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Beachvolleyballerin Laura Ludwig
Das goldene Ende einer langen Reise?

Ludwig und Walkenhorst bejubeln Finaleinzug mit Fans
Ludwig und Walkenhorst bejubeln Finaleinzug mit Fans FOTO: dpa, nic
Rio de Janeiro/Düsseldorf. Laura Ludwig ist seit Jahren Deutschlands beste Beachvolleyballerin. Die 30 Jahre alte Berlinerin hatte vor den Spielen in Rio noch ein großes sportliches Ziel: eine olympische Medaille. Jetzt greift sie mit Kira Walkenhorst nach Gold. Von Patrick Scherer

Es gibt sie, diese Titel, die bereits vorab vergeben scheinen. Im Fußball zum Beispiel. In der Bundesliga von einem Meisterschaftskampf zu sprechen, scheint angesichts der Überlegenheit des FC Bayern München maßlos übertrieben. Noch langweiliger geht es im Beachvolleyball zu.

Auf die Frage, wer deutsche Beachvolleyballerin des Jahres wird, gab es seit 2009 sieben Mal nur eine Antwort: Laura Ludwig. Sie ist die deutsche Vorzeigesportlerin in ihrem Fachgebiet. Die 30-Jährige kann sechs deutsche Meistertitel vorzeigen, wurde viermal Europameisterin. Was ihr bisher aber fehlte: eine Medaille bei Olympischen Spielen. Jetzt hat die Berlinerin Silber sicher, kämpft mit ihrer Partnerin Kira Walkenhorst am frühen Donnerstagmorgen (5 Uhr, MESZ) um den Sieg im Finale in Rio. Es soll das goldene Ende einer langen Reise werden.

Nackte "Tatsachen" – Beachvolleyball zensiert FOTO: afp/rp

"Kann mich mal jemand zwicken?", fragt Ludwig nach dem Einzug ins Endspiel. Dass sie dieses Ziel erreicht hat, verdankt sie vor allem ihrem Durchhaltevermögen. Acht Jahre feiert Ludwig ihre Erfolge zusammen mit Sara Goller. Einzig bei Olympischen Spielen gibt es kaum Grund zur Freude. Platz neun 2008, Platz fünf 2012. Im September 2012 endet die Liaison. Nach einem enttäuschenden siebten Platz bei den Deutschen Meisterschaften tritt Goller zurück. Ludwig muss sich neu orientieren. Die Abwehrspezialistin begibt sich auf die Suche nach einer blockstarken Frau. Schließlich findet sie die fünf Jahre jüngere Kira Walkenhorst.

Beide legen sofort ein klares Ziel fest, dem sie alles unterordnen: eine Medaille in Rio 2016. Zusammen werden sie immer professioneller, gewinnen ihre ersten Turniere. Wichtigster Baustein im Team: Trainer Jürgen Wagner, der 2012 in London Julius Brink und Jonas Reckermann zu Gold führte. Scouts analysieren fortan ihre Gegnerinnen. Alles läuft nach Plan – bis 2014. Walkenhorst erkrankt am Pfeifferschen Drüsenfieber, muss die Saison vorzeitig beenden.

Ludwig bringt die Spielzeit mit Julia Sude zu Ende. Nach beschwerlichen Monaten kämpft sich Walkenhorst zurück, schöpft neuen Mut. Doch eine Knie-OP stoppt die Hoffnung jäh. Sogar das Karriere-Ende droht. Die Zweifel zerschlagen sich aber im August 2015. Der erste von zwei Europameistertiteln bringt Ludwig/Walkenhorst wieder in die Spur. Auch das Geld fließt. Auf einer professionell vermarkteten globalen Profitour verdienen die Beachvolleyballerinnen gut. Sein höchstes Preisgeld gewinnt das Duo im Finale der World Tour in Florida im vergangenen Oktober mit 60.000 Dollar. Das Endspiel verlieren sie gegen Larissa und Talita.

So sexy ist Beachvolleyball in Rio FOTO: afp

An der Copacabana treffen Ludwig/Walkenhorst die beiden Brasilianerinnen wieder. Am Dienstag, im Halbfinale der olympischen Spiele. Dort kämpfen sie nicht nur für ihren Traum, sondern auch gegen das Publikum. 10.000 Zuschauer unterstützen naturgemäß die topgesetzten Lokalmatadore, buhen Ludwig/Walkenhorst gnadenlos aus. Nervosität? Fehlanzeige. Bedurfte es noch eines Beweises ihrer mentalen Stärke, die Deutschen liefern ihn.

Nur 38 Minuten brauchen Ludwig/Walkenhorst, um in außergewöhnlich dominanter Weise die Arena zum Verstummen zu bringen. Ludwig, der aufgrund ihrer sympathisch flapsig geführten Interviews eine Ähnlichkeit mit Fußball-Nationalspieler Thomas Müller attestiert wird, versprach für das Finale "einfach wieder Vollgas". Erneut wird das Publikum die Gegnerinnen unterstützen: das brasilianische Team Agatha/Barbara. "Wir werden nichts anders machen als sonst", sagt Walkenhorst. Egal, ob es dann Silber oder Gold wird, diese Aussage wird wohl auch für die Wahl zur Beachvolleyballerin des Jahres 2016 gelten.

Die heißesten Sportlerinnen und Sportler FOTO: dpa, th dc nic
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