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Golf bei Olympia ohne Top-Stars
Zika-Absagen sind schlecht fürs Image, aber gut für Kaymer

Fotos: Das ist Martin Kaymer
Fotos: Das ist Martin Kaymer FOTO: AP
Rio de Janeiro. Keine Stars, große Chance: Dank der Abwesenheit zahlreicher Stars träumt Golfer Martin Kaymer bei seiner Olympia-Premiere von Edelmetall.

Martin Kaymer war genervt. Ja, betonte Deutschlands Top-Golfer, die leidige Diskussion über die unzähligen Absagen habe er mittlerweile satt. "Es ist ganz, ganz, ganz schwer zu verstehen, wenn man beim größten Sportereignis der Welt nicht dabei sein will", sagte der 31-Jährige. Aber was kümmert es ihn? "Ich bin hier, um eine Medaille zu holen." Und die Chancen sind gut.

Unzählige Stars der Szene, darunter die besten vier der Weltrangliste, haben vor allem aus Angst vor dem Zika-Virus ihren Start bei den Olympischen Spielen abgesagt. Und weil Kaymer plötzlich als Medaillenaspirant am Abschlag steht, wenn am Donnerstag (ab 7.30 Uhr OZ/12.30 Uhr MESZ) zum ersten Mal seit 112 Jahren wieder der kleine weiße Ball bei einem olympischen Turnier über die Fairways gejagt wird, sagt er freudig: "Ich für meinen Teil bin froh, dass ich hier bin."

Fliegt Golf schon wieder raus?

Der frühere Weltranglistenerste, für den Olympia "das größte Turnier überhaupt" ist, sollte die Gelegenheit nutzen. Denn die Absagenflut könnte Folgen haben, die olympische Zukunft des Golfsports steht in den Sternen.

"Ich kann es gut verstehen, wenn die IOC-Familie sagt, dass sie sich das Szenario nur einmal anschauen möchte", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Athleten anderer Sportarten würden die Olympia-Chance sicherlich nicht einfach so ausschlagen, "und sollte es dauerhaft so sein, kann man das Gefühl bekommen, dass es wenig sinnvoll ist", wenn Golf weiter Teil des olympischen Programms sei.

IOC-Präsident Thomas Bach hatte sich dahingehend schon kritisch geäußert. Man müsse die individuellen Entscheidungen eines jeden zwar akzeptieren, aber "eines der wichtigsten Kriterien für die Bewertung ist natürlich die Frage, ob die besten Spieler dabei sind". Und das sind sie eben nicht, zumindest nicht in Rio.

Trotz Zika-Angst Urlaub auf Barbados

Kaymer machte sich trotzdem dafür stark, seine Sportart im prallen Olympiaprogamm zu behalten. "Golf vermittelt supergute Werte wie Respekt, Disziplin und Leidenschaft", sagte er, "auch Ehrlichkeit gehört dazu." Aber ist das wirklich so?

Der meistgenannte Grund für die Abwesenheitwar eben Zika. Der Nordire Rory McIlroy aber, der eben deshalb in Rio fehlt, verbrachte seinen Urlaub auf Barbados. In einem Land, wo die Zika-Gefahr mindestens so hoch ist wie in Brasilien. Kaymer spricht von "angenehmen Ausreden",

Das Fehlen der Top-Stars ist dabei nicht das einzige Problem, mit dem die Sportart bei ihrer Rückkehr auf die Olympia-Bühne zu kämpfen hat. Der Platz nämlich befindet sich zumindest teilweise in einem Naturschutzgebiet, zudem warfen undurchsichtige Deals mit Spekulanten über die Nutzung nach dem Großereignis viele Fragen auf.

(sid)
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