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Viermal Edelmetall
Goldener Tag für die Kanuten – und Brendel darf die Fahne tragen

Brendel/Vandrey siegen dank starkem Schlussspurt
Brendel/Vandrey siegen dank starkem Schlussspurt FOTO: dpa, kno
Rio de Janeiro. Was für ein Abschluss für die deutschen Renn-Kanuten! Am letzten Tag der Regatta regnet es Medaillen. Zweimal stehen die deutschen Athleten sogar ganz oben auf dem Treppchen.

Zweimal Gold, einmal Silber, einmal Bronze: Angeführt von Kanu-König Sebastian Brendel hat die deutsche Flotte zum Abschluss der olympischen Regatta noch einmal kräftig abgeräumt. Brendel holte nach seinem Olympiasieg im Canadier-Einer mit Jan Vandrey im Zweier erneut Gold. Der Kajak-Vierer der Männer war auf der Lagoa Rodrigo de Freitas ebenfalls nicht zu schlagen. Der K4 der Frauen paddelte zu Silber, Ronald Rauhe krönte seine lange Karriere mit Bronze im Kajak-Einer über 200 m.

"Das ist eine Wahnsinns-Truppe. Ich bin so stolz auf sie", sagte der scheidende Cheftrainer Reiner Kießler. Mit vier Gold-, zwei Silber- und einer Bronzemedaille in den zwölf Disziplinen übertraf der Deutsche Kanu-Verband (DKV) sein ohnehin schon hohes Ziel von sechs Medaillen. "Etwas Schöneres habe ich noch nicht erlebt", sagte ein sichtlich bewegter Kießler. Es ist das beste Abschneiden der Kanuten seit den Sommerspielen 2004 in Athen (4-3-0).

Brendel und Vandrey kommen unverhofft zu Gold

Einen großen Anteil am Erfolg hatte Brendel, der die deutsche Fahne bei der Schlussfeier am Sonntag im Maracana-Stadion trägt. Der Canadier-Zweier konnte nur an den Start gehen, da das weißrussische Männerteam wegen Dopings komplett ausgeschlossen wurde.

Brendel/Vandrey (beide Potsdam) saßen in dieser Saison nur beim Weltcup in Racice/Tschechien gemeinsam im Boot. "Daher ist es eine ganz besondere Geschichte", sagte Brendel: "Was wir in dieser kurzen Zeit verbracht haben, ist sensationell." Nach ihrer grandiosen Goldfahrt mit einem fantastischen Schlussspurt zog Vandrey den Hut vor Vorzeige-Athlet Brendel: "Ich hatte einfach einen großen Sportler an meiner Seite."

Hoff weint bei Siegerehrung

Vier große Sportler saßen auch im Kajak-Vierer beim überlegenen Sieg nach 1000 m vor Weltmeister Slowakei. "Ich bin so unendlich dankbar und kann gar nicht mehr aufhören zu heulen. Ich war unheimlich enttäuscht nach dem Einer, das ist einfach nur ein Traum", sagte Max Hoff (Essen), der auch bei der emotionalen Siegerehrung die Tränen nicht zurückhalten konnte.

Neben Hoff saßen Max Rendschmidt (Essen), Tom Liebscher (Dresden) und Marcus Groß (Berlin) im Flaggschiff. Für Rendschmidt/Groß war es nach dem Olympiasieg im Kajak-Zweier bereits die zweite Goldmedaille in Rio. "Jetzt können wir zusammen feiern und haben doppelt so viel Spaß wie im Zweier", sagte Rendschmidt.

Weiteres Edelmetall durch Kajak-Vierer der Frauen und Rauhe

Feiern wird auch der Kajak-Vierer der Frauen nach Rang zwei. Sabrina Hering (Hannover), Franziska Weber (Potsdam), Steffi Kriegerstein (Dresden) und Tina Dietze (Leipzig) mussten sich nur Ungarn geschlagen geben. "Ich bin super glücklich, muss aber auch gestehen, jetzt ist der Akku wirklich leer", sagte Weber, die mit Dietze schon Silber im K2 gewonnen hatte.

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle erlebte Ronald Rauhe. Nach seinem Rennen blinkte zunächst die 4 vor seinem Namen auf. Das Ergebnis wurde aber korrigiert und bei seinem letzten Olympiastart teilte sich Rauhe Bronze mit dem Spanier Raul Craviotto. "Ich hatte es mir so gewünscht. Ich habe meinen Namen zuerst nur auf der Vier gesehen und war einfach traurig. Das war natürlich eine kleine Emotionsachterbahn", sagte Rauhe nach seiner vierten olympischen Medaille.

Wie groß der Teamgedanke bei den Kanuten ist, zeigte sich im Anschluss. Rauhe verfolgte gebannt das Rennen des Vierers und stürmte danach auf den Steg, um jeden Sportler zu umarmen. Die Kanu-Party konnte beginnen.

(areh/sid/dpa)
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