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"Bin richtig gut drauf"
Behringer der Dreh- und Angelpunkt im deutschen Team

Bilder: DFB-Frauen zittern sich ins Halbfinale
Bilder: DFB-Frauen zittern sich ins Halbfinale FOTO: afp, na
Belo Horizonte . Melanie Behringer war fast aussortiert, jetzt ist sie die treibende Kraft der DFB-Frauen auf dem Weg zum erhofften Gold. Ihr Glaube macht sie stark.

Für ihre bärenstarke Form hat Melanie Behringer eine simple Erklärung. "Ich fühle mich schon länger fit, bin richtig gut drauf", sagt die 30-Jährige lapidar. Aber es steckt noch mehr dahinter: "Ich ziehe auch viel aus meinem Glauben, der gibt mir Kraft. Ich weiß, dass ich immer von oben Unterstützung habe."

Nach oben führte auch Behringers Weg in den letzten Jahren wieder. Beim EM-Triumph 2013 wegen Formschwäche nur Ersatzkraft auf der Bank, nun bei ihren letzten Olympischen Spielen der Dreh- und Angelpunkt im deutschen Team. Mit bereits vier Treffern führte die schussgewaltige Mittfeldspielerin die DFB-Auswahl bei der bislang holprigen Gold-Mission ins Halbfinale, zuletzt mit ihrem 20-Meter-Kracher (76.) zum 1:0-Arbeitssieg gegen China.

Behringers entscheidender Wegpunkt war ein Schritt zurück: Die Rückkehr 2014 vom 1. FFC Frankfurt zum FC Bayern, den sie in den vergangenen beiden Spielzeiten als Kapitänin zur Meisterschaft führte. Wie im Verein nehme die Weltmeisterin von 2007 im Nationalteam nun eine Führungsrolle ein, erklärte Bundestrainerin Silvia Neid: "Sie ist eine absolut wichtige Spielerin. Wir sind froh, dass wir sie haben."

Ein Sieg fehlt Behringer und Co. noch für den großen Traum vom Finale am Freitag im Maracana. Der muss am Dienstag (16.00 Uhr OZ/21.00 Uhr MESZ) in Belo Horizonte allerdings ausgerechnet gegen Kanada her. Gegen die Nordamerikanerinnen hatten die Deutschen ihr letztes Vorrundenspiel 1:2 verloren. "Sie kommen sehr über die Physis", sagte Behringer: "Aber wenn wir wie gegen China kämpfen, schaffen wir das."

Ihr unerschütterlicher Optimismus ist ansteckend - auch neben dem Platz sorgt sie für gute Laune. "Mit ihr hat man immer etwas zu lachen", sagte DFB-Kapitänin Saskia Bartusiak über die mit 121 Länderspielen überaus erfahrene Teamkollegin. Mehr Einsätze haben im derzeitigen Olympiakader nur Anja Mittag (142) und Annike Krahn (135) auf dem Buckel.

Alle drei waren bereits vor acht Jahren dabei, als die DFB-Frauen zum dritten Mal Bronze gewannen. Ins olympische Endspiel hat es der zweimalige Welt- und achtmalige Europameister noch nie geschafft - diesmal wäre eine Halbfinal-Niederlage aber besonders bitter. Das Spiel um Platz drei findet nämlich nicht in Rio de Janeiro, sondern in Sao Paulo statt. Der Einzug ins Athletendorf, das Eintauchen in die Olympia-Atmosphäre, bliebe versagt.

Die Bundestrainerin hofft bei ihrem letzten Turnier nach elf Jahren im Amt auf einen krönenden Abschluss - gerne mit weiteren Hammer-Toren der wiedererstarkten Melanie Behringer: "Sie hat jetzt alle vier Spiele gemacht. Ich hoffe sehr, dass sie noch zwei so durchhält." Es klang wie ein kleines Stoßgebet.

(sid)
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