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Spiel um Bronze
Hockey-Männer müssen sich der harten Realität stellen

Bilder: Hockey-Herren scheitern im Halbfinale an Argentinien
Bilder: Hockey-Herren scheitern im Halbfinale an Argentinien FOTO: dpa, kno
Rio de Janeiro . Nach dem Halbfinal-Schock gegen Argentinien müssen sich die deutschen Hockey-Männer schnell wieder aufrichten. Die erste Bronzemedaille seit 2004 in Athen soll her.

Der Blick leer, die Stimme gedämpft, Schweißtropfen auf der Nase - Moritz Fürste fiel es sichtlich schwer, nach vorne zu schauen. "Wir müssen zusehen, dass wir das jetzt verdauen", sagte der Kapitän der deutschen Hockey-Männer und fügte mit einem Hauch von Trotz an: "Wir können noch immer eine Medaille gewinnen, das ist jetzt Bronze, aber immer noch unser großes Ziel."

Statt im Olympic Hockey Centre nach der Gold-Medaille zu greifen, der dritten in Serie nach 2008 und 2012, heißt die harte Realität kleines Finale. Am Donnerstag (12.00 OZ/17.00 Uhr MESZ/Live-Ticker) trifft das Team von Bundestrainer Valentin Altenburg erneut auf den Erzrivalen Niederlande - und will die Tränen trocknen, die nach der genauso herben wie deutlichen 2:5-Klatsche gegen Argentinien geflossen waren.

Altenburg beklagt "Medaillen-Hype" bei Olympia

Die Niederlage unterstreicht laut Altenburg "noch mal, wie groß die Leistung bei den beiden vergangenen Olympischen Spielen war, gegen so eine starke Weltspitze zweimal Gold zu gewinnen. Das ist etwas ganz Besonderes und eben nicht die Regel", sagte der 35-Jährige im Zeit-Interview.

Altenburg erlebt seine ersten Sommerspiele als Bundestrainer und wird dabei mit der hohen Erwartungshaltung konfrontiert: "Dieser Medaillen-Hype ist Wahnsinn. Man muss echt mal akzeptieren, dass es auch andere gute Mannschaften gibt", sagte er.

Wie tief der Schock über das Ergebnis dennoch saß, wurde in den Minuten nach dem Abpfiff mehr als deutlich. Auf der einen Seite des blauen Kunstrasens stand Florian Fuchs mit Trikot über dem Kopf, auf der anderen saß Fürste minutenlang im Tor und blickte ins Nichts. Zeitgleich suchte Abwehrchef Martin Häner nach irgendeiner Erklärung für das Desaster.

Argentinier gnadenlos effizient

"Nach dem 0:3 zur Pause hatten wir ein paar gute Chancen wieder ranzukommen, dann geht das vielleicht anders aus", sagte Häner: "Aber wir hatten schon so viel Glück in diesem Turnier. Heute war es einfach ein bisschen zu viel." Sogar mit 0:5 lag Deutschland zwischenzeitlich zurück, geschlagen von der gnadenlosen Effizienz der Gauchos. "Wir wussten, dass die kompakt stehen, wenn sie in Führung liegen, und das ist ihnen gelungen", sagte der frühere Welthockey-Spieler Tobias Hauke: "Und dann wurde es einfach brutal schwer."

Immer wieder hatte Deutschland im Turnier-Verlauf Rückstände gedreht, war so oft zurückgekommen. Gegen Neuseeland im Viertelfinale traf Altenburgs Mannschaft 1,6 Sekunden vor der Schlusssirene. In der Vorrunde beim 4:4 gegen Argentinien fiel der Ausgleich 8,9 Sekunden vor dem Ende. Doch diesmal war das Glück aufgebraucht.

Fürste, der große Sportfan, fand schon am Abend nach dem Debakel einen Teil seines Optimismus wieder. "Olympia ist, wenn die Leistung der deutschen Athleten hilft, dich auf Bronze zu konzentrieren", schrieb der 31-Jährige bei Twitter, während er das Halbfinale der erfolgreichen Beachvolleyballerinnen Laura Ludwig/Kira Walkenhorst im Fernsehen verfolgte.

(old/sid)
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