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Anna und Lisa Hahner
Marathon-Zwillinge polarisieren mit ihrer Marketing-Strategie

Rio de Janeiro. Die Hahner-Zwillinge Anna und Lisa starten am Sonntag im Marathon. Dank konsequenter Marketing-Strategie gehören sie zu den bekanntesten deutschen Leichtathleten. Im Verband werden sie deswegen kritisch gesehen.

Sonne, olympisches Flair und die eiskalte Tropenleckerei Acai: Anna und Lisa Hahner genossen vor der großen Quälerei ausgiebig die Annehmlichkeiten von Rio de Janeiro. "Das ist der Traum, den wir gemeinsam gelebt haben, jetzt können wir ihn erleben", sagt Anna Hahner, die gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester am Sonntagmorgen im Marathon startet.

Medaillenchancen haben die schnellsten Zwillinge Deutschlands über die klassische 42,195-km-Distanz (9.30 Uhr Ortszeit/14.30 Uhr MESZ) keine. Und auch wenn die beiden nicht die Rolle der knuffigen Olympia-Touristinnen spielen wollen, gehen die beiden 26-Jährigen ihre olympische Premiere dennoch mit ihrer typischen Lockerheit an.

"Man kann völlig unbekümmert an der Startlinie stehen und einfach das Beste aus sich herausholen", sagt Anna Hahner. Auch Trainer Thomas Dold, weltweit erfolgreichster Rückwärts- und Treppenläufer, verweigert sich einer konkreten Zielvorgabe. "Das Wichtigste ist, dass sie am Ziel zufrieden und ein bisschen platt sind. Dann sind wir schon gut, sind sie auch extrem glücklich mit dem Ergebnis."

Anna und Lisa Hahner wissen, wie man sich in Szene setzt. FOTO: dpa, kno

Meisterinnen in Sachen Selbstvermarktung

Sicher, die Hahners sind mit Bestzeiten von 2:26:44 (Anna) und 2:28:39 Stunden (Lisa) keine Laufkundschaft. Im knüppelharten olympischen Ausscheidungsrennen geht es für sie aber vor allem um den Lerneffekt. Und den nächsten Schritt in Sachen Imagepflege: Die Hahners haben nicht nur den Marathon als Hochleistungssport in Deutschland populärer gemacht, sie sind auch Meisterinnen in Sachen Selbstvermarktung.

Die Hahners inszenieren sich als freche Gören, die nichts mit dem altbackenen, asketischen Marathon-Image zu tun haben. Sie tingeln von TV-Termin zu Werbeauftritt zu öffentlichem Vortrag. Zum olympischen Rennen hat ihr Management gleich drei Public Viewings organisiert. Das Leben der Hahners wird in professionellen Fotos festgehalten, diese im Tagesrhythmus via Facebook in die Welt geschickt. Das Thema Geldverdienen steht dabei nicht gerade im Hintergrund.

Im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), von dem sich die Zwillinge so weit wie möglich gelöst haben, sieht man die Hahners zunehmend kritisch. Die Leistung leide unter dem Kommerz, sagte Marathon-Bundestrainerin Katrin Dörre-Heinig. Ihr Mann Wolfgang Heinig hatte die Hahners als Heimtrainer betreut, ehe 2013 nach Differenzen über die Vermarktungs-Techniken der Zwillinge der Bruch kam. Im Vorjahr zugen die Schwester einen lukrativen Herbstmarathon dem WM-Start vor.

"Wir müssen irgendwie unseren Leistungssport finanzieren", entgegnet Anna Hahner auf die Kritik: "Wir bekommen null Euro Förderung vom Verband. Die Leistung ist das Wichtige. Das, was wir drumherum machen, nutzen wir, damit wir den Sport machen können." Lisa Hahner, wie ihre Schwester studierte Lehrerin, sagt: "Wir arbeiten auch. Und ich weiß, dass uns das nicht langsamer macht."

Die Hahners haben allerdings mit ihrem Konzept harte Konkurrenz bekommen: Estland schickt Liina, Lily und Leila Luik in den Rio-Marathon - Drillinge, blond, dauerlächelnd. Das Familienduell könnte ein Rennen für sich werden.

(sid)
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