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Deutscher Olympia-Chef
Vesper will sich Harting zur Brust nehmen

Olympia 2016: Michael Vesper will sich Robert Harting zur Brust nehmen
Chef de Mission Michael Vesper bei der Einkleidung der Olympia-Mannschaft. FOTO: dpa, scg jhe
Rio de Janeiro. Die Vorfreude auf die Spiele in Rio steigt im deutschen Team, auch beim Chef de Mission Michael Vesper. Mit Robert Harting hat er allerdings noch ein Hühnchen zu rupfen.

Der Olympia-Coutdown läuft, die Vorfreude steigt: Wenn am Montagabend um 22.15 Uhr eine der letzten großen Gruppen der deutschen Olympiamannschaft mit Lufthansa-Flug 500 von Frankfurt ins Rio-Abenteuer startet, wird es allmählich ernst. "Trotz aller Diskussionen der letzten Tage bin ich jetzt guten Mutes, dass wir tolle Spiele erleben werden", sagt Chef de Mission Michael Vesper im SID-Interview.

Gemeinsam mit den Handball-Europameistern und zahlreichen weiteren Spitzenathleten, Betreuern und Trainern wird auch er am Montag an Bord der Boeing 747 gehen. Ab Dienstag wird die Zahl der Athleten im deutschen Wohnturm im Olympischen Dorf, den schon zahlreiche schwarz-rot-goldene Flaggen zieren, dann auf über 300 steigen - am Ende sollen es 423 sein.

Robert Harting ist noch nicht da, aber wenn der Diskus-Olympiasieger am 8. August in Rio zum deutschen Team stößt, kann er sich auf eine Kopfwäsche durch den Chef de Mission einstellen. Grund: Hartings Attacke gegen den IOC-Präsidenten Thomas Bach wegen des nicht erfolgten Ausschlusses der russischen Sportler ("Ich persönlich verabscheue diesen Menschen mehr denn je.").

"Wir alle kennen Robert Harting, nicht jeden seiner Sprüche darf man auf die Goldwaage legen. Er haut halt gern mal einen raus und überschreitet dabei gelegentlich die Grenzen von Geschmack und Anstand", sagte Vesper im SID-Interview. Harte, zugespitzte Kritik sei zulässig, "aber Thomas Bach als 'Teil des Dopingsystems' hinzustellen, ist absurd und inakzeptabel". Er werde mit Harting in Rio sprechen, "aber das ist nichts für die Öffentlichkeit".

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Vesper betonte aber, dass es keinen Maulkorberlass für die deutschen Sportler in Rio geben werde: "Wir setzen auf mündige Athletinnen und Athleten, die ihre Worte frei, aber auch mit Bedacht wählen können."

Gerne würde sich Vesper schon jetzt ausschließlich mit sportlichen Belangen befassen, doch vor allem die hitzigen Diskussionen über den nachsichtigen Umgang des IOC mit Russland rückt immer wieder die Sportpolitik in den Mittelpunkt. Er wisse noch nicht, wie er sich fühlen werde, wenn am Freitag bei der Eröffnungsfeier im Maracana die russischen Fahnen wehen, sagte er.

"Wenn der Prozess konsequent durchgeführt wird, dann laufen nur die russischen Sportler ein, die wie ihre Wettbewerber aus aller Welt eine belastbare internationale Testserie vorzuweisen haben", erklärte Vesper: "Wenn nicht, dann würde ich im Sinne der fairen Athleten eine ganze Menge Ärger und Wut verspüren."

Nun wünscht er sich nichts mehr als eine Fokussierung auf den Sport. "Wir müssen auch den Athletinnen und Athleten gerecht werden, die sich viele Jahre vorbereitet haben und die es verdient haben, dass ihre sportliche Leistung in den Mittelpunkt rückt", sagte Vesper.

Doch auch rein sportlich gab es für Team Germany am Wochenende Rückschläge. Allen voran die Abteilung Tennis traf es mit der Absage des ausgelaugten Hoffnungsträgers Alexander Zverev hart, nachdem bereits der erkrankte Doppel-Spezialist Philipp Petzschner hatte passen müssen.

Im Deutschen Tennis-Bund (DTB) wurde die Absage nicht nur wohlwollend zur Kenntnis genommen. "Er sieht sich derzeit nicht in der Lage, eine Medaille zu gewinnen, deshalb spielt er nicht", sagte DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard dem SID: "Man kann sich fragen, ob seine Turnierplanung so richtig war, alles hintereinander weg zu spielen."

(sid)
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