| 19.31 Uhr

Deutsche Springreiter
Gold verloren, Bronze gewonnen

Bilder: Traum vom Gold endet für Springreiter mit Bronze
Bilder: Traum vom Gold endet für Springreiter mit Bronze FOTO: dpa, nic
Rio de Janeiro. In der brütenden Hitze von Deodoro wird es im Kampf um die Mannschaftsmedaillen im Springreiten dramatisch. Erst platzt der deutsche Traum vom Sieg, dann gewinnt die Equipe im Stechen gegen Kanada noch Bronze. Von Stefan Klüttermann

Um 12.51 Uhr Ortszeit ist es endgültig vorbei, das nervenaufreibende Finale im olympischen Mannschaftsentscheid der Springreiter von Rio. Es ist aus deutscher Sicht ein versöhnliches Ende unter einen denkwürdigen Wettkampf in der Gluthitze von Deodoro. Der Abschluss eines Vormittags voller Hadern, Bangen, Verzweifeln, Hoffen und dann doch noch Jubeln.

Der Spielfilm eines fesselnden Olympia-Entscheids:

Die Ausgangslage Nach dem ersten Umlauf vom Vortag führen die Deutschen mit null Strafpunkten, Ludger Beerbaum hat mit einem Abwurf auf Casello das Streichergebnis geliefert. Schadlos haben sich bei Halbzeit auch Brasilien, die Niederlande und Brasilien gehalten. "Ich bin froh, dass es so gut gelaufen ist, aber das wird noch eine ganz heiße Kiste morgen", prophezeit Bundestrainer Otto Becker. Er soll mehr Recht behalten, als ihm wahrscheinlich lieb gewesen ist.

Der Start ins Finale Christian Ahlmann geht als erster deutscher Reiter auf Taloubet Z in den Parcours. Es ist heiß, 34 Grad in der prallen Sonne, in der diesmal auf den Rängen nur noch ganz wenige Plätze frei sind – klar, die Brasilianer reiten ja um die Medaillen mit. Bis zur Kombination läuft es gut für Ahlmann, und auch danach wieder, aber an der Kombination selbst reißt der Hengst eben mit dem Hinterbein.

Immerhin bleibt Ahlmann innerhalb der arg knapp bemessenen 82 Sekunden. "Ich habe von Anfang an sehr aufs Tempo gedrückt, um die Zeit zu schaffen. Der Abwurf war sehr schade, denn ansonsten ist er sehr konzentriert gesprungen. Und wie es leider aussieht, sind hier Null-Fehler-Ritte nötig", sagt Ahlmann. Zu leicht, wie tags zuvor noch einige Reiter geunkt hatten, war der Parcours diesmal also keineswegs. "Er ist heute auf jeden Fall eine Ecke schwerer, das war auch zu erwarten. Und die Zeit ist richtig, richtig kurz", gibt Ahlmann zu.

Der zweite deutsche Reiter ist eine Reiterin: Und auf Meredith Michaels Beerbaum lastet nach Ahlmanns Vier-Fehler-Ritt nun schon ein gehöriger Druck, vor allem, weil die Amerikaner und Franzosen bisher exzellente Ritte hingelegt haben. Die 46-Jährige muss auf Fibonacci fehlerfrei bleiben, soll der Traum von Gold nicht schon vorzeitig ausgeträumt sein. Zwölf Hindernisse lang läuft auch alles wie gewünscht, aber dann leistet sich der Schimmelwallach einen Abwurf. Hinzu kommt ein Strafpunkt für das Überschreiten der Zeit, macht fünf Strafpunkte. Als der dritte Franzose, Roger-Yves Bost, kurz danach fehlerfrei bleibt, ist klar: Gold ist weg für Deutschland, das geht nach Frankreich. "Jetzt wird es schwer mit einer Medaille. Hier sind sehr viele gute Reiter, die alle sehr viel Erfahrung haben mit dem Nervenspiel und die den Druck aushalten", befürchtet Michaels-Beerbaum.

Was kann Daniel Deußer jetzt noch rausreißen? Die Antwort: Er bringt genauso zu wenig wie seine beiden vor ihm gerittenen Teamkollegen. Der 35-Jährige reißt mit First Class an der dreifachen Kombination. Damit steht nun fest: Auch Silber ist für Deutschland weg, die USA sind nicht mehr einzuholen.

Der Verbleib im Kampf um Bronze hängt nun an Ludger Beerbaum. Der Routinier hat am Vortag gesagt, er werde bestimmt noch eine Rolle spielen für das Team. Und so ist es auch. Als allerletzter Starter muss der 52-Jährige bei seinen siebten Olympischen Spielen auf Casello fehlerfrei und zudem in der Zeit bleiben, um ein Stechen um Bronze gegen Kanada erzwingen zu können. Und Beerbaum hält dem Druck stand. Es gibt das Stechen. Der Parcours wird umgebaut, alle vier Deutschen und Kanadier treten nun in einer verkürzten Runde an.

Das Stechen Abwechselnd geht es erneut ins Stadion. Es geht Schlag auf Schlag: Der erste Kanadier Yann Candele leistet sich einen Abwurf. Ahlmann bleibt als zweiter fehlerfrei. Die zweite Kanadierin Tiffany Foster kommt ohne Abwurf durch. Michaels-Beerbaum hat also wieder Druck, doch diesmal bleibt auch sie bei null Fehlern. Einen Fehler leistet sich Amy Miller für Kanada – und so ist klar: Bleibt Deußer fehlerfrei, geht Bronze an die deutsche Equipe. Deußer schafft genau das. Schluss. Aus. Bronze – die erste deutsche Teammedaille im Springreiten seit 2004, auch damals war es Bronze.

"Wenn ich ehrlich bin, ich hatte wenige Tage in meiner Karriere, die für mich emotionaler waren", sagt Ludger Beerbaum später. "Dass es dann so laufen würde, dass ich als letzter rein muss und zeigen kann, dass ich auch noch zum Team gehöre, das hätte ich mir vorher nicht so träumen lassen. Doch jetzt bin ich stolz, mit so einer Runde aufhören zu können." Ist es also hier und heute in Rio sein Karriereende? "Ich will hier heute nichts entscheiden, aber viel kommt da nicht mehr."

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