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Säbelfechter aus Dormagen
Keine Medaillen für Hartung und Szabo

Olympia 2016: Matyas Szabo und Max Hartung ziehen ins Achtelfinale ein
Matyas Szabo aus Dormagen FOTO: dpa, nic
Rio de Janeiro. Als die letzte deutsche Medaillenhoffnung Matyas Szabo knapp geschlagen die Planche in Rio verließ, war die historische Olympia-Pleite der deutschen Fechter perfekt.

Erstmals seit 44 Jahren holte die einstige deutsche Vorzeigesportart kein Edelmetall bei Sommerspielen - daran konnten auch die Säbelspezialisten Szabo und Max Hartung (beide Dormagen) nichts ändern.

Dabei stand die Tür zu einem Podestplatz weit offen. Der Weltmeister und Weltranglistenerste Alexej Jakimenko (Russland), der beiden Deutschen auf dem Weg zu einer Medaille hätte in die Quere kommen können, verlor überraschend in der ersten Runde. Sogar ein deutsches Viertelfinale schien möglich. Doch zunächst verlor Hartung im Achtelfinale gegen Vize-Weltmeister Daryl Homer 12:15, eine Runde später unterlag Szabo mit 12:15 ebenfalls dem US-Fechter. Zuletzt hatte es 1972 in München keine Olympia-Medaille für deutsche Fechter gegeben.

"Ich bin natürlich tief enttäuscht. Es hätte schon locker ins Halbfinale gehen können. Die Chance habe ich nicht genutzt. Das macht mich schon traurig", sagte Hartung und blickte mit einigen Sorgen in die Zukunft: "Wir müssen hart arbeiten. Im Säbel haben wir recht gute Karten für 2020, in den anderen Waffen muss viel passieren."

Tiefpunkt für Deutschen Fechter-Bund

Denn für den Deutschen Fechter-Bund (DFeB) ist das medaillenlose Abschneiden ein weiterer Tiefpunkt. Nach der desaströsen Olympiaqualifikation, in der fast alles schief ging, was schief gehen konnte, hatte der Verband zumindest auf eine Medaille gehofft. Obwohl lediglich vier Fechter, das kleinste Team seit 60 Jahren, in Rio teilnahmen. Auch Topstar und Peking-Olympiasiegerin Britta Heidemann hatte sich nicht für die Spiele qualifiziert.

Doch die "Schadensbegrenzung" blieb aus, nach dem Aus des viermaligen Einzel-Weltmeisters Peter Joppich (Koblenz) am Sonntag gab es auch am Mittwoch kein Edelmetall zu bejubeln. Zu allem Überfluss verletzte sich am Mittwoch Florettfechterin Carolin Golubytskyi bei ihrer Auftaktniederlage gegen die Polin Hanna Lyczbinska am Knie. Es droht ein Außenbandriss und eine lange Pause.

Das deutsche Fechten steht nun vor einem kompletten Neustart. Ohne tiefgreifende Reformen wird es die einstige deutsche Vorzeigesportart erst einmal nicht zurück in die Weltspitze schaffen. "Wir wissen ganz genau, was auf uns zukommt. Wir werden die Arschbacken zusammenkneifen", sagte Sportdirektor Sven Ressel.

Lange übertünchten die Erfolge einzelner Top-Athleten wie Heidemann oder Joppich die Probleme im deutschen Verband. Inzwischen sind die Deutschen von weiten Teilen der Topnationen abgehängt worden. "Wer ganz oben ist und dann tief fällt - das wird natürlich anders wahrgenommen. Wir sind immer mit Erfolg in Verbindung gebracht worden", sagte Ressel.

Doch es kamen hausgemachte Probleme hinzu. Lothar Blase wurde im Dezember 2014 zum Verbandspräsidenten gewählt, trat aber nach nur etwas mehr als einem Jahr zurück. Er habe nicht die angedachten strukturellen Ideen umsetzen können, hieß es damals. Im September wird ein neues Präsidium gewählt.

(sb/sid)
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