| 16.36 Uhr

Olympia-Nominierung
Molitor unterliegt im Rechtsstreit gegen Olympia-Verband

Das ist Katharina Molitor
Das ist Katharina Molitor FOTO: dpa
Exklusiv | Düsseldorf. Speerwurf-Weltmeisterin Katharina Molitor muss ihre Olympia-Hoffnungen endgültig begraben. Die Leichtathletin scheiterte mit einer Einstweiligen Verfügung gegen den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Die 32-Jährige wollte mit ihrem Schritt einen Platz im Team für die Olympischen Spiele in Rio einklagen. Von Gianni Costa

"Frau Molitor hat für ihr Recht gekämpft und leider verloren", sagte ihr Anwalt Paul Lambertz im exklusiven Gespräch mit unserer Redaktion. "Wir müssen das erst einmal verdauen." Weitere Schritte vor Gericht schloss der Sportrechtler der Düsseldorfer Kanzlei Beiten Burkhardt indes aus: "Es geht nichts mehr." Molitor selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen - sie hatte ihr Mobiltelefon ausgeschaltet.

Das Frankfurter Gericht habe dem DOSB ein weites Ermessen bei der Nominierung zugebilligt, "was dieser bis zur Grenze der Willkür ausüben kann, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen", meinte Lambertz. "Damit haben Athleten, die sich gegen ihre Nichtnominierung wehren wollen, kaum noch Rechtsschutz."

Diese Entscheidung sei auch deshalb besonders bitter für die Leverkusenerin Molitor, weil das Landgericht Frankfurt festgestellt habe, dass sie die besseren Leistungen und Ergebnisse erzielt habe, sagte der Anwalt. "Die Entscheidung für Christina Obergföll sei aber nicht willkürlich und daher nicht angreifbar. Nur deshalb wurde der DOSB nicht zur Nominierung verurteilt", meinte er.

Der DOSB hatte Christina Obergföll (Offenburg) als dritte Speerwerferin nach der deutschen Meisterin Christin Hussong (Zweibrücken) und EM-Silbergewinnerin Linda Stahl (Leverkusen) benannt.

"Wir hätten gerne alle vier Weltklasse-Speerwerferinnen nominiert, haben aber nur drei Plätze und mussten deshalb eine Auswahl treffen", sagte DOSB-Vorstandschef Michael Vesper. "Dabei haben wir uns ausschließlich an den Nominierungsrichtlinien orientiert und damit an den dort im vorgegebenen Zeitraum geworfenen Weiten." Obergföll habe vor Molitor gelegen und sei auch vom Leichtathletik-Verband vorgeschlagen worden.

Molitor hatte ihre Ergebnisse vom DOSB falsch bewertet gesehen und war deshalb juristisch gegen die Entscheidung vorgegangen. "Es ist unverständlich, warum manche Verbände weiterhin Nominierungskriterien beschließen, die diesen ein Ermessen bei der Nominierung einräumen. Was spricht dagegen, dass bei Individualsportarten nur objektive Kriterien beschlossen werden?", findet Lambertz. "Objektive Kriterien wären fair und transparent und würden gerichtliche Auseinandersetzungen wahrscheinlich überflüssig machen. Dies wäre ein Gewinn für den Sport und für die Sportler."

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