| 16.19 Uhr

Rudern bei Olympia
Deutschland-Achter setzt erstes Ausrufezeichen

Deutschland-Achter ohne Mühe im Vorlauf
Deutschland-Achter ohne Mühe im Vorlauf FOTO: dpa, nic
Rio de Janeiro. Als Teil eins der Goldjagd erfolgreich absolviert war, begannen für den Deutschland-Achter die Probleme. Nach ihrem souveränen Finaleinzug bei der olympischen Regatta wollte die Crew um Schlagmann Hannes Ocik an der Lagoa Rodrigo de Freitas noch ein zweites Frühstück einnehmen, doch das Buffet war schon abgeräumt. Die Modellathleten reisten hungrig mit dem Bus ins Olympische Dorf zurück, zufrieden waren sie dennoch.

Das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) hatte zuvor mit einem deutlichen Vorlaufsieg seine Goldambitionen in Rio eindrucksvoll untermauert. Der Vorsprung auf Rekord-Olympiasieger USA betrug nach 2000 m eine knappe Bootslänge. Polen folgte weit abgeschlagen. Im Ziel klatschten sich die siegreichen Ruderer ab, holten sich Wasser am Steg und verschwanden kommentarlos. Bis zum Finale am Samstag haben sich die starken Männer des deutschen Paradebootes einen Maulkorb verhängt, die Konzentration soll vor dem Saisonhöhepunkt nicht mehr gestört werden.

Deutschland-Achter übernimmt sofort die Führung

Dafür redete Trainer Ralf Holtmeyer. "Wir haben gezeigt, was wir draufhaben. Das war ein guter Einstieg", sagte ein gut gelaunter und zum Scherzen aufgelegter Holtmeyer nach dem gelungenen Auftritt am Fuße des weltberühmten Corcovado mit der monumentalen Christus-Statue. Während seine Mannschaft noch ausruderte, genoss Holtmeyer auch sein Frühstück.

Genießen konnte der 60 Jahre alte Erfolgscoach auch das Rennen. Der Deutschland-Achter übernahm sofort die Führung und wehrte alle Angriffe des amerikanischen Großbootes in bemerkenswerter Art ab. Auf den letzten 500 m konnten sogar Kräfte gespart werden. "Nach der langen Wettkampfpause seit Juni war es ein gutes Rennen", sagte Holtmeyer.

Den ersten Vorlauf gewann Weltmeister Großbritannien überraschend deutlich vor den favorisierten Niederländern, die in den Hoffnungslauf am Mittwoch müssen. Nach ihrem beeindruckenden Sieg beim Weltcup Ende Mai in Luzern galten die Niederländer als Goldanwärter Nummer eins. Nach den Eindrücken der Vorläufe, die bei guten äußeren Bedingungen über die Bühne gingen, deutet aber alles auf ein Duell zwischen Deutschland und Großbritannien hin. Bei den vergangenen drei WM-Finals lagen jeweils die Briten, die am Montag vier Sekunden schneller als die Deutschen waren, knapp vorne. "Die Art ihres Sieges war schon sehr beeindruckend", sagte Holtmeyer.

"Wir waren extrem nervös"

Ungeachtet des Auftritts der Konkurrenten träumt der Deutschland-Achter vom zweiten olympischen Goldcoup in Folge, und auch der deutsche Männer-Doppelvierer darf weiter auf die Wiederholung des Olympiasiegs von London hoffen. Das Weltmeister-Boot siegte im Hoffnungslauf mühelos vor Großbritannien und Litauen und steht damit im Endlauf am Mittwoch. Den direkten Finaleinzug hatte die Crew um Schlagmann Hans Gruhne (Potsdam) nach Platz drei im Vorlauf verpasst.

"Wir mussten uns selber beweisen, dass wir nicht in einen Hoffnungslauf gehören. Wir haben der Konkurrenz das Signal gegeben, dass wir im Finale ein Wörtchen um die Medaillen mitsprechen werden", sagte Gruhne. Die Bedingungen am Montag kamen dem deutschen Boot entgegen. Die Modellathleten konnten ihre physische Stärke ausspielen. Der starke Wind beim Vorlauf am vergangenen Samstag hatte noch die technisch besseren Ruderer bevorzugt.

Die Erleichterung war daher spürbar. "Die Anspannung war extrem groß, wir waren extrem nervös", sagte Gruhne, der einen kleinen Nachteil bei der Medaillenjagd sieht: "Das Rennen hat natürlich Kraft gekostet, die hätten wir uns gerne gespart."

(sid)
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