| 16.16 Uhr

Wegen Knieverletzung
Olympia-Aus für Turner Andreas Toba

Verletzungs-Drama um Turner Toba
Verletzungs-Drama um Turner Toba FOTO: ap
Rio de Janeiro. Der schwer am Knie verletzte deutsche Turner Andreas Toba wird bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro keinen weiteren Wettkampf absolvieren. Das teilten der Deutsche Turner-Bund (DTB) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am Sonntag mit.

"Er wird definitiv nicht turnen können. Das ist medizinisch nicht zu verantworten", sagte Delegationsleiter Sven Karg. Toba hatte in der Qualifikation am Samstag einen Kreuzbandriss im rechten Knie erlitten, war danach unter Schmerzen ans Pauschenpferd gegangen und hatte seiner Riege zum Sprung ins Finale am Montag verholfen. Trotz der Verletzung hatte er auf einen weiteren Start gehofft. Toba muss jedoch operiert werden und nach Deutschland zurückreisen, sobald er schmerzfrei ist. Wann er zurückkehrt, ist noch nicht geklärt.

Toba, das "Arbeitsschwein"

Mit seinem unglaublichen Einsatz trotz wahnsinniger Schmerzen hat er sich in die Herzen der Fans geturnt. Für Fabian Hambüchen ist er das "Arbeitsschwein", für Lukas Dauser der "Packesel", der stets die Last der Welt auf seinen Schultern trägt. Andreas Toba ist einfach der Teamplayer schlechthin. Und er ist der erste Sieger der deutschen Olympia-Mannschaft in Brasilien: der "Hero de Janeiro".

Sein phänomenaler Einsatz am Pauschenpferd nach einem zuvor erlittenen Kreuzbandriss hat der Turner in Windeseile bekannt gemacht. Unter riesigen Schmerzen trat er humpelnd ans Gerät und verhalf so der deutschen Riege zum Einzug in das Teamfinale am Montag.

Lob von Hambüchen

"Ohne Andy wären wir gar nicht hier. Und er ist immerhin der Mann, der Fabian Hambüchen nach neun Titeln als deutscher Mehrkampf-Meister abgelöst hat." Der das sagt, ist kein Geringerer als Fabian Hambüchen selbst. Im Hamburg brach Toba die lange Serie des Hessen und gewann ausgerechnet an jenem Ort seinen ersten deutschen Titel, an dem auch sein Vater Marius Toba 22 Jahre zuvor im Mehrkampf erfolgreich war.

Familie Toba stammt aus Rumänien, noch heute gibt es enge Kontakt in die Heimat. Sein Vater feierte seinen größten Erfolg im deutschen Team bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney als Sechster an den Ringen. Noch heute verrät er seinem Sohn den einen oder anderen Kniff, ins Training unter Heimcoach Adrian Catanoiu mischt er sich aber nicht ein.

"Ehrgeizig, zielstrebig und schön" - mit dieser drei Worten charakterisiert der Hachinger Lukas Dauser seinen Gefährten und meint: "Einfach ein netter Typ, der keiner Fliege etwas zuleide tut." Bisher stand der ruhige, fast immer zurückhaltende Andreas Toba im Schatten seiner Teamkollegen. Hambüchen, Marcel Nguyen, Andreas Bretschneider und früher auch Philipp Boy holten die Medaillen. Doch Toba brachte mit seiner Ausgeglichenheit stets wichtige Punkte für das Team, ist seit 2012 bei allen großen Turnieren dabei. Vom Edelmetall an einzelnen Geräten war er aber meist weit entfernt.

Die "rumänische Honigbiene"

Andreas Bretschneider bezeichnete seinen Kumpel Toba unlängst in einem Facebook-Video als "fleißige rumänische Honigbiene", die im Training jedes Element bis zur Perfektion einstudiere. In Rio demonstrierte der 25-Jährige nun diesen unbändigen Willen. "Er hat bewiesen, das er ein Kämpferherz hat - und kein Weichei ist", lobte Sportdirektor Wolfgang Willam.

Toba wies die von allen Kameraden gepriesene Tapferkeit zurück. "Ich habe geheult wie ein Schuljunge", gestand er ein. Ausschlaggebend seien nicht nur die Schmerzen im Knie, sondern die in der Seele gewesen, räumte Toba ein. "Wir haben jahrelang so viel trainiert. Jetzt aufzugeben, wäre sehr schade gewesen", schilderte er sein Motivation, das Unmögliche möglich zu machen. "Wir sind fast wie eine Familie. Ich wollte den Jungs unbedingt noch einmal unter die Arme greifen."

(sid)
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