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B-Mannschaft bei Olympia
Der Fußball interessiert sich nur für sich selbst

Porträt: Horst Hrubesch – Kopfballungeheuer und Trainer-Phänomen
Porträt: Horst Hrubesch – Kopfballungeheuer und Trainer-Phänomen FOTO: dpa, pse fpt hak jhe
Meinung | Düsseldorf. Dieser Olympia-Kader ist ein Witz. Der DFB hat es noch nicht einmal hinbekommen, eine halbwegs ambitionierte Nachwuchsmannschaft zu den Olympischen Spielen nach Rio zu schicken. Von Gianni Costa

Nach wochenlangem Feilschen und Verhandeln mit den Vereinen hat U21-Trainer Horst Hrubesch ein Team nominieren müssen, mit dem man ein fatales Signal aussendet: der Fußball interessiert sich nur für sich selbst. Zum ersten Mal seit 1988 nimmt eine deutsche Mannschaft wieder an den Sommerspielen teil. Damals gewann die Auswahl Bronze. Diesmal wäre es viel ehrlicher gewesen, überhaupt kein Team zu schicken.

Der Fußball interessiert sich nicht für Olympia. Für die Klubs ist dabei sein überall dort alles, wo es Geld zu verdienen gibt. Also in der nationalen Meisterschaft und dem Pokal, sowie auf der internationalen Bühne mit Champions und Europa League. Dazu kommen noch die Welt- und Europameisterschaften, die den Arbeitgebern immerhin sogenannte Abstellgebühren bescheren. Olympia passt nicht in den Terminkalender. Ohnehin gibt es keine Abstellungspflicht der Vereine, weil die Spiele außerhalb des Weltfußballverbandes Fifa organisiert werden.

Daran ändern auch Sonntagssätze wie der von DFB-Präsident Reinhard Grindel nichts. Der hatte noch auf dem Verbandstag im April in Richtung Liga gefordert: "Wir sollten als deutscher Fußball mit der bestmöglichen Mannschaft bei den Olympischen Spielen antreten."

An diesem Ziel ist er so deutlich vorbeigerauscht, wie ein deutscher Athlet an einer Goldmedaille im 100-Meter-Lauf gegen Usain Bolt. Schon mal etwas von Grischa Prömel gehört? Der 21-Jährige hat bislang 21 Zweitliga-Spiele für den Karlsruher SC absolviert. Oder Lukas Klostermann, 20, von RB Leipzig. Natürlich sind das zwei talentierte Kräfte. Aber sie sind nicht das Beste, was Deutschland hätte aufbieten können. Doch selbst viele Spieler und deren Vereine aus der zweiten und dritten Reihe haben schnell abgewunken. Der Fokus liegt auf der Saisonvorbereitung, nicht auf irgendeinem olympischen Geist. Daran ändert auch nichts, dass zum Beispiel ein Timo Horn vom 1. FC Köln zum Kader zählt – auf der Torhüterposition ist Deutschland auch noch an 127. Stelle besser besetzt als viele andere Nationen.

Hrubesch ist in diesem Schauspiel nicht zu beneiden gewesen. Es war ein zähes Ringen in den Hinterzimmern. Schon im Vorfeld wurden so viele Regularien aufgestellt, dass man eigentlich überhaupt nicht mehr ein halbwegs vernünftiges Team aufstellen konnte. Die Gladbacher Vertreter wie zum Beispiel Mahmoud Dahoud – aus dem Rennen, weil in der Qualifikation zur Champions League gebraucht. Die Berliner Vertreter wie zum Beispiel Mitchell Weiser – aus dem Rennen, weil in der Qualifikation zur Europa League gebraucht. Die Spieler, die bei der EM in Frankreich zur Nationalmannschaft gehörten – aus dem Rennen. Leroy Sané, Jonathan Tah und Julian Weigl.

Selbst Kevin Volland, der gar nicht in Frankreich dabei war, war keine Option, weil er im Sommer den Klub gewechselt hat und sich auf Leverkusen konzentrieren will. Gleiches gilt für Torwart Loris Karius und den FC Liverpool. Dazu war jeder Verein sowieso nur nach freiwilliger Absprache mit der DFL verpflichtet, maximal zwei Teilnehmer abzustellen – ganz egal welcher Nationalität.

Und so tritt Deutschland nun eben mit der B-Mannschaft der B-Mannschaft an.

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