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"Legende" verhindert zweites Gold
Schöneborns Olympia-Karriere "zu 90 Prozent" beendet

"Legende" beendet Schöneborns Medaillentraum
"Legende" beendet Schöneborns Medaillentraum FOTO: afp
Lena Schöneborn ist in Rio de Janeiro auf tragische Weise ohne Medaille geblieben. Nach drei Teilnahmen ist ihre olympische Karriere mit großer Wahrscheinlichkeit beendet.

Schöneborn nahm das Wort Rücktritt nicht in den Mund, doch tief im Herzen spürte sie, dass der bislang prägendste Abschnitt ihres Lebens gerade zu Ende gegangen war. "Irgendwann muss man mit seinem Leben mal etwas anderes anfangen. Ich kann auf diesem Niveau nicht Sport betreiben, bis ich 60 Jahre alt bin", sagte Deutschlands beste Moderne Fünfkämpferin nach ihrer tragischen Pleite bei den Olympischen Spielen in Rio.

Schöneborns Leben ist seit dem Jugendalter dem Sport gewidmet. Vor Rio hatte sich die inzwischen 30-Jährige vier Jahre auf diesen einen Wettkampf vorbereitet, die Weltmeisterin und Peking-Olympiasiegerin trat im Job kürzer und ordnete alles dem Ziel Gold unter – vergebens. Am Ende belegte Schöneborn, die im Erfolgsjahr 2016 zuvor immer auf dem Podest gestanden hatte, den 32. Platz. Es war ein Debakel.

Schuld an der Misere hatte "Legende", die bockige Fuchsstute, die all die Arbeit und Entbehrungen in nur wenigen Sekunden zunichte machte. Schöneborn rollte genervt die Augen, als sie auf das Tier angesprochen wurde, dem in der Fünfkampfarena in Deodoro partout nicht nach Springen war. "Es war nicht ehrlich, da bin ich sauer", sagte Schöneborn über das Pferd. Legende habe die Verweigerungen vor dem Sprung nicht angekündigt, sondern Sprungbereitschaft signalisiert.

Legende. Dass Schöneborns Schicksalspferd ausgerechnet diesen Namen trug, war Ironie der Geschichte. Denn zu eben jener wäre Schöneborn mit dem erhofften zweiten Gold endgültig aufgestiegen - einer Fünfkämpferin ist dies noch nie gelungen. Doch auf der Anzeigetafel leuchteten null Punkte auf, es flossen Tränen. "Null Punkte hatte ich vielleicht mal vor acht Jahren. Schlimmer geht nimmer", sagte die Wahl-Berlinerin.

Schöneborns Olympia-Laufbahn bleibt nach der Tragik von Rio geprägt vom Karriere-Hoch in Peking, aber auch einigen Tiefen. Bei den Spielen in London 2012 war der Druck enorm, die Erwartungen an sich selbst nicht minder groß. Doch Schöneborn scheiterte, belegte am Ende nur den 15. Rang. In Rio sollte alles anders werden – doch es kam noch schlimmer.

Einen weiteren Anlauf in Tokio 2020 wird es nicht geben, davon ist auszugehen. "Zu 90 Prozent", sagte Schöneborn, werde sie in Japan nicht mehr starten: "Stand heute würde ich es eher ausschließen, als dass es passiert." Sie wolle mit dem Wettkampf in Rio zwar nicht abtreten, "aber vier Jahre sind eine lange Zeit. Wenn ich irgendwo anders mal Fuß fassen will, muss ich irgendwann mal damit anfangen."

Annika Schleu bleibt Bundestrainerin Kim Raisner erhalten. Die 26-Jährige überzeugte am Freitag als Fünftplatzierte - und strebt mit Blick auf Tokio nach mehr. "Wenn mein Körper mitmacht, habe ich vor, vier Jahre dranzuhängen. Dann sind Medaillen das Ziel", sagte sie.

(sid)
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