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Gold in Rio
Olympiasiegerin Engleder hat jetzt endlich Zeit für ihren Sohn

Engleder beißt auf Gold
Engleder beißt auf Gold FOTO: dpa, nic
Rio de Janeiro. Barbara Engleder hat im letzten großen Wettkampf ihrer Karriere Olympia-Gold gewonnen. Die Waffe hängt sie nun an den Nagel - ihrem Sohn zuliebe.

Der Olympiasieg in Rio de Janeiro war der verdiente Lohn für "Tränen, Schmerz und blaue Flecken", doch für kein Gold der Welt will Barbara Engleder künftig auf noch mehr Zeit mit ihrem Söhnchen Tobias verzichten. "Er braucht etwas Stetiges in seinem Leben. Und das bin ich momentan nicht", sagte die deutsche Sportschützin.

Der Dreijährige ist der ganze Stolz der Niederbayerin, die sich am Donnerstag im KK-Dreistellungskampf sensationell zur Goldmedaille schoss. Umso schwerer fiel es ihr, dass sie zuletzt nicht wie gewünscht für ihn da sein konnte. Auch deshalb fiel Engleders Jubel nach ihrem Olympiasieg so emotional aus.

Emotionen nach der Entscheidung

Sie riss die Arme hoch, brüllte hemmungslos. "In dem Moment musste alles raus", sagte Engleder. Sie dachte an die vielen Entbehrungen, die sie für diesen Erfolg hatte erdulden müssen. "Jedes Familienfest verpassen, den eigenen Sohn nicht ins Bett bringen", zählte sie auf. Kurz: "Tränen, Schmerzen und blaue Flecken."

Damit soll bald Schluss sein. Das Weltcup-Finale Anfang Oktober in Bologna will die 33-Jährige noch bestreiten, dann verschwinden ihre Sportwaffen endgültig im Keller ihres Hauses im niederbayerischen Triftern. Die Sportschützin Barbara Engleder wird Geschichte sein, aus der Olympiasiegerin wird in erster Linie: Mama Barbara.

Engleder ist ein Familienmensch, sie besitzt einen fürsorglichen Charakter. In der deutschen Schützenmannschaft engagiert sie sich als Athletensprecherin, sie ist die "Mutter" der Schützenkompanie. Ihre Energie widmet sie in Zukunft jedoch hauptsächlich ihren Liebsten, allen voran Söhnchen Tobias.

Der hat sogar schon erste Erfahrungen im Metier der seit Donnerstag berühmten Mutter. "Aber allerhöchstens mit Wasserpistolen im Plantschbecken, und die sind quietschbunt", sagte die heimatverbundene Engleder.

"Für Bayern"

"I brauch heut Abend noch a Weißbier", hatte sie kurz nach dem Olympiasieg in breitestem Dialekt gesagt und lokalpatriotisch hinterhergeschoben: "I hob des nit nur für Deutschland gmacht, sondern erst recht für Bayern!" Viele Bayern stünden hinter dieser Medaille, erklärte Engleder.

Die gesamte Familie lebt bei ihr im Umkreis, entsprechend groß waren auch die Auswirkungen des Hochwassers Anfang Juni. Ihr Keller sei vollgelaufen, Waffen seien beschädigt worden. "Meine komplette Luftgewehrmunition ist abgesoffen", sagte Engleder.

Andere traf es noch härter. "Einige hat es ganz, ganz, schlimm erwischt. Der Sieg soll für alle Betroffenen auch ein Zeichen sein, dass man wieder aufstehen kann und weitermachen muss", sagte Engleder, bevor sie eine "bayerische Party" ankündigte. Engleder sammelte auch dort unvergessliche Erinnerungen an ihre Erfolgsspiele.

Irgendwann, in 15 oder 20 Jahren, wenn Sohn Tobias das Elternhaus in Triftern verlassen hat, wird sie womöglich hin und wieder einen Blick auf ihre Goldmedaille aus Rio werfen. Und in Gedanken an die gewonnene Zeit mit der Familie wissen: Es hat sich gelohnt, auf dem Höhepunkt der Karriere abzutreten.

(sid)
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