Nach Dopingskandal um Springreiter Ahlmann: Anwalt vom Weltverband enttäuscht
zuletzt aktualisiert: 28.08.2008 - 16:26Berlin (RPO). Es geht um seine sportliche Zukunft. Springreiter Christian Ahlmann fühlt sich nach der positiven B-Probe bei seinem Pferd Cöster vom Weltreitverband (FEI) ungerecht behandelt. Sein Anwalt Andreas Kleefisch warf der FEI mangelnde Kooperation vor.
"Wir haben bereits zwei Anträge auf Akteneinsicht gestellt, doch bislang hat sich noch niemand gerührt", sagte Kleefisch. Das weitere Vorgehen der Verteidigung sei ohne die Informationen über die Untersuchungen während des olympischen Reitturniers in Hongkong nicht festzulegen. "Wir wollen uns kooperativ verhalten, aber niemand kooperiert mit uns."
Der Anwalt bemängelte, dass ihm bis Donnerstagmorgen noch keine Analyseberichte von A- und B-Probe zur Verfügung gestellt wurden. Auch die Protokolle über die Bandagenkontrollen der Pferde fehlten. "So kann man keine richtige Verteidigung aufbauen", sagte auch Anwalt Ulf Walz, der Kleefisch unterstützt.
Generell wolle man das Verfahren der FEI nicht torpedieren: "Wir wünschen uns ebenfalls eine rasche Klärung, damit Christian Ahlmann schnell wieder reiten kann", sagte Kleefisch. Zur Anhörung am 6. September vor dem FEI-Tribunal werde Ahlmann erscheinen. Erst nach Erhalt der Fakten könne man festlegen, wann der Gang zum Internationalen Sportgerichtshof CAS erfolgen werde.
Anhörung in Lausanne
Die FEI wies hingegen auf das von ihr frühzeitig festgelegte Verfahren hin. Demnach wurden die vier Reiter, bei deren Pferden während der Olympischen Spiele in Hongkong die verbotene Substanz Capsaicin nachgewiesen wurde, in der Zeit zwischen dem 5. und 7. September zur Anhörung nach Lausanne eingeladen.
Neben Ahlmann sind dies der Norweger Tony Andre Hansen, der Ire Denis Lynch und der Brasilianer Bernardo Alves. Spätestens in der ersten Oktober-Woche will das Tribunal die Fälle mit der Festlegung möglicher Strafen abschließen.
Derweil hat der nationale Verband, die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN, erste Konsequenzen aus dem Doping-Desaster von Hongkong gezogen. Ab sofort wird die Anzahl der Dopingproben bei den führenden Turnieren in Deutschland erhöht. Der Anfang wird bereits beim "Turnier der Sieger" am Wochenende in Münster gemacht.
Zudem wies die FN auf ein neues Verfahren hin, mit dem ab 2009 Manipulationen an Pferdebeinen besser nachzuweisen sind. Mit dem Einsatz von Wärmekameras (Thermographie) soll der Missbrauch von verbotenen Substanzen an den Beinen der Pferde aufgedeckt werden.
Nach dem Nachweis von Capsaicin bei Olympia wurde der Verdacht laut, dass die betroffenen Reiter mit dem Mittel die Beine der Pferde sensibilisiert hätten, damit die Vierbeiner mehr Schmerzen beim Berühren einer Hindernisstange verspüren und die Beine im Parcours stärker anheben. Sollte den beschuldigten Reitern im Zuge der Ermittlungen ein solches "chemisches Barren" nachgewiesen werden, spricht die FEI von Doping und könnte zweijährige Sperren aussprechen.
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