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Vielseitigkeitsreiten
Klimke bügelt Patzer aus und bringt Deutschland auf Goldkurs

Klimke bringt deutsche "Buschreiter" auf Goldkurs
Klimke bringt deutsche "Buschreiter" auf Goldkurs FOTO: dpa, msc
Rio de Janeiro. Das strahlende Lächeln wollte gar nicht mehr aus dem Gesicht von Ingrid Klimke weichen: Als einzige Deutsche war die zweimalige Olympiasiegerin fehlerfrei durch die Dressur gekommen und hatte somit entscheidenden Anteil daran, dass die deutschen Vielseitigkeitsreiter als Führende in den vorentscheidenden Geländeritt am Montag gehen.

"Dressur ist jetzt History", sagte Klimke, soll heißen: Die Patzer ihrer Teamkollegen in der Gehorsamkeitsprüfung spielen bei der Hatz über Stock und Stein keine Rolle mehr.

Auch Bundestrainer Hans Melzer war die riesengroße Erleichterung deutlich anzusehen. "Ingrid ist perfekt, fehlerlos geritten", sagte er und schnaufte einmal tief durch. Zuvor hatten nämlich Doppel-Olympiasieger Michael Jung mit Sam und Weltmeisterin Sandra Auffarth mit Opgun Louvo Melzers Nerven arg strapaziert. Die beiden besten Vielseitigkeitsreiter der Welt leisteten sich in der Dressur schwere Patzer und versetzten damit den deutschen Hoffnungen auf erneutes Doppelgold zumindest einen kleinen Dämpfer. Dass dann auch Olympia-Debütantin Julia Krajewski mit Samourai du Thot nicht fehlerfrei durchs Viereck kam, rundete das Bild ab.

Nach Klimkes hervorragender Leistung in der Dressur war all das aber vergessen. "Keine Reiterin, kein Reiter der Welt sitzt so im Sattel wie Ingrid", sagte Melzer und ärgerte sich fast ein bisschen über die seiner Meinung nach zu niedrigen Noten: "Die Richter haben sehr streng gewertet und waren nicht unbedingt auf unserer Seite." So ist Klimke mit ihren 39,50 Punkten in der Einzelwertung Vierte hinter dem Briten William Fox-Pitt (37,00), dem Australier Chris Burton (37,60) und dem Franzosen Mathieu Lemoine (39,20). In der Teamwertung führt Deutschland mit 122,0 vor Frankreich (122,2) und Australien (126,4).

Vor dem Geländeritt, so Melzer, "wird jetzt alles wieder auf Null gestellt". Vorneweg sollen Auffarth und Jung mit ihren schnellen drahtigen Pferden direkt voll auf Bestzeit gehen. Keine Umwege, keine zusätzlichen Bögen, es gilt die direkte Linie zum Ziel. Kaum zu schaffen sei die 5.840 m lange Berg- und Talbahn mit ihren tückischen Hindernissen in der vorgegebenen Zeit von 10:15 Minuten, sagte Melzer: "Aber wir werden natürlich versuchen, mit Michi und Sandra gleich eine Marke zu setzen, die schwer zu erreichen ist."

Als Dritte startet Julia Krajewski, am Ende ist Ingrid Klimke dran. "Wenn die ersten Drei richtig gut waren, dann kann man natürlich zum vierten Reiter entweder sagen: Hau rein oder geh auf Nummer sicher", erklärte Melzer. Würde er allerdings Ingrid Klimke sagen, sie solle langsam reiten, "wäre sie mit Sicherheit beleidigt".

Klimke war mit sich, der Welt und ihrem Pferd nach dem anstrengenden Wochenende jedenfalls absolut im Reinen. Lediglich vor dem Einritt in das Dressurviereck hatte sie eine kleine Schrecksekunde erlebt, als ihr Hale Bob plötzlich anfing, ein bisschen rumzukeilen. "Ich hab nur noch gebetet, Bobby, oh Bobby, bitte nicht jetzt", berichtete sie. Hale Bob tat ihr den Gefallen: "Und jetzt kann er es kaum erwarten, am Montag so richtig loszugaloppieren."

(sid)
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