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Michael Vesper im Interview
"Bewerbungskonzept muss besser vermittelt werden"

Im Herbst des vergangenen Jahres ist die Bewerbung Hamburgs um die Olympischen Spiele 2024 in einer Bürgerbefragung gescheitert. Ob sich Deutschland in absehbarer Zeit erneut bewirbt, ist offen. Von Martin Beils und Stefan Weigel

Michael Vesper, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), wünscht sich für eine etwaige neuerliche Kandidatur mehr Unterstützung durch die Politik.

In drei Monaten beginnen in Rio de Janeiro die Spiele. Wird es in absehbarer Zeit eine neue deutsche Olympiabewerbung geben, nachdem die Hamburger im vergangenen Herbst eine Bewerbung abgelehnt haben?

Vesper Im Sommer 2017 fällt in Lima die Entscheidung, welche Stadt die Spiele 2024 ausrichtet: Los Angeles, Paris, Rom oder Budapest. Danach werden wir sehen, wie die internationale Konkurrenz für die folgenden Jahre aussieht. Für 2028 stehen weitere Bewerber in den Startlöchern. Ich höre zum Beispiel von Canberra in Australien, Südafrika spielt womöglich eine Rolle.

Und Doha in Katar?

Vesper Katar ist zuletzt in der Vorentscheidung bereits gescheitert. Anders als die Fifa hatte das IOC mitbekommen, dass es dort im Sommer sehr heiß ist.

Mit welcher Stadt könnte Deutschland ins Rennen gehen?

Vesper Hamburg hatte eine großartige, international stark beachtete Bewerbung, auch wenn sie letztlich am Referendum gescheitert ist. Aber derzeit wäre es reine Spekulation, eine Stadt für die Zukunft zu benennen.

Woran ist Hamburg gescheitert?

Vesper Die bis zuletzt unklare Finanzfrage war für die Bürger ein wichtiges Thema, mehr noch als die hausgemachten Probleme im Weltsport und die internationale Sicherheitslage, die auch Stimmen kosteten.

Was muss bei künftigen Bewerbungen anders laufen?

Vesper Nicht das Konzept, aber dessen Vermittlung. Die klare Unterstützung von Parlament und Regierung, nicht nur regional, sondern auch national, ist unverzichtbar für den Erfolg im Innern und vor allem international. Inwieweit eine lokal begrenzte Bürgerbefragung da ausschlaggebend sein darf, da habe ich meine Zweifel.

Die Kanzlerin sucht die Nähe zum Fußball - sie war zum Beispiel zweimalig während der WM in Brasilien - meidet Olympia aber. Warum?

Vesper Ich weiß es nicht, da müssen Sie sie selbst fragen. Immerhin ist sie regelmäßig Gast beim DOSB-Ehrenamtspreis "Sterne des Sports", worüber wir uns freuen. Und sie kommt im Mai in die Paulskirche, um dem DOSB als Dachverband des Sports zum zehnten Geburtstag zu gratulieren.

Wird sie zu den Spielen nach Rio de Janeiro reisen?

Vesper Nach unseren derzeitigen Informationen leider nein.

Und der Bundespräsident?

Vesper Wir haben ihn eingeladen, und wir freuen uns, dass er die Einladung angenommen hat und nach Rio kommen wird.

Ab den Winterspielen 2018 in Pyeongchang liegen die Übertragungsrechte bei Discovery/Eurosport. Der deutsche Zuschauer bekommt keine Vollversorgung bei ARD und ZDF mehr. Leidet darunter die Wahrnehmung Olympias in Deutschland?

Vesper Es laufen Verhandlungen zwischen Discovery und ARD/ZDF, denen wir einen guten Erfolg wünschen. Noch ist nicht entschieden, wer was übertragen wird. Discovery hat offenbar das Ziel und den Anspruch, mit den Olympiaübertragungen den Durchbruch in Deutschland zu schaffen. Die deutschen Fernsehzuschauer müssen sich daran gewöhnen, dass sie nicht mehr alles aus einer Hand bekommen. In anderen Ländern ist eine Aufsplitterung des Angebots seit Jahren üblich.

Haben ARD und ZDF Fehler gemacht?

Vesper Sie hätten sich frühzeitig die Rechte bis 2020 sichern können. So wie es die BBC gemacht hat. Doch ARD und ZDF haben eine andere Taktik gewählt und hatten damit leider keinen Erfolg

Quelle: RP
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