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"Es gibt Handlungsbedarf"
Gold-Endspurt versöhnt Olympia-Team nur bedingt

Die besten Sprüche der Sommerspiele in Rio
Die besten Sprüche der Sommerspiele in Rio
Rio de Janeiro. Medaillenziel knapp verfehlt, aber mit einem starken Endspurt die Bilanz gerettet: Die XXXI. Olympischen Spiele brachten für den deutschen Sport Licht und Schatten.

"Wenn wir es rein auf den Medaillenspiegel projizieren, dann können wir mit dem Ergebnis absolut zufrieden sein", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, der Deutschen Presse-Agentur. Den einzelnen Sportverbänden drohen nach teils großen Enttäuschungen in Rio de Janeiro jedoch harte Konsequenzen.

"Wir haben Verbände wie Schwimmen, Leichtathletik, die Radfahrer, die die Ziele klar und deutlich verfehlt haben", kritisierte Hörmann. Darüber konnten auch die drei Gold-Medaillen kurz vor Schluss nicht mehr hinwegtäuschen. "Es gibt Handlungsbedarf", kündigte Hörmann an. "Man muss gemeinsam analysieren, warum stehen wir da. Dort, wo keinerlei Medaillen erreicht wurden, beispielsweise im Schwimmen, stellt sich natürlich die Frage, wie schaffen wir es?" 44 Medaillen hatte der DOSB als Ziel ausgegeben, 42 waren es am Ende.

Über 50 Prozent mehr Gold als in London

Insgesamt 17 Goldene waren darunter – eine starke Ausbeute, die Deutschland Rang fünf im Medaillenspiegel bringt. "50 Prozent mehr Gold als in London ist nicht so schlecht", sagte Hörman. "Mit dem Schicksal würden manche gerne tauschen."

Der DOSB-Präsident hatte bereits zur Halbzeit der Spiele angekündigt, dass das Medaillenziel von 44 Mal Edelmetall verfehlt werde und harte Konsequenzen insbesondere für einzelne Verbände angekündigt. "Ein Weiter so kann und darf es nicht geben", sagte er damals. Nun musste er sogar Chef de Mission Michael Vesper gratulieren, der – im Nachhinein zurecht – 16 Mal Gold prognostiziert hatte, "als viele – inklusive mir – nicht mehr dran geglaubt haben".

Trotz des starken Schlussspurts müssen laut Hörmann die grundlegenden Probleme im deutschen Sport nun angegangen werden. "Wir haben gesagt, fünf oder zehn Medaillen mehr oder weniger werden jetzt nichts Entscheidendes an der Reform ändern", erklärte Hörmann. Die Leistungssportreform hat der DOSB bereits auf den Weg gebracht, sie soll nach Angaben von Sportchef Dirk Schimmelpfennig bis Anfang 2018 weitgehend umgesetzt sein.

Die Spiele in Tokio 2020 sind demnach nur eine Zwischenstation, Ziel sei, dass die Reform von 2024 an greift. "Wenn man über Reformbedarf und Neuaufstellung diskutiert, dann ist da schon eher der mittelfristige Charakter, und da würde ich 2024 und 2028 eher im Vordergrund sehen", sagte Hörmann. Schimmelpfennig forderte: "Wir müssen versuchen, uns in Zukunft breiter aufzustellen, um mehr Möglichkeiten zu haben."

Verbände müssen Strukturen garantieren

Mit Kritik sparte Schimmelpfennig schon vor der ausführlichen Analyse im September nicht. DOSB und Bundesinnenministerium müssten "stärker in der Förderung darauf achten, dass Verbände, die eine entsprechende Struktur garantieren (...), eben anders unterstützt werden, als Verbände, die das nicht sicherstellen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Der Sportchef kündigte bei einigen Kernsportarten empfindliche Einschnitte und bessere Kontrollen an.

Hörmann kritisierte vor allem Radfahrer, Leichtathleten und Schwimmer für ihr enttäuschendes Abschneiden in Rio. "Zumal das ja nicht das erste Mal der Fall ist, dass die Bilanz eine relativ unerfreuliche ist", erklärte er mit Blick auf die Schwimmer. "In dem Fall müssen wir einfach gemeinsam diskutieren, was muss im Verband passieren, was muss in Stützpunkten geschehen." Auch Judokas oder Fechter hätten ihre Ziele verfehlt. "Wir haben zweifelsohne einige Sorgenkinder, wo es unter Umständen tiefgreifende Reformen erfordert."

Bis zum 30. September soll laut Schimmelpfennig die Analyse der einzelnen Verbände vorliegen. Zudem gibt es ein Olympia-Zeugnis vom Institut für Angewandte Trainingswissenschaften (IAT). Erste Zielvereinbarungsgespräche werde es Anfang 2017 geben. Die künftige Förderung und Strukturen werden spätestens Anfang Oktober zwischen DOSB, Verbänden und Bundesinnenministerium diskutiert.

(dpa)
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