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Oksana Chusovitina
Zum siebten Mal Olympia

Oksana Chusovitina: Zum siebten Mal Olympia
Oksana Chusovitina FOTO: imago sportfotodienst
Bergisch Gladbach. Die usbekische Kunstturnerin Oksana Chusovitina, die einige Jahre für Deutschland startete, hat sich für die Spiele in Rio de Janeiro qualifiziert. Im Alter von 41 Jahren. Von Martin Beils

Vor acht Jahren war Oksana Chusovitina schon ziemlich alt. Für eine Hochleistungssportlerin jedenfalls. Zumal in ihrer Sportart, die meist von Teenagern geprägt wird. Die Bezeichnung "Turn-Oma" lag damals auf der Hand. Sie war das Gegenstück zu all den Turnküken und Turnflöhen. Chusovitina war 32 Jahre alt, und sie startete in Peking bei ihren fünften Olympischen Spielen. Sie holte Silber beim Sprung.

Im Juni wird Chusovitina 41. Zwei Monate später tritt sie wieder bei Olympia an. Für das Land, in dem sie geboren wurde, das damals Teil der Sowjetunion war, später Teil der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) und nun der selbstständige Staat Usbekistan ist. Am vergangenen Wochenende hat sie sich in Rio de Janeiro für ihre siebten Spiele qualifiziert. Ihre Konkurrentinnen könnten durchweg ihre Kinder sein. Sie tritt noch einmal in ihrer Spezialdisziplin, dem Sprung, an. Dabei hatte sie vor vier Jahren aufhören wollen. "Aber wissen Sie, wir sind Frauen", sagte sie kürzlich, "wir sagen etwas und ändern dann unsere Meinung. Das passiert andauernd."

Wie ist es möglich, dass eine Athletin so lange die Strapazen der Mühle Hochleistungssport aushält? Noch dazu in einer Sportart, die Knochen, Muskeln und Sehnen wie nur wenige andere strapaziert. "Sie ist ein biologisches Wunder", sagte die deutsche Bundestrainerin Ulla Koch bei den Spielen 2012 in London, "für uns ist das schwer zu begreifen. Ich bin dankbar, dass Oksana zu meiner Trainerinnenzeit für Deutschland geturnt hat. Es ist der Wahnsinn, dass sie immer noch dabei ist."

Olympia 2008: Turnerin Chusovitina gelingt Sensation FOTO: ddp

Ein paar Erklärungsansätze gibt es aber doch. Mit einer Größe von 1,53 Meter und einem Gewicht von nur 44 Kilo bringt Chusovitina gerade für den Sprung vorzügliche körperliche Voraussetzungen mit. Mindestens genauso wichtig ist ihr Wissen um die Belastbarkeit ihres zarten Körpers. Besonders harte Übungen wie die am Stufenbarren, bei der der Körper brutal gegen die Holme geschlagen wird, erspart sie sich seit einigen Jahren.

Ihre Trainingsumfänge reichen auch lange nicht mehr an die aufstrebender Mädchen heran. Endlose Wiederholungen von immergleichen Bewegungen kann sie sich sparen. Bei ihr sind die Abläufe automatisiert. So widmet sie sich im Training vornehmlich der Pflege ihres Körpers: viel Stretching, viel Physiotherapie. Zwei Achillessehnenrisse haben sie vorsichtig werden lassen. Und Wettkampferfahrung hat sie wie keine Zweite zu bieten. Doch sie gibt auch zu: "Der Sport ist heute härter, als er jemals war. Ihn im fortgeschrittenen Alter auszuüben, übersteigt jede Vorstellungskraft."

In Rio de Janeiro wird Chusovitina auf Ulla Koch und deren Riege treffen. Wie die Männer so holten sich auch die Frauen des Deutschen Turner-Bundes gerade die Startberechtigung für Olympia. Das Verhältnis zwischen Chusovitina und dem DTB ist eng. Seit vielen Jahre hat die Turnerin ihren Lebensmittelpunkt in Bergisch Gladbach. 2002 war sie mit ihrem damals dreijährigen Sohn Alisher ins Rheinland gekommen. Dank Spenden von Turnkameraden konnte sich der Junge einer - erfolgreichen - Leukämie-Behandlung an der Universitätsklinik Köln unterziehen. Aus Dankbarkeit blieb Chusovitina. Sie erhielt auch die deutsche Staatsangehörigkeit und sammelte sieben internationale Medaillen für den DTB.

Seit 2013 tritt sie wieder für Usbekistan an. Chancenlos ist sie in Rio nicht. Vor zweieinhalb Jahren bei ihrer 18. WM war sie in Antwerpen noch Fünfte beim Sprung. Experten trauen ihr bei Olympia einen Platz im Finale der besten acht zu. Nach den Spielen will sie ihre Karriere beenden, "und das möchte ich im Trikot meines Heimatlandes tun", hatte sie zuletzt immer wieder betont.

Der Deutsche Turnerbund hätte sie nach dem kommenden Sommer gern wieder in seinen Reihen. Bundestrainerin Koch wünscht sich, dass die ewige Oksana als Kampfrichterin für Deutschland tätig wird.

Quelle: RP
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