| 17.46 Uhr

Wasserspringen bei Olympia
Hausding belohnt sich endlich mit Einzelmedaille

Hausding holt historische Bronzemedaille
Hausding holt historische Bronzemedaille FOTO: dpa, kno
Rio de Janeiro. Wasserspringer Patrick Hausding hat sich endlich mit der ersten Einzelmedaille belohnt - und den Deutschen Schwimm-Verband vor einem noch größeren Debakel bewahrt.

Auch als er im Deutschen Haus mit tosendem Applaus wie ein Olympiasieger gefeiert wurde, fühlte sich der historische Bronze-Coup für Patrick Hausding noch unwirklich an. "Es ist geil, aber richtig realisieren kann ich es noch nicht", sagte der Wasserspringer bei der großen Party. Auf einem Twitterfoto ließ er grinsend seine Medaille ins Springerbecken baumeln, dazu schrieb er: "IST DAS WIRKLICH WAHR????????"

Ja, es ist wahr - und Patrick Hausding hatte es irgendwie geahnt: "Ich hatte es ein bisschen im Urin." Und sein Gefühl täuschte nicht: Der Rekord-Europameister sicherte sich im Flutlicht-Finale vom 3-m-Brett am Dienstagabend nach einer famosen Aufholjagd Bronze und damit seine erste Einzelmedaille bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften. Vielleicht auch, weil er drei vierblättrige Kleeblätter als Glücksbringer in seine Akkreditierung gelegt hatte.

"Ich bin so oft knapp vorbeigeschrammt", sagte der 27 Jahre alte Berliner: "Jetzt war es genau der richtige Zeitpunkt, Bronze abzusahnen." Der Zeitpunkt war auch für den arg gebeutelten Deutschen Schwimm-Verband (DSV) perfekt. Durch die erste Medaille von Rio de Janeiro verhinderte Hausding eine historische Nullnummer für den Verband. "Ganze Felsen" seien ihm von den Schultern gefallen, verriet Lutz Buschkow. Der DSV-Leistungssportdirektor und Wassersprung-Bundestrainer gab zu: "Der Druck war groß."

Die DSV-Bilanz am Zuckerhut ist zwar immer noch enttäuschend, doch Hausdings Erfolg kaschiert den Misserfolg ein wenig. Zumal er historische Dimensionen hat: Erstmals seit 104 Jahren gewann wieder ein deutscher 3-m-Springer eine Olympia-Medaille. "Damals gab es noch Holzbretter, so viel ich weiß", sagte Hausding. Disziplinübergreifend ist es die erste Medaille eines deutschen Wasserspringers seit "Jan Hempel 1996", wie Hausding auswendig wusste.

Ob diese Einzel-Bronzemedaille mehr wert ist als das Olympia-Silber von 2008 im Turm-Synchronspringen mit Sascha Klein, konnte Hausding nicht beantworten. Sie hat aber für Aufsehen gesorgt. "Über 200 WhatsApp-Nachrichten" habe er nach dem Wettkampf erhalten, sagte der 13-malige Europameister. Am Tag nach seinem großen Erfolg verriet Hausding zudem: "Die Medaille ist mir schon runtergefallen. Sie hat jetzt einen kleinen Kratzer."

Hausding, der zuvor in den Synchronspringen vom Turm und Brett jeweils Vierter geworden war, sprang, als habe es die langwierigen Schulter- und Knieprobleme nicht gegeben habe. Nach einem verpatzten Auftaktsprung rollte er das Feld von hinten auf, spätestens nach dem Viereinhalb-Vorwärtssalto im vorletzten Durchgang, der mit 98,80 Punkten die höchste Wertung unter allen Finalisten brachte, war alles auf Bronze programmiert. Nur Hausding wusste von nichts.

Hausding schaute nicht auf die Anzeigetafel

Nach den Nervenschlachten im Vorkampf und Halbfinale, denen der russische London-Olympiasieger Ilja Sachachow und der chinesische Weltmeister He Chao zum Opfer gefallen waren, vermied Hausding bewusst den Blick auf die Anzeigetafel. "Sprung machen, Musik auf die Ohren, auf nichts anderes achten" - so lautete seine Erfolgstaktik.

Ob Deutschlands Vorspringer auch bei Olympia 2020 in Tokio noch dabei sein wird, ließ er offen. Hausding bekommt nun in Christoph Bohm einen neuen Heimtrainer, der gerade einmal fünf Jahre älter ist als er selbst. "Das ist eine Herausforderung", sagte Hausding, "aber ich mag Herausforderungen."

(sid)
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