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Straßenrennen in Rio
Worrack startet mit einer Niere bei Olympia

Olympia 2016: Trixi Worrack startet mit einer Niere in Rio
Das deutsche Team um Trixi Worrack (r.). FOTO: dpa, nic
Rio de Janeiro . Im Frühjahr musste Trixi Worrack nach einem schweren Sturz eine Niere entnommen werden. Die 34-Jährige hat sich davon schneller erholt als gedacht und könnte im olympischen Straßenrennen am Sonntag eine bedeutende Rolle spielen.

Es war eigentlich ein ganz normaler Sturz im März, "gar nicht schlimm", erinnert sich Trixi Worrack. Bei einem italienischen Rennen kollidierte sie nach einer Kurve wohl mit einer Konkurrentin und fiel auf ihre linke Seite - ein Unfall wie er im Radsport dutzendfach vorkommt. Von außen waren auch kaum Verletzungen zu sehen, die Folgen aber trotzdem dramatisch.

Worrack bekam höllische Schmerzen, übergab sich deswegen sogar. Bei einer genauen Untersuchung der Schock: die linke Niere war dreifach gerissen. Mit Blaulicht wurde sie in ein Krankenhaus nach Varese gefahren, die Niere in einer Notoperation umgehend entfernt. Worrack hatte viel Blut im Bauch, die Situation war lebensbedrohlich. "Die erste Woche nach der OP habe ich gedacht, die Karriere ist zu Ende. Aber dann ging es peu à peu voran", erzählt die gebürtige Cottbuserin.

Comeback 83 Tage nach Unfall

Und sie fasste den Entschluss zurückzukommen, die Leistungskurve ging überraschend schnell wieder nach oben. 83 Tage nach dem Crash feierte Worrack ihr Comeback, bald darauf gewann die viermalige Weltmeisterin im Teamzeitfahren die deutsche Meisterschaft im Kampf gegen die Uhr - eine Sensation.

Viel geändert hat sich seit den bangen Stunden nicht, das Leben mit nur einer Niere sei "eigentlich nicht anders." Einschränkungen habe sie nicht, einzig regelmäßige Blutkontrollen seien nötig.

Worrack ist gesund und über vier Monate nach dem Unglück nun sogar in Rio de Janeiro bei den Sommerspielen, begeistert vom Flair, begeistert von der Atmosphäre im Olympischen Dorf und in der deutschen Mannschaft. "Es ist ein tolles Klima und ich fühle mich in guter Verfassung", sagt Worrack und strahlt.

Bei ihrer vierten Olympia-Teilnahme wagt sie keine Prognose, weder für das Straßenrennen der Frauen am Sonntag (12.15 Uhr OZ/17.15 Uhr MESZ), noch für das Einzel-Zeitfahren am 10. August (8.30 Uhr OZ/13.30 Uhr MESZ). Worrack lässt alles auf sich zukommen, ohne Druck und voller Vorfreude. "Ich will schöne Rennen fahren. Es ist etwas so Besonderes, nachdem ich so eine harte Zeit hatte", sagt sie.

Doch nur dabei sein, will Worrack freilich auch nicht. "Bei uns hat das Olympia-Rennen einen noch höheren Stellenwert als bei den Männern", sagt die WM-Zweite von 2006. Und das vierköpfige Team des Bundes Deutscher Radfahrer hat durchaus Medaillenchancen. Ob Claudia Lichtenberg (München), Lisa Brennauer (Kempten), Romy Kasper (Forst) oder Worrack selbst, der BDR wird zu beachten sein. "Wir haben unseren eigenen Plan", sagt Worrack.

(sid)
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