| 21.33 Uhr

Olympia-Silber für Deutschland
Karsch wird überraschend Zweite mit der Sportpistole

Silber rührt Sportschützin Karsch zu Tränen
Silber rührt Sportschützin Karsch zu Tränen FOTO: dpa, ab mr
Rio de Janeiro. Die medaillenlose Schmach von London ist getilgt. Sportsoldatin Karsch holt in Rio mit der Sportpistole überraschend Silber. Einen ganz besonderen Glücksbringer trägt sie im Finalduell mit ihrer Bundesliga-Teamkollegin Korakaki dicht bei sich.

Schon vor dem Duell um Gold hüpfte Sportschützin Monika Karsch jubelnd durch die Olympia-Schießanlage Deodoro. Die Sportsoldatin aus Regensburg wusste: Mindestens Silber ist ihr mit der Sportpistole nicht mehr zu nehmen. Und im finalen Shooutout war die 33-Jährige nach einer furiosen Aufholjagd von 0:6 auf 6:6 dem Riesen-Coup ganz nah, doch in der letzten Runde hatte Anna Korakaki am Dienstag die besseren Nerven. Am Ende hieß es 8:6 im Final-Match für die Griechin, aber auch Karsch hatten allen Grund zu feiern. "Wahnsinn, das ist wirklich ein Traum", jubelte Karsch.

Sie habe mit der Ersatzwaffe schießen müssen. "Die fühlt sich einfach ein bisschen anders an", sagte die Bayerin, die stolz auf ihre Aufholjagd war: "Es gehört wahnsinnig viel Energie dazu, da nochmal so zu kämpfen." Das Kuriose: Korakaki und Karsch schießen in der Bundesliga beide für den SV Waldkirch.

"Sie hat Silber gewonnen, nicht Gold verloren. Das war eine großartige Leistung von ihr", sagte Bundestrainer Detlef Glenz, der schon auf die nächsten Wettkämpfe vorausblickte: "Damit hat sie den Druck von unserer Mannschaft genommen. Da können meine Schnellfeuerschützen Christian Reitz und Oliver Geis locker nachlegen."

Bronze ging an Heidi Diethelm Gerber. Die Schweizerin besiegte im Duell um Rang drei die chinesische Weltranglistenerste Zhang Jingjing. Vier Jahre nach der historischen Pleite von London, wo es erstmals seit 1964 keine Olympia-Medaille für den Deutschen Schützenbund gegeben hatte, holte Karsch damit in Brasilien das erste Edelmetall für den Verband. Mit der Luftpistole hatte sie am Sonntag nur den 25. Platz belegt.

Die 33 Jahre alte Sportsoldatin trug im Finale ein Amulett um den Hals mit einem Foto ihrer Kinder Lina (3 Jahre) und Bruno (5). Und der Glücksbringer wirkte. "Ein Gedanke ist immer in der Heimat", hatte sie vor dem Halbfinale gesagt, ehe sie nach dem Finale gemeinsam mit ihrem Ehemann und Trainer Thomas jubeln konnte.

Mit einer starken Leistung und 583 Ringen war Karsch in ihrer Spezialdisziplin als Vierte ins Finale der besten Acht eingezogen. Und dort überraschte sie als Zweite und hüpfte schon vor dem finalen Shootout jubelnd durch die Halle. Im Finale glich sie dank einer bravourösen Aufholjagd nach einem 0:6-Rückstand noch zum 6:6 aus, doch am Ende triumphierte die 19 Jahre alte Korakaki.

Karsch freute sich aber dennoch über Silber und verteilte Handküsse ins Publikum, Bundestrainer Glenz streckte die Siegerfaust in die deutsche Fanecke.

Beim Weltcup im April hatte Karsch bereits gemerkt, dass ihr die Anlage in Rio liegt. Damals kam sie beim Weltcup auf Platz vier - ein Resultat, das sie nun bei Olympia gehörig toppte.

Sportdirektor Heiner Gabelmann hatte schon vor dem Finale gesagt, dass er sehr zufrieden sei, "weil ihre Nominierung nicht unumstritten war. Also haben wir alles richtig gemacht." Aufgrund des Doppelstartrechts einiger Gewehrschützen konnte Karsch noch nachnominiert werden.

Die bislang letzte deutsche Olympiasiegerin im Schießen bleibt 1988 Silvia Sperber, die in Seoul mit dem Kleinkaliber-Gewehr im Dreistellungskampf gewonnen hatte.

Die stärkste Leistung in der Qualifikation war Jingjing mit 592 Ringen gelungen. Im Kampf um die Medaillen zählten die Vorleistungen jedoch nicht mehr, das Finale wurde im Duell-Modus ausgetragen. Und ausgerechnet die Chinesin ging leer aus.

(jaso/dpa)
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