensiver Rücksprache mit den Ärzten und meinem Team haben wir entschieden, dass ich zurückziehen muss." Zverev hatte vergangene Woche in Washington immerhin das Halbfinale erreicht, am Dienstag war er in Toronto aber bereits in der ersten Runde gescheitert.

Dem Deutschen Tennis-Bund (DTB) konnte diese Entwicklung nicht gefallen, die sportlich Verantwortlichen waren allerdings weitgehend um diplomatische Äußerungen bemüht. "Er hat in diesem Jahr schon mehr Matches gespielt als im kompletten letzten, er ist an seinem Limit angekommen", sagte Dirk Hordorff, DTB-Vizepräsident Sport und Teamchef in Rio, dem SID. Außerdem, ergänzte er, mache dem 19 Jahre alten Hamburger auch ein Virus zu schaffen.

DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard hatte ein wenig mehr Mühe, seine Enttäuschung und wohl auch Verärgerung über die reichlich kurzfristige Absage zu verbergen. "Er sieht sich derzeit nicht in der Lage, eine Medaille zu gewinnen, deshalb spielt er nicht. Man kann sich fragen, ob seine Turnierplanung so richtig war, alles hintereinander weg zu spielen", merkte er im Gespräch mit dem SID kritisch an.

Zverev fehlt noch die Robustheit

Der DTB müsse die Entscheidung der Ärzte akzeptieren, sagte Hordorff. Zverev sei "halt noch sehr jung und hat noch nicht die körperliche Robustheit der absoluten Spitzenspieler". Der Termin des olympischen Turniers steht freilich schon seit Jahren fest - zwischen dem Ausscheiden in Toronto und dem ersten Match in Rio hätten immerhin zehn Tage gelegen. Es ist nicht das erste Mal, dass Zverev durch Eigenwilligkeit auffällt.

In Rio hätte Zverev im Einzel sowie im Doppel mit Philipp Kohlschreiber (Augsburg) an den Start gehen sollen. Teilnehmen werden am Olympiaturnier nun noch acht deutsche Profis, fünf Frauen und drei Männer. "Sicher sind wir enttäuscht, wir haben schon auf eine Überraschung von Sascha gehofft", sagte Hordorff, "aber eine Überraschung hätte es definitiv nicht gegeben, wenn er in Rio nicht fit angetreten wäre."

Für die deutschen Mannschaft ist es bereits der zwei Ausfall. Zuvor hatte Davis-Cup-Spieler Philipp Petzschner wegen einer Infektion seine Teilnahme absagen müssen, auch er war für das Doppel an der Seite von Kohlschreiber vorgesehen gewesen. Für den Doppelsieger von Wimbledon 2010 und der US Open 2011 war dann Zverev nominiert worden. Der DTB wird es nun Kohlschreiber überlassen, mit wem er Doppel spielen will: Jan-Lennard Struff (Warstein) oder Dustin Brown (Winsen/Aller).

(sid)
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