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Diskus-Olympiasieger will zocken
Der Harting von 2016 hätte gegen den Harting von 2012 keine Chance

Bilder: Oldies träumen von Medaillen am Karriere-Ende
Bilder: Oldies träumen von Medaillen am Karriere-Ende FOTO: dpa, Christian Charisius
Rio de Janeiro. Von seiner Meinung über IOC-Präsident Thomas Bach rückt Robert Harting nicht ab - doch ab sofort wird er sich auf den Kampf um eine Medaille in Rio konzentrieren.

Robert Harting und Thomas Bach werden keine Freunde mehr werden, das darf als gesichert gelten. Von seiner Meinung über den IOC-Präsidenten rückt der Olympiasieger im Diskuswerfen wenig überraschend nicht ab, "meine persönliche Meinung von ihm ist schlechter denn je", betont er im Interview mit dem SID. Doch zu diesem Thema ist nun erst mal alles gesagt - Harting hat Wichtigeres im Kopf: Seinen Start in Rio, den 13. August, das Finale im Diskuswerfen.

Ob es noch mal Gold wird wie 2012 in London, mag Harting nicht vorherzusagen. Der Harting von 2016 hätte gegen den Harting von 2012 jedenfalls "keine Chance" - vor vier Jahren "hatte ich ein ganz anderes Niveau", sagt der dreimalige Weltmeister. Dass er von den goldenen Londoner Tagen (68,27 m) weit weg ist, könnte einen ehrgeizigen Wettkämpfer wie ihn zu Weißglut treiben, ihn mürbe machen, Harting aber sagt vor seiner Reise nach Rio am Montag kommender Woche: "Das muss ich akzeptieren."

Harting ist diesmal der Jäger

Die Akzeptanz des bisweilen Unvermeidlichen hat sich bei Harting seit jenem Tag im September 2014 eingestellt, als den schier unverwüstlichen Diskus-Riesen ein Kreuzbandriss aus dem Tritt brachte. Seitdem, bekennt der gebürtige Cottbuser, hat es "in mir eine Werteverschiebung gegeben". Früher ging es ihm um das Gewinnen, um "Machtdemonstration", jetzt steht zunächst mal "der sportliche Wettkampf im Mittelpunkt". Das kann allerdings auch seine Vorteile haben.

Harting wird in Rio nicht der Gejagte sein, sondern Jäger, und das, sagt er, "gefällt mir". Es wird ein Psychospielchen werden mit der Konkurrenz, "die haben mich lange nicht mehr auf diesem großen Parkett gesehen, ich bin ein unkontrollierbarer Faktor". Keiner der Konkurrenten wird so genau wissen, was Harting drauf hat, sie werden seinen Atem spüren, und er, er kann mit ihnen spielen. "Ich freue mich", sagt Harting, "dass ich jetzt ein bisschen zocken kann, angreifen kann."

Am vergangenen Freitag hat Harting in Schönebeck 66,95 m weit geworfen - ausbaufähig. Mit einer Weite von 66 m, sagt Harting, werde er in Rio bestimnmt kein Medaillenkandidat sein, mit 67 m schon eher. Sollte die 68 vor dem Komma stehen, ist Gold drin. Weil sich seine Perspektive verschoben hat, findet es Harting aber schon mal "cool, überhaupt in der Situation zu sein, sich mit den Besten der Welt messen zu können". Gold? Ist kein Muss. Was aber nicht heißt, dass er es nicht haben will.

Gold blättert schnell ab

"Klar habe ich auch Bock auf Gold, das fände ich auch geil, das will ich auch immer haben", sagt Harting, aber: "Ich hatte es schon einmal, und ich weiß, wie schnell es abblättert." In der Phase nach dem Kreuzbandriss hat er Demut gelernt, versichert er, er habe verstanden, dass das, was er tue, eher irrelevant sei. Und so nimmt er es, wie es kommt. "Ich habe immer gesagt, dass die letzten sechs Wochen Training meine Stärke sind. Mal schauen, wofür es reicht."

Wenn sie ihm dann am 13. August eine Medaille umhängen, dann darf das gerne auch Leichtathletik-Weltpräsident Sebastian Coe sein. Den umstrittenen Briten nennt Harting mittlerweile einen "Gewinner", weil er den russischen Leichtathleten die Teilnahme in Rio wegen der Doping-Skandale verweigert hat. "Er hat dafür gesorgt", betont Harting, "dass alle Anti-Doping-Kämpfer etwas zurückbekommen haben." Von Bach mag er das nicht behaupten.

(sid)
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