| 22.07 Uhr

Schock für Hambüchen und Co.
Toba reißt sich das Kreuzband – und turnt weiter

Verletzungs-Drama um Turner Toba
Verletzungs-Drama um Turner Toba FOTO: ap
Rio de Janeiro. Fabian Hambüchen hat die Rio-Arena gerockt und mit seinen Leistungen und seinen Gesten die Brasilianer in seinen Bann gezogen. Mit einer bravourösen Reck-Show wahrte der Hesse beim letzten internationalen Höhepunkt seiner Karriere seine Chance auf seine dritte olympische Turn-Medaille. Der Held im Team war aber diesmal Andreas Toba, der nach einem Kreuzbandriss am Boden nicht aufgab und versuchte, dem Team zu helfen.

Das Entsetzen stand allen deutschen Turnern ins Gesicht geschrieben, als der deutsche Mehrkampfmeister aus Hannover nach einer verunglückten Landung am Ende der ersten Akrobatikbahn mit schmerzverzerrtem Gesicht zusammensackte und zunächst am Boden liegen blieb. Von Helfern gestützt wurde er vom Podium geführt. In einer ersten Diagnose in der Arena diagnostizierte Teamarzt Hans-Peter Boschert einen Kreuzbandriss.

Humpelnd am Pauschenpferd

Um so überraschender war, dass der 25-Jährige am Pauschenpferd seinen Wettkampf fortsetzte. Humpelnd ging er an das Gerät, um der Mannschaft zu helfen, obwohl er seine Chance auf das Mehrkampf-Finale durch die Knieverletzung längst eingebüßt hatte. Am Boden hatte er für seinen unfreiwilligen Kurzauftritt die seltene Note von nur 1,3 Punkten erhalten.

Verbissen kämpfte er weiter und absolvierte völlig geschwächt seine Pferd-Übung. 14,233 Punkte und damit die höchste Wertung im deutschen Quartett an diesem Gerät waren der verdiente Lohn. Toba erhielt dafür den anerkennenden Applaus der rund 8000 Zuschauer.

Auch Fabian Hambüchen hatte kurz zuvor die Zuschauer fasziniert. Mit dem gewohnten Urschrei, die Armen in die Höhe gerissen und der Becker-Faust ließ Hambüchen nach seiner Reck-Gala seinen Emotionen freien Lauf und forderte mit einem kurzen Sprint um das Gerät den Applaus des begeisterten Publikums heraus.

Zuvor hatte der 28 Jahre alte Ex-Weltmeister aus Wetzlar seine schwierige Übung mit Ausgangswert 7,3 nahezu perfekt geturnt und im zweiten Durchgang der Qualifikation mit 15,533 Punkten seinen Freund Epke Zonderland aus den Niederlanden (15,366) auf Platz zwei des Zwischenklassements verdrängt. Der Einzug in das Finale waren beiden damit vor dem Schlussdurchgang nur noch theoretisch zu nehmen.

In Weltmeister Kohei Uchimura aus Japan und Andreas Bretschneider haben indes zwei Medaillenkandidaten das Finale verfehlt. Beide stürzten am Samstag bei Flugelementen. Der Chemnitzer Bretschneider musste ausgerechnet bei dem von ihm kreierten gehockten Doppelsalto mit zwei Schrauben das Gerät unfreiwillig verlassen.

Hoffnung für Nguyen

Hoffnung auf das Barren-Finale darf noch Marcel Nguyen hegen, der mit 15,466 Punkten im Klassement auf Rang fünf liegt. Lukas Dauser hingegen ist nach guter Übung (15,233) knapp am Endkampf vorbeigeschrammt. Das Team rangierte nach zwei Dritteln des Wettkampfes mit 261,518 Punkten auf Platz fünf der Zwischenwertung und muss um den Einzug in das Finale zittern. Die Führung übernahmen die USA vor Japan.

Der Wettbewerb in der Rio Olympic Arena war zwischenzeitlich unterbrochen worden, weil der Franzose Samir Ait Said am Sprung fürchterlich gestürzt war. Bei der Landung kam er derart unglücklich auf, dass sein Unterschenkel danach im 90-Grad-Winkel abknickte. Er wurde auf einer Trage aus der Halle gebracht.

(ems/dpa)
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