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Krause und Heidler verpassen Medaille
Geplatzte Träume

Bilder: Krause läuft deutschen Rekord - und wird Sechste
Bilder: Krause läuft deutschen Rekord - und wird Sechste FOTO: dpa, nic
Rio De Janeiro. Hammerwerferin Betty Heidler steht kurz auf dem Bronzeplatz, Gesa Felicitas Krause läuft über 3000 m Hindernis deutschen Rekord – Medaillen gibt es für die beiden Frankfurter Klubkameradinnen nicht. Von Stefan Klüttermann

Wie geht man damit um, wenn man soeben ein großes Ziel erreicht hat, aber dennoch ein großer Traum geplatzt ist? Diesem Widerspruch ihres Sports musste sich Gesa Felicitas Krause gestern Mittag im sonnenüberfluteten Olympiastadion von Rio nach ihrem Lauf über 3000 Meter Hindernis stellen. 9:18,41 Minuten war die 24-Jährige gelaufen - deutscher Rekord. Aber mit der erträumten Medaille ist es für die WM-Dritte des Vorjahres eben nichts geworden. Am Ende stand Platz sechs.

"Das Ziel war der Rekord, der Traum war eine Medaille. Und ich glaube, man muss mit Träumen in so ein Rennen gehen, denn wenn man nur froh ist, dabei zu sein, ist das vielleicht der olympische Gedanke. Aber wenn man sein ganzes Leben dem Sport unterordnet, hat man natürlich größere Träume", sagte eine gewohnt selbstkritische Krause. Es war ein Rennen, das die spätere Siegerin, Ruth Jebet, eine für Bahrain startende Kenianerin, viel zu früh forciert hatte, als dass die Deutsche den Anschluss lange hätte halten können. Und das nagte an ihr, das war an ihrem Gesicht ablesbar, als sie dastand im Bauch der Arena. Voriges Jahr bei der WM in Peking, als die Sportstudentin sensationell Bronze geholt hatte, war das Rennen langsamer gewesen, und Krause hatte ihre Spurtqualitäten ausspielen können. "Ich weiß, dass in meinen Beinen noch mehr steckt, das hätte ich auch gerne gezeigt", sagte die Sportsoldatin aus Frankfurt und lächelte. Gequält.

Doch ein gequälter Blick passt eigentlich gar nicht zu Krause. Nicht zu den jüngsten Erfolgen (WM-Bronze, EM-Titel im Juli in Amsterdam), und er passt schon gar nicht zu den Aussichten, die sie hat. Denn sie ist auf dem besten Wege, auf Jahre das neue Gesicht der deutschen Leichtathletik zu sein. Sie ist jung, sie kann sich artikulieren, sie kann sich verkaufen, und sie kann international mithalten - perfekte Voraussetzungen für die Vorzeigerolle. Und so sind die nächsten Ziele klar umrissen: WM 2017 in London, dann die Heim-EM 2018 in Berlin, und dann Olympia 2020 in Tokio. "Bis Tokio mache ich auf jeden Fall weiter, und vielleicht nicht nur bis Tokio", sagte Krause.

Krause ist zum Gesicht ihrer Sportart geworden

Über Tokio, ja nicht mal über London und Berlin muss sich derweil Betty Heidler großartig Gedanken machen. Denn der olympische Wettkampf an diesem Morgen war der letzte große für die Hammerwerferin, die über Jahre eben das war, was Krause werden dürfte: ein Gesicht ihrer Sportart. Es hat nicht viel gefehlt, und die Bundespolizistin wäre mit Bronze abgetreten, doch die Britin Sophie Hitchon (74,54 Meter) verdrängte die Weltmeisterin von 2007 und Olympiadritte von London noch auf den ungeliebten vierten Rang (73,71). Aber wo ihre Frankfurter Vereinskollegin Krause haderte, war Heidler, der bekannteste Rotschopf ihrer Sportart, mit sich im Reinen. "Klar, ich hätte glücklicher sein können, aber ich bin auch so glücklich. Das ist hier ja kein Wald- und Wiesen-Sportfest, das sind die Olympischen Spiele. Ich gehe mit einem guten Gefühl nach Hause", sagte Heidler. Olympiasiegerin wurde die haushohe Favoritin Anita Wlodarczyk aus Polen, die mit 82,29 Metern einen neuen Weltrekord aufstellte.

Für Heidler schloss sich währenddessen hier am Zuckerhut ein Kreis, denn schon bei ihrer ersten Olympiateilnahme 2004 in Athen war sie Vierte gewesen. In den vergangenen zwölf Jahren hatten die Hoffnungen auf deutsche Medaillen immer wieder auch auf ihr geruht - ruhen müssen, weil es Zeiten gab, als im Prinzip nur die Werfer international konkurrenzfähig waren.

Nicht immer konnte sie diese Hoffnungen erfüllen, aber sie hielt in diesen mageren Jahren zumindest das Interesse an der Leichtathletik maßgeblich mit am Leben. Nun, da jüngere Talente wieder da sind, Talente wie Krause, da kann sie beruhigt zurücktreten. Ein Rücktritt mit 32. Ungewöhnlich? "Nein, es gibt so viele schöne Dinge im Leben, die ich jetzt erleben möchte", sagte Heidler. Zwei Wettkämpfe macht sie noch, einen in Warschau und einen auf Borkum. Dann ist Schluss. Dann muss eine andere das Gesicht der deutschen Leichtathletik werden. Eine wie Krause.

Quelle: RP
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