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Balandin holt überraschend Gold
Auch Koch enttäuscht – Deutschland droht Schwimm-Debakel

Koch setzt Desaster der Schwimmer fort
Koch setzt Desaster der Schwimmer fort FOTO: dpa, kno
Rio de Janeiro. Marco Koch hing mit dem rechten Arm am Beckenrand und starrte ungläubig auf die Anzeigetafel. Der Schwimm-Weltmeister ist mit seiner Olympia-Mission in Rio de Janeiro krachend gescheitert – und er konnte es nicht so richtig fassen.

Statt wie erhofft auf seiner Paradestrecke 200 m Brust in Weltrekordzeit zu Gold zu schwimmen, musste sich der Darmstädter mit einem enttäuschenden siebten Platz zufriedengeben.

Während der Kasache Dmitri Balandin über seinen Sensations-Olympiasieg jubelte, suchte Koch vergeblich nach Erklärungen für den geplatzten Medaillen-Traum. "Das war leider nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe", sagte der 26-Jährige konsterniert: "Ich ärgere mich einfach, dass ich hier nicht mein Bestes zeigen konnte. Es macht mich traurig, dass ich dieses Jahr schon dreimal schneller war." Am Druck des Goldfavoriten habe es nicht gelegen: "Bei der WM war ich viel nervöser."

Koch hatte vor dem Rennen angekündigt, dass der Olympiasieg nur in Weltrekordzeit vergeben werde. Doch das Finale war deutlich langsamer, und selbst das war für Deutschlands Vorschwimmer (2:08,00) zu schnell. Hätte Koch seinen eigenen deutschen Rekord (2:07,47 Minuten) gebrochen, wäre er Olympiasieger geworden. So aber triumphierte völlig überraschend der Kasache Balandin (2:07,46) vor dem Amerikaner Josh Prenot und dem Russen Anton Tschupkow. Koch fehlten drei Zehntelsekunden zu Bronze.

Dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) droht damit wie schon vor vier Jahren eine Medaillen-Nullnummer. Zuvor waren schon Weltrekordler Paul Biedermann (6. über 200 m Freistil) und Franziska Hentke (11. über 200 m Schmetterling) als DSV-Hoffnungsträger am Podest vorbeigeschwommen.

Public Viewing in Darmstadt

Mit Koch zitterten nicht nur die Teamkollegen vor Ort mit, sondern auch seine Fans zu Hause in Darmstadt. Dort öffnete extra die Lounge im Centralstadion in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag um 2 Uhr für ein Public Viewing ihre Pforten. Die Menschen gingen fassungslos nach Hause.

Koch hatte für seinen Traum nichts unversucht gelassen. Mit seiner Ernährungsumstellung auf "vegan mit Fleisch" hatte er schon vor zwei Jahren einige Kilos abgekommen, dazu das Muskeltraining deutlich intensiviert.

Koch hatte aber nicht nur hart trainiert, sondern sich intensiv auf die ungewohnt späten Rennzeiten in Rio vorbereitet. In seinem Zimmer brannte nachts eine spezielle Lampe, die Tageslicht simulierte, damit sein Körper kurz vor Mitternacht Höchstleistung bringen kann. Genutzt hat es nichts.

Die Olympiamedaillen gingen auch am fünften Wettkampftag an andere Nationen. Gold sicherten sich die Spanierin Mireia Belmonte Garcia über 200 m Schmetterling (2:04,85), der Australier Kyle Chalmers über 100 m Freistil (47,58) und die 4x200-m-Freistilstaffel der US-Amerikanerinnen mit Schlussschwimmerin Katie Ledecky, die in Rio bereits zum dritten Mal triumphierte.

Diener kickt Glania aus dem Finale

Rückenschwimmer Christian Diener erreichte mit der zweiten persönlichen Bestzeit an einem Tag das olympische Finale über 200 Meter. Der EM-Zweite von 2014 schlug in 1:56,37 Minuten als Achter des Halbfinales an. Damit verdrängte Diener, der schon im Vorlauf persönliche Bestzeit geschwommen war, Jan-Philip Glania auf den neunten Platz. Wie in London vor vier Jahren verpasste Glania erneut nur knapp den Endlauf.

Als schnellster Schwimmer geht der Russe Jewgeni Rylow nach 1:54,45 Minuten das Finale an. Diener sorgte für die erst vierte deutsche Finalteilnahme bei den olympischen Schwimm-Wettbewerben in Rio.

Lagenschwimmer Philip Heintz sorgte für den fünften Finaleinzug des deutschen Schwimmteams. Der 25-Jährige aus Heidelberg qualifizierte sich über 200 m als Achter (1:58,85 Minuten) für den Endlauf am späten Donnerstagabend, er blieb dabei jedoch mehr als eine Sekunde über seinen im Vorlauf erzielten deutschen Rekord (1:57,59). Superstar Michael Phelps (USA) unterstrich als Halbfinal-Sieger seine Ambitionen auf seine 22. Goldmedaille.

(seeg/dpa/sid)
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