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Olympia
Speerwerferin Molitor will sich nach Rio klagen

Das ist Katharina Molitor
Das ist Katharina Molitor FOTO: dpa
Speerwurf-Weltmeisterin Katharina Molitor hat nach der Nichtberücksichtigung für die Olympischen Spiele in Rio angekündigt, rechtliche Schritte einzuleiten. "Ich werde mir juristischen Rat holen und schauen, ob ich gegen diese Entscheidung klagen kann", sagt die 32-Jährige unserer Redaktion. Von Gianni Costa und Patrick Scherer

Den hat sie in dem Düsseldorfer Anwalt Paul Lambertz gefunden. Der Jurist der Kanzlei Beiten Burkhardt prüft derzeit rechtliche Schritte gegen den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). "Es wäre sehr schade, wenn Frau Molitor gezwungen würde, ihren Anspruch gerichtlich durchsetzen zu müssen", sagt Lambertz. "Aber manchmal ist dies der einzige Weg, um zu seinem Recht zu gelangen."

Der DOSB hatte zuvor bekanntgegeben, dass Christina Obergföll (Offenburg) als dritte Speerwerferin nach der deutschen Meisterin Christin Hussong (Zweibrücken) und EM-Silbergewinnerin Linda Stahl (Leverkusen) nach Rio reisen wird. Molitor (Leverkusen) sprach von "völligem Unverständnis" über diese Entscheidung. "Ich frage mich, warum ich für die EM nominiert wurde, aber für Olympia nicht, obwohl sich seitdem nichts geändert hat." So sieht das auch ihr Anwalt. "Die eigenen Nominierungskriterien des DOSB geben die Entscheidung gegen sie nicht her", sagt Sportrechtler Lambertz. "Als DM-Zweite, EM-Vierte und mit allein vier Würfen über 62 Meter in diesem Jahr ist sie die bessere Athletin."

Die 34-jährige Obergföll hatte vor der Nominierung ihrerseits angekündigt, sich "juristische Unterstützung" zu holen, sollte sie nicht im Kader für die Spiele stehen. Sie habe die Nominierung verdient, da sie in diesem Jahr mit 64,96 und 63,96 Meter zweimal weiter als Molitor (63,20 Meter) geworfen hatte. Molitor wiederum erklärte: "Ich hoffe nicht, dass der DOSB sich diesem Druck gebeugt hat. Ausschließen kann ich es aber nicht." Für sie haben bei den erfolgreichen Weiten von Obergföll auch "ganz andere Bedingungen geherrscht".

Der Präsident des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV), Clemens Prokop, hatte von einer "tragischen Entscheidung" gesprochen. "Für den Verband war es ein Luxusproblem, für die Athletin ist es tragisch, nicht bei Olympia dabei zu sein", sagte Prokop. Der DLV hatte dem DOSB die Nominierungskandidaten vorgeschlagen. Prokop oder ein anderer Entscheidungsträger haben sich nach Angaben von Molitor nicht persönlich bei ihr gemeldet, um ihr die Absage mitzuteilen. "Das ist nicht die feine Art", sagte Molitor schwer enttäuscht.

Zuletzt habe Prokop im Gespräch nach dem vierten Platz bei der EM in Amsterdam Molitor keine Anzeichen gegeben, dass sie nicht nach Rio fahren würde. "Warum der DOSB nicht die besten Athleten nach Rio schicken will", sagt Lambertz, "können wir uns nicht erklären."

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