| 16.16 Uhr

Warten auf Russland-Entscheide
Urlaub oder Olympia? Deutsche Nachrücker im Wartestand

Beachvolleyball in Rio: Fragen und Antworten
Beachvolleyball in Rio: Fragen und Antworten
Potenzielle Nachrücker aus Deutschland sind für den Fall von Sperren gegen russische Athleten von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro nur bedingt einsatzbereit. Einige müssten sogar ihren Urlaub für die Spiele abbrechen.

Die deutschen Volleyballer sind derzeit am Strand statt in der Turnhalle anzufinden, und die infrage kommenden Boxer sind entweder bei Bundeswehr-Lehrgängen oder lediglich im Standby-Modus. Nur ein Beachvolleyball-Duo würde wenigstens direkt aus dem Wettkampf-Rhythmus heraus nach Brasilien reisen können. Eine optimale Olympia-Vorbereitung würde in allen Fällen sicher anders aussehen.

Die Volleyballer, ihre Strand-Kollegen Jonathan Erdmann/Kay Matysik (Berlin) und die Boxer Sarah Scheurich (Schwerin) und Xhek Pascali (Ludwigsburg) kommen bei noch denkbaren Ausschlüssen russischer Rivalen als Ersatz in Betracht. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will die endgültige Klärung aller Fälle bis zur Eröffnungsfeier am Freitag abgeschlossen haben.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Volleyball-Bundestrainer Vital Heynen seine Schützlinge per WhatsApp noch kurzfristig über eine Abreise nach Rio de Janeiro informieren muss, ist jedoch äußerst gering. Der Weltverband FIVB hat Russland trotz nachgewiesenen Staatsdopings bereits durchgewunken. Lediglich der internationale Sportgerichtshof CAS und ein dreiköpfiges Gremium des IOC könnten diese Entscheidung bei ihren abschließenden Prüfungen noch einmal rückgängig machen und damit dem deutschen Team noch den Weg nach Rio ebnen.

"Die FIVB hat auch gar nicht mitgeteilt, wer nachrücken würde. Das könnten zum Beispiel wir sein oder auch die Australier", sagte Thilo von Hagen, Pressesprecher des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), dem SID. Offiziell habe der Weltverband die Deutschen auch noch überhaupt nicht darüber informiert, dass die russischen Teams zugelassen worden sind. "Wir kennen auch die Kriterien nicht, nach denen die Nachrücker ausgewählt werden", sagte von Hagen weiter. Ebenfalls völlig in der Luft befinden sich auch Erdmann/Matysik, die in der Olympia-Rangliste erste Nachrücker wäre.

Situation bleibt unklar

Für Generalsekretär Michael Müller vom Deutschen Boxsportverband (DBV) schafft diese Ungewissheit allgemein eine unmögliche Situation für die Athleten. "Wir warten immer noch auf Informationen, ich verstehe nicht, warum das so lange dauert", sagte Müller dem SID. Der Weltverband habe alle elf Einzelfallprüfungen an das IOC-Gremium weitergeben. "Die sollen jetzt entscheiden", forderte Müller schnellere Arbeit.

Für das DBV-Duo Scheurich und Pascali, die nachrücken könnten, sei die Hängepartie eine "undankbare Situation", findet Müller. Scheurich kann bei ihrem Bundeswehr-Lehrgang jederzeit abreisen, Pascali verschob seinen Urlaub und hält sich auf Abruf bereit. Die Chancen seiner beiden Kämpfer auf einen Rio-Start bezifferte Müller allerdings nur auf zehn Prozent.

Doch selbst bei Sperren gegen russische Aktive befürchtet der DBV-Generalsekretär noch kein Ende der unendlich wirkenden Prozesse: "Jetzt ziehen auch noch alle Russen vor den CAS. Das wird sich wie ein schwarzer Schleier über die kompletten Olympischen Spiele legen."

(sid)
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