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Bitterer Moment am Zuckerhut
Kohlschreiber reist mit Fußverletzung aus Rio ab

Die schweren Verletzungen der Spiele in Rio
Die schweren Verletzungen der Spiele in Rio FOTO: ap
Rio de Janeiro. Pleiten, Pech und Pannen: Der verletzungsbedingte Rückzug von Philipp Kohlschreiber sorgt für Tristesse im gebeutelten Team der deutschen Tennisprofis.

Philipp Kohlschreiber träumte insgeheim von süßen Medaillen-Momenten am Zuckerhut. Doch das Olympia-Abenteuer endete für den Davis-Cup-Spieler mit einer Stressfraktur im Fuß und dem vorzeitigen Kofferpacken im Athletendorf von Rio. "Das alles ist sehr traurig und schwer zu verarbeiten", sagte Kohlschreiber, der noch am Montagabend Ortszeit die Heimreise antrat.

Kohlschreiber muss vier bis acht Wochen pausieren

Tristesse und Frust statt Samba de Janeiro. "Die Ärzte gehen von einer vier- bis achtwöchigen Pause aus. Ich hoffe jetzt, dass mich meine Familie aufbaut. Länger hierzubleiben war keine Option", meinte der Augsburger und sprach von einer "gefährlichen Verletzung" und "einem schwierigen Moment in seiner Karriere".

Die Blessur von Kohlschreiber sorgte für Katzenjammer im Lager der deutschen Tennisprofis. "Aus gesundheitlicher Sicht steht Olympia für uns bislang unter keinem guten Stern", sagte DTB-Vizepräsident und Rio-Teamchef Dirk Hordorff dem SID. Am Sonntag hatte sich Dustin Brown (Winsen/Aller) in seinem Auftaktmatch einen doppelten Bänderriss zugezogen und musste unter Tränen aufgeben.

Neben Kohlschreiber waren von sieben gestarteten DTB-Profis lediglich Angelique Kerber (Kiel/Nr. 2) und Laura Siegemund (Metzingen) siegreich. Kerber zog am Montag durch ein überzeugendes 6:4, 6:2 im Duell mit Angstgegnerin Eugenie Bouchard (Kanada) ins Achtelfinale ein.

Die Nummer zwei der Setzliste trifft in der Runde der letzten 16 auf Samantha Stosur (Australien/Nr. 13). Am Montagnachmittag Ortszeit spielt als letzte Deutsche Olympia-Debütantin Laura Siegemund (Metzingen) um den Sprung ins Achtelfinale.

"Diese Verletzung ist Neuland für mich"

Dort wollte Kohlschreiber bei seiner Olympia-Premiere auch hin. Unbedingt. Nun steht der 32-Jährige vor ungewissen Monaten und kann die Teilnahme an den US Open in New York (29. August bis 11. September) ziemlich sicher abhaken. "Ich hoffe, dass ich zum Ende der Saison noch ein paar Turniere spielen kann. Diese Verletzung ist Neuland für mich, man muss sehen, wie sich alles entwickelt", sagte Kohlschreiber, der am Montag sein Zweitrundenspiel gegen den Slowaken Andrej Martin bestreiten sollte.

Die deutsche Nummer zwei war sich sehr wohl bewusst, dass die Chancen auf eine Überraschungs-Medaille gar nicht schlecht standen. Nicht zuletzt, weil zehn Spieler aus den Top 20 ihre Teilnahme an den Sommerspielen abgesagt hatten.

Doch bereits in der ersten Runde verschlimmerten sich seine Beschwerden im Sprunggelenk. Seit dem Turnier in Hamburg Mitte Juli hatte Kohlschreiber Probleme mit dem Sprunggelenk gehabt. "Ich habe danach in Sachen Reha alles versucht, um für Olympia fit zu sein", berichtete er.

Kohlschreiber ist bereits der vierte deutsche Tennisprofi, der für die Spiele in Rio ausfällt. Philipp Petzschner (Bayreuth) hatte seine Teilnahme wegen einer Infektion abgesagt. Anschließend zog auch Hoffnungsträger Alexander Zverev (Hamburg) wegen Erschöpfung zurück - und erntete dafür Kritik. "Man kann sich fragen, ob seine Turnierplanung so richtig war, alles hintereinander weg zu spielen", sagte DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard dem SID.

Kohlschreiber und Olympia - das ist eine unglückliche Kombination. 2012 hatte er seinen Verzicht auf die Teilnahme an den Spielen in London in einer verwackelten Videobotschaft zu erklären versucht. Nun platzte der süße Traum am Zuckerhut jäh.

(sid)
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