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Golfer lebt Olympia-Traum
Kaymer ist sogar in der Kantine beeindruckt

Fotos: Das ist Martin Kaymer
Fotos: Das ist Martin Kaymer FOTO: AP
Rio de Janeiro. Martin Kaymer lebt seinen olympischen Traum – und ist tief beeindruckt von den Erlebnissen in Rio de Janeiro.

Wenn Martin Kaymer in diesen Tagen durch das Olympische Dorf schlendert, wähnt er sich offenbar im falschen Film. "Normalerweise bekommt man maximal zwei Teller auf das Tablett in der Mensa. Aber die Rugby-Spieler, die packen da vier oder fünf drauf", sagte Deutschlands Top-Golfer am Montag sichtlich beeindruckt.

Überhaupt scheinen es die muskelbepackten Sportler dem 31-Jährigen besonders angetan zu haben. Im Fitnessstudio beispielsweise fragt er sich beim Anblick der harten Männer, "ob wir Golfer überhaupt was machen oder einfach nur faul sind". Auch von den Leichtathleten, die "völlig problemlos das Bein über den Kopf schwingen", schwärmt Kaymer: "Da steckt so viel Disziplin dahinter, das ist unfassbar."

Schlaflos in Rio de Janeiro

Wahrscheinlich auch deshalb empfindet es der ehemalige Weltranglistenerste, der am Donnerstag in das Geschehen eingreifen und seine erste olympische Golf-Runde spielen wird, als riesige Ehre, in Rio dabei zu sein. Der Austausch mit anderen Sportlern, das Erleben unvergesslicher Momente – für Kaymer war es die goldrichtige Entscheidung, trotz der unklaren Sicherheitslage und der Zika-Gefahr, am Zuckerhut abzuschlagen.

"Wenn man abends im Bett liegt dauert es lange, bis man einschläft. Man hat einfach so viele Gedanken und schöne Momente im Kopf", sagte der Rheinländer. Besonders in Erinnerung bleiben wird ihm die Eröffnungsfeier, bei der er zusammen mit den anderen deutschen Athleten spontan die Nationalhymne anstimmte. "Da hatte ich schon fast Tränen in den Augen."

Am Donnerstag könnte es dann tatsächlich soweit sein, dass bei Kaymer die ein oder andere Träne fließen wird  eine Medaille vorausgesetzt. Die Chancen dazu stehen gut, da zahlreiche Konkurrenten aus diversen Gründen auf eine Olympia-Teilnahme verzichten. Obwohl das sportlich für Kaymer ein Vorteil ist, kritisiert er das Verhalten scharf.

Martin Kaymer vermutet faule Ausreden

"Es ist ganz, ganz, ganz schwer zu verstehen, wenn man beim größten Sportereignis der Welt nicht dabei sein will. Man kennt nur die offiziellen Erklärungen, aber ich denke, dass dies eine sehr angenehme Ausrede ist", sagte Kaymer. Der Nordire Rory McIlroy, einer der vier weltbesten Golfer, die alle in Rio nicht am Start sind, hatte seine Absage mit der Angst vor dem Zika-Virus begründet, jedoch zuvor seinen Urlaub auf Barbados verbracht, wo die Zika-Gefahr mindestens so hoch ist wie in Brasilien.

Kaymer selbst ist dagegen von Olympia überzeugt. "Ich bin froh, dass ich hier teilnehmen darf. Meinen Kollegen würde ich sagen, dass sie eines der schönsten Erlebnisse in unserem Sport verpassen", sagte Kaymer. Nicht zuletzt wegen der Erfahrungen im Olympischen Dorf.

(sid)
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