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Handballer wollen jetzt Bronze
Halbfinal-Drama für die "Sad Boys" keine Endstation

Hängende Köpfe bei Handballern nach Halbfinale
Hängende Köpfe bei Handballern nach Halbfinale FOTO: dpa, hpl
Rio de Janeiro. Nach der schmerzhaften Niederlage im Halbfinal-Krimi gegen Frankreich nehmen die Handballer Bronze ins Visier. "Es hilft jetzt nicht, zu jammern", sagt Bundestrainer Sigurdsson.

Die spontane Kabinenparty von Nikola Karabatic und Co. war in vollem Gange, da scharte Dagur Sigurdsson seine "Sad Boys" um sich und schwor sie auf ihre letzte Schlacht von Rio ein. Nachdem der Traum von Olympia-Gold auf so dramatische Weise geplatzt ist, soll die Bronzemedaille die Schmerzen lindern.

"Unser Leben geht weiter", sagte Sigurdsson. Der Bundestrainer wahrte nach dem verrückten Halbfinal-Krimi gegen Top-Favorit Frankreich (28:29) Fassung - und lenkte den Blick als einer der ersten auf das Spiel um Platz drei am Sonntag (10.30 Uhr OZ/15.30 Uhr MESZ) gegen den WM-Dritten Polen.

Erste Medaille seit 2004?

"Es ist enttäuschend, aber es hilft jetzt nicht, zu jammern oder ein Drama daraus zu machen. Wir müssen das schnell abhaken und uns bestens vorbereiten", sagte Sigurdsson. Seine Mannschaft sei weiterhin "hungrig". Und das werde man am Sonntag sehen. "Das ist keine Endstation. Alle wollen die Medaille", sagte der Isländer. Als "Trostpreis" winkt dem Europameister immerhin das erste olympische Edelmetall seit Silber 2004 in Athen.

Die Spieler um ihren überragenden Kapitän Uwe Gensheimer (elf Tore) vernahmen die Worte ihres Trainers, doch das so knapp verpasste Finale hatte seine Spuren hinterlassen. Die selbst ernannten Bad Boys waren zunächst zu Sad Boys geworden. "Wir haben uns selbst um die Belohnung gebracht", sagte Reichmann mit Tränen in den Augen.

Gensheimer forderte: "Wir müssen jetzt in die Köpfe bekommen, dass wir noch die Chance auf Bronze haben." Doch Gestik und Mimik verrieten deutlich mehr über das Innenleben des Linksaußen. Gensheimer wusste: So schnell kommt die Chance auf den ersten deutschen Olympiasieg seit dem DDR-Gold von 1980 nicht wieder.

Die Winzigkeit von drei Sekunden hatte der deutschen Mannschaft zur Verlängerung gefehlt, die schier unglaubliche Aufholjagd wurde am Ende nicht belohnt. Mit unbändigem Willen, großer Moral und ganz viel Leidenschaft hatte das Team einen Sieben-Tore-Rückstand wettgemacht, doch der Ex-Kieler Daniel Narcisse zerstörte mit seinem siebten Treffer den Traum vom Sturm auf den Olymp.

"Jetzt geht es darum, die Enttäuschung schnell in positive Gefühle umzuwandeln", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Ungeachtet der Niederlage habe das Spiel "uns noch ein Stückchen stärker gemacht". Allerdings: Vor der grandiosen Aufholjagd zeigte die Auswahl ausgerechnet im wichtigsten Spiel lange Zeit ihre schlechteste Turnierleistung.

Deutscher Angriff verzweifelt an Omeyer

Vor allem in Sachen Abgezocktheit bekamen die Olympia-Grünschnäbel von den ausgebufften Franzosen eine 40-minütige Lehrstunde. Die zuletzt hoch gelobte Abwehr bekam die zweikampfstarken Weltmeister nicht in den Griff und kam kaum in den Tempogegenstoß, vorne scheiterten die Deutschen wahlweise an den eigenen Nerven - oder an Torwart-Ikone Thierry Omeyer. "Wir müssen uns nicht schämen", sagte Sigurdsson und lobte lieber das "fantastische Comeback". Seine Spieler hätten nach dem hohen Rückstand einen "Riesencharakter" gezeigt.

Und so fanden auch die Spieler mit jeder Minute Abstand ein Stück Kampfgeist zurück. "Wir wissen, dass es jetzt noch um die Medaillen geht", sagte Reichmann, als seine Tränen getrocknet waren: "Wenn angepfiffen wird, werden wir alles geben." Die Erinnerungen an Polen sind gut: In der Vorrunde hatte das deutsche Team gegen den Nachbarn 32:29 gewonnen.

(sid)
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