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Weitere Goldmedaille möglich
Werths Olympia-Mission ist noch nicht vorbei

Olympia 2016: Die Olympia-Mission von Isabell Werth ist noch nicht vorbei
Isabell Werth will noch nicht an Tokio 2020 denken. FOTO: dpa, faz moa
Rio de Janeiro. Sie weiß, dass sie "im letzten Drittel" ihrer Karriere ist, doch "ein paar Tage" will Isabell Werth schon noch weitermachen.

Michael Vesper landete mit einem lauten Klatscher im Pool des Deutschen Hauses in Rio, und Isabell Werth verlor jegliche Contenance. "Ich kann nicht glauben, dass das gerade passiert ist", sagte die erfolgreichste Reiterin der Olympia-Geschichte und kriegte sich beim Anblick des pudelnassen Chef de Mission einfach nicht mehr ein.

Isabell Werth hat allen Grund zur Freude, die Goldmedaille der deutschen Dressur-Equipe trägt vor allem ihren Namen. Mit ihrer eher zierlichen Stute Weihegold zauberte Werth einen nahezu perfekten Grand Prix Special in das olympische Viereck. "Ja, das war dicht an der Perfektion", sagte sie, "sicher die beste Performance, die Weihegold und ich zusammen erreicht haben."

Was das neue Traumpaar der deutschen Dressur in Zukunft noch gemeinsam erreichen wird, ließ Werth am Freitag zumindest ein bisschen offen. "Nein", versicherte sie energisch, "an Tokio 2020 denke ich wirklich noch nicht, jetzt denke ich nur an Rio." Dort gilt es schließlich am Montag auch noch einen Job zu erledigen, in der Einzelentscheidung ist Isabell Werth nach der Leistung im Special eine ganz klare Medaillen- wenn nicht sogar Goldkandidatin.

Sechs Mal Olympia-Gold

Dieser allgemeinen Einschätzung wollte sich die mit insgesamt neun olympischen Medaillen - davon sechs goldenen - dekorierte Reiterin jedoch absolut nicht anschließen: "Wenn Weihegold diese Leistung aus dem Special drei Tage später noch einmal abrufen könnte, wäre das ja fast nicht auszudenken."

Wenn es aber jemand schafft, die erst elfjährige Stute ein zweites Mal dorthin zu führen, wo Weihegold im Special war, dann ist es sicher Isabell Werth. Die 47-Jährige, die mit dem Mannschaftsgold von Rio in der ewigen Olympia-Rangliste den 1999 verstorbenen Reiner Klimke überflügelte, gilt als Genius im Sattel.

Seit ihrem ersten Olympiasieg 1992 in Barcelona mit der Mannschaft hat sie immer wieder Nachwuchspferde auf internationales Topniveau gezogen. "Es ist und bleibt mein Credo, junge Pferde auszubilden, statt fertige zu übernehmen", sagt sie. Es sei wichtig, den vierbeinigen Nachwuchs heranzuziehen, weil "der Erfolg der Etablierten oft von heute auf morgen nichts mehr wert ist".

Isabell Werth, Mutter eines sechsjährigen Sohnes, weiß sehr genau, dass "ich mich im letzten Drittel meiner Karriere befinde". Deshalb will sie sich in aller Ruhe über Tokio und die Zeit bis dahin Gedanken machen. "Ein paar Tage werden es schon noch sein", sagt sie und weist wie so oft darauf hin, dass "wir Reiter ja völlig abhängig von unseren Pferden sind. Ohne unsere Pferde sind wir Fußgänger."

Sie habe aber keinesfalls vor, ihre Karriere heute oder morgen zu beenden: "Solange ich gute Pferde habe, werde ich schon weiterreiten." Gute Pferde hat Isabell Werth immer gehabt. Kein Wunder, sie macht sie sich ja selbst.

(ems/sid)
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