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Zuletzt 1932 ohne Medaille
DSV-Schwimmer erleben historisches Olympia-Debakel

Olympia 2016: DSV-Schwimmer erleben historisches Olympia-Debakel
FOTO: dpa, nic
Rio de Janeiro. Auch an der Copacabana gab es kein Edelmetall: Die deutschen Schwimmer fliegen erstmals seit 84 Jahren ohne Medaille von Olympischen Spielen nach Hause.

Thomas Lurz drückte daheim vergeblich die Daumen, als an der Copacabana auch die letzte Hoffnung auf eine Olympia-Medaille unterging. "Es war nicht leicht, beim Rennen zuzuschauen", sagte der Freiwasser-Rekordweltmeister. In Peking und London hatte der Würzburger noch selbst mit Bronze und Silber die Bilanz aufpoliert - ohne ihn gab es in Rio de Janeiro ein historisches Debakel: Erstmals seit 84 Jahren fliegen die deutschen Schwimmer ohne Edelmetall von Olympischen Spielen nach Hause.

Am berühmtesten Strand der Welt schwamm auch Christian Reichert als Neunter über zehn Kilometer am Podest vorbei. Nachdem im Schwimmstadion von Rio bereits Weltmeister Marco Koch und Co. ihre Medaillen-Nullnummer von 2012 wiederholt hatten, gingen zum ersten Mal auch die Langstreckenschwimmer leer aus. "Es ist Zeit, etwas zu ändern", meinte Lurz, der im vergangenen Jahr nach zwölf WM-Titeln zurückgetreten war: "Nicht mehr reden, sondern härter arbeiten ist notwendig - auf das Wesentliche konzentrieren und Gas geben."

Reichert fordert Konsequenzen

Im Deutschen Schwimm-Verband (DSV) forderte der 36-Jährige grundlegende Konsequenzen: "Wir müssen die Verbandsorganisation schlank machen und die Ressourcen den Athleten und den Trainern, die mit ihnen arbeiten, direkt geben."

Nur 2,7 Sekunden hatten im Schatten des Zuckerhuts zur ersten deutschen Schwimmmedaille in Rio im letzten Versuch gefehlt. Reichert war im Schlussspurt nicht mehr nach vorne gekommen. "Ich hing an der letzten Boje fest", sagte der 31-Jährige: "Eigentlich hatte ich mehr drauf." Gold ging an den niederländischen Europameister Ferry Weertman vor dem griechischen WM-Dritten Spiros Gianniotis und dem Franzosen Marc-Antoine Olivier. Tags zuvor war Isabelle Härle, die zusammen mit Reichert 2015 WM-Gold im Team gewonnen hatte, Sechste geworden.

Beim letzten Freiwasserrennen am Traumstrand wurde der einstige Vorschwimmer Lurz schmerzhaft vermisst. "Er ist ein Kämpfer, er hat den anderen immer viel Angst eingejagt", meinte DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow, "ich bin ein bisschen traurig, dass er nicht mehr dabei ist".

Reichert, der sich erst im zweiten Anlauf für Olympia qualifiziert hatte, schwamm zunächst wie geplant im hinteren Teil des Feldes. Der Australier Jarrod Poort hatte mit einer frühen Attacke die Favoriten um London-Olympiasieger Oussama Mellouli (Tunesien) überrascht und zwischenzeitlich einen Vorsprung von mehr als einer Minute herausgeholt. 15 Minuten vor dem Rennende wurde er aber vom Feld eingeholt.

Reichert, Weltcupsieger 2015, hatte sich "hohe Wellen und kaltes Wasser" gewünscht. Doch die Bedingungen an der Copacabana vor Hunderten Zuschauern in Badehose und Bikini waren ähnlich wie tags zuvor beim Frauenrennen. Zwar hatte der Wind aufgefrischt, doch die Wellen beeinträchtigten die Schwimmer kaum. "Es war sehr, sehr flach", meinte Reichert, "und das Wasser war megawarm".

Bereits mit dem Start an der Copacabana hatte sich der Wiesbadener seinen größten Traum erfüllt. "Es ist das, was mir noch gefehlt hat", sagte Reichert, der Olympia 2012 unglücklich verpasst hatte: "Da bin ich am Ziel vorbeigeschwommen. Vier Jahre lang habe ich mir immer gesagt: Du schaffst es, egal was kommt."

(sb/sid)
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